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"In jeder Frau steckt etwas Carmen"

"In jeder Frau steckt etwas Carmen"

Lebensgefährliche Gefühle, brennende Leidenschaft, Freiheitsdrang und eine wunderbare Musik: Am Sonntag hat Georges Bizets Oper "Carmen" im Theater Trier Premiere.

Trier. Selbst Philosophen wurden bei ihr schwach. "Carmen", das sei Liebe in ihrer ganzen Sinnlichkeit, schwärmte Friedrich Nietzsche, der Mann, der bekanntlich vorsorglich eine Peitsche einsteckte, bevor er zu Frauen ging. Man muss gar nicht erst Gelehrte bemühen. Georges Bizets "Carmen" gilt als die beliebteste Oper schlechthin, ein wahrer Dauerbrenner, angesichts der nie verlöschenden Liebesglut. Jetzt kommen die feurige Zigeunerin aus Sevilla und ihr verliebter Sergeant José auch ins Theater nach Trier. Premiere ist am Sonntag. Die Proben laufen auf Hochtouren. Bald 140 Jahre währt Carmens Triumphzug. Im März 1875 hatte die Oper des Franzosen Premiere, damals allerdings mit mäßigem Erfolg. Besorgte Zeitgenossen argwöhnten sogar, dass die Enttäuschung über den kühlen Empfang seiner geliebten Carmen durch das Pariser Publikum, den frühen Tod des 36-jährigen Komponisten drei Monate später mitverschuldet habe. Schon im Oktober desselben Jahres schaffte die Oper in Wien den Durchbruch zur Weltkarriere. Das Libretto, das Textbuch des Musiktheaters, war übrigens nach einer Novelle von Bizets Landsmann Prosper Merimée entstanden.Von allen Klischees befreit

Unzählige Male hat Carmen seit ihrem Erscheinen der Liebe Flügel wachsen lassen, ist Torero Escamillo in den Stierkampf gezogen, hat sich Sergeant José in seinen Gefühlen verheddert. In Trier will Sebastian Welker seine Carmen jetzt von allen Klischees befreien. "Meine Carmen ist eine Frau, die in der Gegenwart angekommen ist", erklärt der Regisseur. Statt Männer mordende "Femme fatale" ist seine Spanierin eine emanzipierte, leidenschaftliche Frau, die ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordert und sich nicht länger in herkömmliche Beziehungsmodelle zwingen lässt - selbst um den Preis des eigenen Lebens. "Heutzutage ist in jeder Frau etwas von einer Carmen zu finden", glaubt Welker. Carmens im Lied beschworene Zigeunerfreiheit ist in Welkers Inszenierung dann auch nicht mehr als eine Metapher, ein Sinnbild der Freiheit. Freuen werden sich übrigens Trierer Eintracht-Freunde. Die traditionelle Stierkampfarena hat der Berliner Theatermacher in eine Fußballarena umgewandelt. Ein Schelm, wer jetzt denkt, dass im Fußball wie im Krieg alles erlaubt sei und in der Liebe sowieso. Als Carmen wird Kristina Stanek zu hören sein. Die Mezzosopranistin und gerade gekürte Gewinnerin der Trierer Theatermaske freut sich: "Das ist eine große Herausforderung, die mir Trier damit bietet, in so jungen Jahren eine so anspruchsvolle, vielseitige Partie singen zu dürfen." Da sind nicht nur perfektes Stimmmanagement, sondern auch Kondition und ein gut trainierter Körper gefragt, weiß die Sängerin. Auch menschlich liegt ihr Welkers Carmen mit ihrem Freihheitsdrang. Und natürlich die Emotionen auf großer Flamme: "Das geht mir sehr, sehr nah". Es sei beeindruckend, sich mit so einer obsessiven Liebe auseinanderzusetzen.Die Liebe zur Dramatik

"Ich liebe die Dramatik", gesteht Stanek. Den sterblich verliebten José singt als Gast der in Trier bereits bestens bekannte Tenor Carlos Aguirre. Es spielt das Philharmonische Orchester der Stadt Trier. Zudem wirkt der durch den "Extrachor" verstärkte Theaterchor mit. Die musikalische Leitung hat Victor Puhl. Premiere ist am Sonntag, 14. September, 19.30 Uhr; die nächsten Termine: 20. und 23. September, 3., 10. und 12. Oktober, Karten: 0651/718-1818. theater-trier.de