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Ausstellung
„Blickwinkel“: Ein Trierer Erbe, damals und heute

Ein Foto der Porta Nigra von 1880, welches im Rahmen der Ausstellung „Blickwinkel“ gezeigt wird.
Ein Foto der Porta Nigra von 1880, welches im Rahmen der Ausstellung „Blickwinkel“ gezeigt wird. FOTO: Rheinisches Landesmuseum Trier / TV
Trier. Mehr als ein Marketing-Logo – die Ausstellung „Blickwinkel“ zeigt das Weltkulturerbe Triers von einer besonderen Seite. Von Eva-Maria Reuther

Kulturdenkmäler sind das Gedächtnis einer Gesellschaft. Sind sie sogar als Weltkulturerbe geadelt, reicht ihre Bedeutung weit über ihre angestammte Region hinaus bis ins Weltgedächtnis. Trier ist im Besitz von neun Stätten des Unesco Weltkulturerbes, eindrucksvolle Bauten der Römer  – bis auf  Dom und Liebfrauenkirche. Was der Moselstadt den Ruf eines „Roms des Nordens“ eingebracht hat, eine Attraktion, die sich auch touristisch bestens vermarktet.

Der Blick auf das kulturelle Erbe und der Umgang damit war, je nach Zeitgeist, unterschiedlich. Welchen ganz persönlichen Blick zeitgenössische Fotografen auf das gebaute Erbe haben, zeigt die neue Ausstellung „Blickwinkel“ in den Trierer Viehmarktthermen. In 99 Fotos haben zwölf Mitglieder der Fotografischen Gesellschaft Trier ihre Sicht auf die Bauten des Welterbes ins Bild gesetzt. Ihren Fotos stehen historische Aufnahmen aus den Archiven des Stadtarchivs und des Rheinischen Landesmuseums gegenüber. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz und der Fotografischen Gesellschaft Trier.

Kaiser Wilhelm II. bei seinem Besuch im Amphitheater im Jahr 1913.
Kaiser Wilhelm II. bei seinem Besuch im Amphitheater im Jahr 1913. FOTO: J.Stehr / TV

Die Erhaltung des kulturellen Erbes sei nicht nur eine verfassungsmäßige Pflicht, unterstrich der Chef der Generaldirektion Thomas Metz zur Eröffnung. Es gehe auch um die Teilhabe und Bindung der Bürger an diese. Darüber, dass auch junge Leute Interesse am kulturellen Erbe hätten, freute sich der Trierer Kulturdezernent Thomas Schmitt. „Auch für junge Leute sind die alten Steine sexy, interessant und spannend“, sagte der Politiker. Für Domkapitular Hans Wilhelm Ehlen erschließen Kulturdenkmäler „geistige Welten“. Einig waren sich die Eröffnungsredner darin, dass die Denkmäler des kulturellen Trierer Welterbes ihre ganz eigene Aura, ja sogar eine Seele besitzen, die es zu entdecken gelte. Dazu wolle die Fotografische Gesellschaft ihren Beitrag leisten, betonte Richard Krings, der Vorsitzende der Gesellschaft.

Kritische Töne kamen von Ulrike Wulff-Rheidt. Die Professorin vom Deutschen Archäologischen Institut Berlin, die am Treffen der am Wochenende tagenden Archäologischen Trier-Kommission teilgenommen hatte, bemängelte den fehlenden städtebaulichen Zusammenhang der antiken Trierer Welterbe -Stätten. Die Römerbauten dürften keinesfalls einzig auf Marketing-Gags und das Logo touristischer Attraktionen reduziert werden, mahnte Wulff-Rheidt. Für die Denkmäler im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und der Gegenwart aktueller Stadtentwicklung forderte sie innovative Konzepte und eine integrierte Stadtplanung, die gleichermaßen die Baubiografie der Denkmäler wie ihre Stellung im Stadtraum als Zeugen der Geschichte erfahrbar mache.

Die Römerbrücke heute mit nächtlicher Beleuchtung.
Die Römerbrücke heute mit nächtlicher Beleuchtung. FOTO: Walter Baumeister (Fotografische Gesellschaft Trier) / TV

Ganz unterschiedliche Erfahrungen mit den Stätten des Weltkulturerbes drücken sich in den  aktuellen Aufnahmen der Trierer Fotografen aus: Eine atmosphärisch schöne Aufnahme des Innenraums  der Basilika zeigt Walter Baumeister. In Wolfgang Raabs Foto erscheint die Igeler Säule geradezu mystisch. Einige Fotos widmen sich Details, wie den Reliefs der Igeler Säule oder dem ornamentalen Charakter des römischen Mauerwerks. Gleichsam als Gegenentwurf stehen andernorts Römerbrücke, Porta Nigra und Igeler Säule in der sie umgebenden Gegenwartsarchitektur.

Eine Besuchergruppe schlängelt sich entlang der Mauer des Amphitheaters, wo noch Kaiser Wilhelm I.1913 mit seinem Gefolge vorbeikam, eine der wenigen historischen Aufnahmen. Überhaupt kommt die historische Sicht bei dieser Schau zu kurz. Gerade im Sinne eines kontinuierlichen Gedächtnisses hätte man die Balance zwischen historischen und aktuellen Fotos etwas stärker zugunsten der Geschichte austarieren sollen. Sehenswert ist die Schau auf jeden Fall.

Bis 14. Januar, Dienstag bis Sonntag 9 bis 17 Uhr, Teil der Ausstellung ist eine Kopie des Codex Egberti, der Teil des dokumentarischen Welterbes ist.

Die Römerbrücke im Jahr 1869 mit dem Brückentor des 18. Jahrhunderts.
Die Römerbrücke im Jahr 1869 mit dem Brückentor des 18. Jahrhunderts. FOTO: Thomas Zühmer (Stadtarchiv Trier) / TV