In Extremo begeistert im Amphitheater wie ein guter Wein

Openair in Trier : Feuer, Freiheit, Flüche – In Extremo begeistert im Amphitheater wie ein guter Wein

Abend Nummer 2 des Amphitheater Open Airs: Die Mittelalter-Rocker In Extremo rasen mit ihren Fans durch 24 Jahre Bandgeschichte. Dabei zeigen sie, warum Bands manchmal besser werden, je älter sie sind.

Da stehen die 2700 Zuschauer am Abend im Trierer Amphitheater und schwitzen. Die Temperaturen bewegen sich auch in der Dämmerung noch im niedrigen 30er-Bereich. Und In-Extremo-Sänger Michael Robert Rhein, alias „das letzte Einhorn“? Dem ist scheinbar nicht warm genug, er und seine sechs Bandkollegen stehen zwischen Flammen und Feuerwerken, die immer wieder von der Bühne emporsteigen. Entweder ist der Band kalt, oder sie wollen einfach eine gute Show abliefern. Letzteres ist wahrscheinlicher. Und das schaffen „die 7“ – wie man es von ihnen gewohnt ist.

In Extremo hat in seiner 24-jährigen Bandhistorie wahrscheinlich alles gesehen. Das merkt die Menge, das letzte Einhorn steht zwischen den Songs unaufgeregt auf der Bühne und spricht mit ruhiger Stimme. Nicht übermäßig viel, er und seine Kollegen konzentrieren sich auf ihren Mittelalter-Rock. Und auch dabei wird wieder bewusst, warum wohl niemand dieses Genre so geprägt hat wie In Extremo.

Gleich zu Beginn zeigt sich die musikalische Vielfalt der Band. Beim Anspielen von „Vollmond“ beweist André Strugala (alias Dr. Pymonte), warum die Harfe ein einzigartig schönes und gleichzeitig zu wenig gespieltes Instrument ist. Der Song aus dem Jahr 2001 eröffnet das Konzert, danach folgt eine Reise durch die Konzertgeschichte. Auf „Störtebeker“ (2016) und „Gaukler“ (2013) folgt mit „Mein rasend Herz“ (2005) eines der absoluten Highlights des Abends – wieder einmal begleitet von Feuerbällen und lauten Knallen.

Ob wegen der Temperaturen oder der harten Gangart der Band: zwischenzeitlich gibt es Probleme mit den Instrumenten. Einer der beiden Dudelsäcke gibt den Geist auf und muss kurzerhand von einem Mitglied des In-Extremo-Trosses repariert werden, das dafür von der Menge mit „Sascha! Sascha!“-Sprechchören belohnt wird. Dann scheint auch noch die Gitarre des letzten Einhorns verstimmt zu sein, der das auf die Hitze schiebt und schnell nachjustiert.

Bei all‘ diesen unerwarteten Problemen wird deutlich, dass die Band unglaublich erfahren ist. Sie lassen sich nicht beirren und ziehen die Show so qualitativ hochwertig durch, dass wenig Raum für Kritik bleibt. Besonders die Kombination der verschiedenen Instrumente ist unvergleichlich.

Ein Thema, das sich immer wieder in den Texten wiederfindet, ist die Freiheit. „Frei zu sein bedarf es wenig“ (Frei zu sein, 2008) und „Die Freiheit ist was wir lieben“ (Zigeunerskat, 2011), singt die Band. Bei einer der bekanntesten und einprägsamsten Songs, „Spielmannsfluch“ (2002), hüpft ein kleiner Junge mit seinen Eltern auf und ab. Alle Altersklassen sind gekommen, vom Rentner bis zum kleinen Mädchen, dass nur etwas sieht, wenn es auf dem Technikkasten steht, das jedoch trotzdem textsicher mitsingt. Die Zeilen „Es regnet, es regnet Blut.
„Es regnet den Spielmannsfluch“ singen die Fans eine Zeit lang alleine mit und zeigen sich dabei von den Temperaturen unbeeindruckt.

„Wir spielen jetzt noch zwei Songs, dann gehen wir feiern“, sagt das letzte Einhorn zum Ende des Konzertes. Der folgende Song passt: „Sternhagelvoll, zwei Promille über Soll“ heißt es im Song „Sternhagelvoll“ (2016). Die Menge liegt sich in den Armen, schunkelt und grölt. Das historische Amphitheater wird für einige Minuten zu einem mittelalterlichen Wirtshaus. Dann geht auch die Band feiern.

Auch, wenn das jetzt wie eine abgedroschene Floskel klingt: In Extremo ist wie ein guter Wein, der mit dem Alter nur besser wird. 24 Jahre Banderfahrung machen sich bezahlt. Diejenigen, die In Extremos Mittelalter-Rock als „Randgruppenmusik“ abstempeln, denen sei empfohlen: Schaut euch ein Konzert „der 7“ an und urteilt dann noch einmal.