1. Region
  2. Kultur

Innovativ, leidenschaftlich, bürgernah

Innovativ, leidenschaftlich, bürgernah

Noch ist er nicht weg. Aber schon jetzt blickt das Theater Trier in einem fast 200 Seiten starken Bildband auf erfolgreiche und kämpferische elf Jahre unter Intendant Gerhard Weber zurück. Das Buch "Zeitreise" liefert viele Fakten zu Programmen, Inszenierungen und Herausforderungen und lässt zudem Weggefährten, Theaterfreunde und Kritiker zu Wort kommen.

Trier. Bewegt ist er schon. Ein wenig "blümerant" sei ihm geworden, sagt Gerhard Weber, als er die druckfrische Ausgabe der "Zeitreise" das erste Mal durchgeblättert habe. Einmal mehr überkommt ihn eben diese Rührung, als er den Band vorstellt, der von den elf Jahren seiner Zeit als Intendant des Trierer Stadttheaters handelt.
Auf stattlichen 182 Seiten fasst die reich bebilderte Publikation zusammen, was an Programmen, Entwicklungen und Veränderungen innerhalb der drei Sparten Schauspiel, Musiktheater und Tanztheater in den Jahren von 2004 bis 2015 zu erleben war. Reflektiert wird zudem das Angebot des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier.
Für den scheidenden Intendanten - im Sommer übergibt Weber seinen Posten an den Österreicher Karl Sibelius - und für Webers Leitungsteam ist der Band nicht nur Bilanz, sondern auch Beleg für eine Erfolgsgeschichte : "Für mich ist die ,Zeitreise\' ein Beweis, dass es sich lohnt, das Ensembletheater zu unterstützen."
Stolz ist auch Chefdramaturg Peter Oppermann, der die redaktionelle Gesamtleitung hatte. Die "große Kontinuität" und den "Facettenreichtum" der vergangenen elf Jahre Theaterarbeit darzustellen, war dem Chefdramaturgen besonders wichtig. Eine reine Dokumentation sollte es dennoch nicht sein, erklärt Oppermann. Weshalb sich die "Zeitreise" nicht nur auf Produktionen und Theaterprojekte beschränkt, sondern auch Trierer Theaterliebhaber, Kritiker und Freunde des Theaters rückblickend zu Wort kommen lässt.
1,3 Millionen Zuschauer kamen

Innovativ, leidenschaftlich, bürgernah
Foto: Friedemann Vetter


Ein wenig Dokumentation muss dann doch sein. Und da die Theaterliebe in Zeiten der Ökonomisierung aller Lebensbereiche mehr denn je am Geld hängt, beginnt auch die "Zeitreise" mit den in Zahlen darzustellenden Aktiva der Leistungsbilanz der Ära Weber. 1,3 Millionen Zuschauer hat das Theater in etwa 3500 Veranstaltungen (einschließlich der Extras), davon 250 Neuinszenierungen, gezählt. Wie bunt das Programm war, wie prachtvoll oder dramatisch manch eine Aufführung, davon berichten die lebendigen Bilder.
"Neue Zeichen" wollte Weber seit seinem Amtsantritt 2004 setzen und landete gleich mit Produktionen wie dem "Kontrabass" einen Coup. Keine Angst hatte der Intendant vor sperrigen Problemstücken wie dem "Woyzeck" oder interdisziplinären Projekten wie "Maximierung Mensch".
Aktiviert wurde zudem die Zusammenarbeit mit den Nachbarn der Großregion etwa im "Total Théâtre". Eine völlig neue Ära begann mit Sven Grützmacher und seinem "Tanztheater" für die Sparte Tanz. Und auch im Orchester wehte mit Generalmusikdirektor Victor Puhl der "Wind of change" nicht nur in der "Weltmusik".
Wie sehr es dem Intendanten und seinem Leitungsteam darum ging, das Theater als bürgernahes, dabei innovatives Stadttheater und außerschulische Bildungsstätte dem Publikum im Wortsinn nahezubringen, dokumentieren externe Spielorte wie die Bobinet-Halle, die Einführung des Theatercafés, die Lesungen und die "Klassenzimmerstücke".
Über 100 Regisseure haben im Theater Trier inszeniert. Viele Male war es mit eigenen Produktionen andernorts zu Gast. Zu den spektakulärsten gehörte ohne Frage das Gastspiel des Tanztheaters mit "Chagall - La Vie" in China.
Nicht zuletzt lernt der Leser auch den scheidenden Intendanten näher kennen. Den Regisseur und leidenschaftlichen Theatermann, der mobilisierte und kämpfte, als es um den Erhalt des Hauses ging. Auch das ein Erfolg, wie man heute weiß. "Elf Jahre fordern ihren Tribut", sagt Weber und dabei klingt Stolz mit, dass es kein verlorener Zuschuss war.
"Zeitreise Theater Trier 2004-2015", 182 Seiten, Verlag ensch-media, Trier, gibt es für 5 Euro an der Theaterkasse oder auf <%LINK auto="true" href="http://www.ensch-media.de" class="more" text="www.ensch-media.de"%>