1. Region
  2. Kultur

Innenschau in Farbe und Form

Innenschau in Farbe und Form

Er gehört zu den Stillen im Lande. Obwohl Matthias G. Winter seit vielen Jahren in der Region lebt, ist er einer breiten Mehrheit kaum bekannt. Jetzt präsentiert die Akademie Kues den lange in Köln und Düsseldorf lebenden Maler in einer erhellenden Ausstellung.

Bernkastel-Kues. Es war Liebe auf den ersten Blick, die den Düsseldorfer Maler Matthias G. Winter und seine Frau Ursula Sost zu Moselländern machte. Bei einem Wochenendausflug war das Ehepaar Ende der 80er Jahre den Fluss entlanggefahren, und ihm - wie so mancher Moselreisende zuvor - sogleich mit Haut und Haar verfallen. "Einfach grandios diese Landschaft", schwärmt der Maler bis heute.
In Lieser stand ein Altbau zum Verkauf. Noch am selben Tag griffen die beiden zu. Doch nicht genug damit: Vom neuen Zuhause aus erkundete der Künstler die Nebenflüsse und fand schließlich im idyllischen Liesertal sein endgültiges Domizil, einen alten Weinhof in Maring. "Ich war sofort verliebt", erinnert sich der hochgewachsene Mann mit dem skeptischen Blick. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde umsichtig restauriert, 2001 richtete Winter dort den "Künstlerhof" ein, der unter der Leitung seiner Frau jahrelang ein lebendiger Ort für künstlerische Begegnung und Austausch blieb.
Inzwischen konzentriert sich der Maler wieder ganz auf seine eigentliche Berufung und Leidenschaft, die Malerei. Wie bei so mancher großen Liebe hatte auch der 1944 geborene Chemnitzer, der 1952 mit der Familie nach Köln geflohen war, so manchen Umweg in Kauf nehmen müssen, bevor er ans Ziel kam. Zwar war das Zeichnen schon seit dem zwölften Lebensjahr die Lieblingsbeschäftigung des heranwachsenden Jungen, dem als Sohn einer Pianistin die Kunst im Blut lag. Erstmal galt es jedoch, einen Brotberuf zu erlernen.
Nach der Schule machte Winter an der Fachhochschule Solingen einen Abschluss als Sozialpädagoge. Bei einem zweijährigen Aufenthalt in der ökumenischen Glaubensgemeinschaft von Taizé in Burgund entdeckte er seine Begeisterung fürs Restaurieren und erwarb umfassende Kenntnisse darin. Zurück am Rhein bildete sich der angehende Künstler schließlich in Kompositionslehre, Maltechnik und Materialkunde fort. Inzwischen weist die Biografie des Malers, der bis vor kurzem noch ein Atelier in Düsseldorf unterhielt, Ausstellungen im In-und Ausland auf. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen. Für das Mitglied eines Düsseldorfer Kunstvereins ist die Kunst unverändert existenziell. Kein Wunder, dass des Malers Antwort auf die Frage, was ihm die Kunst bedeute, wie aus der Pistole und mit aller Entschiedenheit kommt. "Das ist mein Mittel, mich auszudrücken."
Wer durch die Ausstellung in der Kueser Akademie geht, dem ist sofort klar, dass er in diesen abstrakten Gemälden einem Maler begegnet, der tief in sich hineinschaut und diese Innenschau in Farbe und Form veräußert. Es ist eine ungeheure Vielfalt, die sich da auftut, an Spannung, Vielschichtigkeit und Farbklängen.

Durchdachte Kompositionen


Viele dieser Gemälde gleichen Kammerspielen, die fein ausbalanciert Seelenleben offenlegen. Überhaupt ist die Balance auch eines der eindrücklichen Merkmale dieser Bilder. Mögen sie auch noch so tief innen aus der Seelenwelt über Farbe und Geste, Gefühle und Befindlichkeiten transportieren, sie verlieren sich nie in formlosen Gefühlsausbrüchen. Winters Arbeiten fallen vielmehr durch ihre durchdachte ausgewogene Komposition auf, dem wohlaustarierten Miteinander der Farben und ihrer Werte. Dabei bleibt dennoch das Ringen ums rechte Bild, das bisweilen Jahre dauert, unmittelbar erlebbar.
Überhaupt sind Winters Gemälde mit ihren mal schwebend leichten, mal pastosen Farben keine Schnellschüsse, die Innenschau des Malers kein flüchtiges Hinsehen. Stattdessen berichten seine Bilder von einer ebenso eindringlichen wie ehrlichen, bisweilen wohl auch quälenden Selbsterforschung. Dass die ergiebig bleibt, wünscht sich der Maler auch künftig. "Für mich ist die größte Herausforderung, dass ich in der Lage bleibe darzustellen, was mich innerlich bewegt, nicht zuletzt als Konflikt."
Die Ausstellung ist bis 31. Juni geöffnet montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung, Telefon 06531/9695-0; Weitere Informationen auf <%LINK auto="true" href="http://www.akademie-kuesde" text="www.akademie-kuesde" class="more"%>
Termine: Beim Stammtisch in der Akademie Kues steht am heutigen Freitag um 19 Uhr das Thema "Kunst und Künstler der Region" zur Diskussion. Stefan Bischoff wird mit Gästen die regionale Kunstszene beleuchten: Wie präsentieren sich die Künstler, welche Rahmenbedingungen finden sie vor, braucht es auch öffentliche Förderung und Unterstützung?
Rundgang mit dem Künstler: Zuvor besteht ab 18 Uhr die Möglichkeit, zusammen mit Matthias G. Winter durch die Ausstellung zu gehen.