In Trier startet der theatrale Stadtrundgang "Meine liebe Scholle"

TrieR : Ganz Trier wird zur Bühne

Die „Scholle“ der Trierer Tufa hat mit Fisch nichts zu tun. Mit einem Stück Ackerland auch nur bedingt. Der inszenierte Stadtrundgang „Meine liebe Scholle“ führt die Besucher zu besonderen Orten urbanen Lebens, die neben Schauspiel, Musik, Tanz und Wein auch überraschende Verwicklungen bereithalten.

Mein lieber Scholli, wie schön ist Trier! Und wie viel mehr als das übliche Porta-Dom-Palastgarten-Programm, das jedem geführten Touristen zuteil wird! Dieser Eindruck stand am Anfang des Projekts „Meine liebe Scholle“, das Künstler rund um die Tufa als Kultursommer-Projekt zum Motto „Heimat(en)“ auf den Weg gebracht haben. „Jolie“ (französisch: schön) klingt da ebenso an wie die Ackerscholle als Inbegriff heimatlicher Verwurzelung. Wobei der theatrale Stadtrundgang, den die rund 50 Akteure an vier Tagen aufführen werden, gleichermaßen Urtrierer, Zugezogene und Touristen anspricht.

„Wir bauen mit dem theatralen  Stadtrundgang auf die Vorgängermodelle auf“, erklärt Tufa-Vorstandsmitglied Rainer Breuer, der mit Kollegin Monika Wender für die Produktion verantwortlich zeichnet. Zu drei Jubiläen hatte das Kulturzentrum Tufa bereits Lauftheater-Events veranstaltet, von „Tufa goes downtown” über „Tufa unlimited” bis zu „Tufantasie” – jedoch immer nur für kleine Gruppen. Und weil für 2020 gemeinsam mit der städtischen Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm) ein großes Projekt zum unterirdischen Trier angedacht ist, fungiert „Meine liebe Scholle“ als Modell, „wo wir einiges ausprobieren“, wie Breuer sagt. Waren bei den früheren Produktionen nur fünf oder sechs Teilnehmer in einer Führung zusammen, sollen nun 25 Besucher eine Gruppe bilden.

Wer „Meine liebe Scholle“ bucht, den erwartet am 31. August sowie am 1., 7. und 8. September ein geführter Rundgang, der an neun Stationen Überraschendes bietet – Musik, Tanz, Schauspiel und Wein werden eine Rolle spielen, ohne dass die Veranstalter schon alles genau verraten wollen. Und apopos Rolle: Offenbar werden auch die Besucher in eine Rolle verwickelt. Wobei Regisseur Karsten Müller versichert, dass es sich nicht um Mitmachtheater handelt. „Stadtrundgang heißt für uns, Orte zu erleben, die jeder kennt, aber so noch nie gesehen hat, oder die kein Mensch kennt, obwohl sie mitten die der Stadt liegen“, so Breuer.

Heimat verstehen die Macher von „Meine liebe Scholle“ ausdrücklich nicht ausgrenzend. „Das Entscheidende ist für uns, dass wir fremde Kulturen nicht als Gefahr empfinden, dass wir Heimat nicht als etwas sehen, was uns weggenommen werden kann, sondern das wir teilen“, sagt Monika Wender. Viele der Künstler, die mitwirken, seien schon lange in Trier, stammten aber ursprünglich aus dem Ausland.

Bei der Projektentwicklung haben die Macher auf Untersuchungen der Hochschule Trier zurückgegriffen, die insgesamt 500 bis 600 Menschen zu Heimat befragt hatte. Die beiden wichtigsten Erkenntnisse daraus: Heimat werde viel stärker mit Menschen in Verbindung gebracht als zum Beispiel mit Gebäuden oder dem Essen oder der Sprache. In Trier identifizierten sich viele Zugezogene stark mit Stadt, mit ihrer Geschichte und Kultur – allerdings erst nach zwei bis drei Jahren. Bis dahin würden Einheimische eher als abweisend erlebt. Für das „Schollen“-Projekt folgte daraus, Heimat nicht als den Acker zu begreifen, an dem man geboren ist, sondern als ein stetig wandelbarer sozialer Bezug. „Auch die Römer sind Einwanderer gewesen“, bringt Breuer das auf den Punkt.

Von den rund 30 Mitgliedsvereinen der Tufa machen rund ein Dutzend mit und bespielen die neun einzelnen Stationen, unter ihnen einige professionelle Künstler. Finanziert wird das Ganze durch die Stadt – OB Leibe ist Schirmherr –, das Land und Sponsoren – insgesamt 41 000 Euro. „Das ist – abgesehen vom Festival Sommerheckmeck – das größte Projekt der Tufa in diesem Jahr“, so Breuer. Dafür versichern er und seine Mitstreiter: „Wenn die Zuschauer am Endpunkt  ihrer kleinen Reise ankommen, werden sie Trier mit neuen Augen sehen.“

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