Instagram-Blogger Florian Valerius aus Trier veröffentlicht erstes Buch

Instagram-Blogger : „Hauptsache, die Leute lesen!“ - Florian Valerius aus Trier veröffentlicht erstes Buch

Florian Valerius aus Trier wird mit Preisen und Förderungen geradezu überschüttet. Seit der Buchhändler vor drei Jahren mit dem Bloggen auf Instagram begann, folgen immer mehr Menschen seinen Literaturtipps. Nun hat der 36-Jährige sein erstes Buch geschrieben.

Das Schulbuchgeschäft erreicht in diesen Tagen zum Ende der Sommerferien seinen Höhepunkt. Eine stressige Zeit für Buchhändler. Auf einen Trierer wartet nach Feierabend dann noch mal genau so viel Wirbel und Arbeit: Florian Valerius ist als Blogger durchgestartet und hüpft seither von einem Erfolg zum nächsten. Gerade erst ist er zurückgekehrt von zwei Reisen nach Norwegen, dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse, wohin er als Experte eingeladen war, hat einen ganzseitigen Fragebogen für die Literarische Welt der Tageszeitung „Die Welt“ ausgefüllt und ein Stipendium für Januar 2020 nach Baltimore/USA  angenommen. Bevor er dorthin aufbricht, wird er noch sein erstes eigenes Buch quer durch Deutschland auf Lesereise präsentieren und nebenbei als Jurymitglied aussuchen, wer den Deutschen Verlagspreis 2019 bekommt, den Kulturstaatsministerin Monika Grütters initiiert hat. Ach ja, und für den ersten Young Excellence Award des Börsenvereins ist der 36-jährige Trierer auch noch nominiert. Die Abstimmung läuft online (siehe Info).

Aber der Reihe nach: Seit Juni 2016 bloggt Florian Valerius als literarischerNerd auf Instragram seine Gedanken zu Büchern, dafür erhielt er im Oktober 2017 den ersten Buchblog-Award des deutschen Börsenvereins und der Online-Plattform NetGalley. Seither ist der Trierer ein gefragter Experte, der immer wieder ins In- und Ausland eingeladen wird, um über Bücher und die Branche zu reden. „Unglaublich, was seither passiert ist“, erzählt der Blogger. So kam der Verlag ArsEdition, der schön gestaltete Bücher herausgibt, vergangenes Jahr auf ihn zu, damit er gemeinsam mit der österreichischen Autorin Mareike Fallwickl seine Liebe zur Literatur in einem Buch weitergibt. „Leseglück“ sollte es heißen und „99 Bücher vorstellen, „die gute Laune machen“. Vor ein paar Tagen hielt Florian Valerius das erste gedruckte Exemplar in Händen.

„Lesen macht per se glücklich“, schreiben die beiden Autoren im Vorwort zu dem kleinformatigen rosaroten Büchlein, das durch besondere Schriften, Farben und grafische Elemente etwas Besonderes geworden ist.  Darin haben die Autoren diejenigen Bücher kurz vorgestellt, „ohne die wir nicht leben wollen“, wie sie schreiben – geordnet nach witzigen Krimis, Büchern über Genuss, Freundschaft, über schwarzen Humor, unbekannte Liebesromane, schöne Schmöker, Büchern mit Tieren oder erotische Literatur. „Wir hatten vollkommen freie Hand bei der Auswahl“, versichert der Autor.

Neben den 99 Büchern, die gute Laune machen, erscheint gleichzeitig die Romanapotheke – Buchtipps als Arznei, geordnet nach Leiden, die man kurieren will: Fernweh, Pubertätsnöte, Liebeskummer, Probleme im Job .... Wer Hilfe sucht, muss unter dem Stichwort eine Doppelseite auftrennen, auf denen dann einige Bücher genauer vorgestellt und viele weitere mit Titel aufgelistet sind. „Insgesamt haben wir in der Apotheke rund 200 Buchtipps untergebracht“, erklärt Valerius. „Das ist auch total nett geworden“, findet er. Als drittes erscheinen zwei Quizboxen – „das sind zwei buntgemischte Boxen mit literarischen  Fragen zu allen möglichen Themen“.

Wie haben sie die Bücher ausgewählt? Beide Autoren sind Vielleser, kennen und lieben viele Werke und sind davon überzeugt, dass Literatur die beste Medizin ist. Für das Projekt haben sie beide ihre eigene Bibliothek durchstöbert und ihre Lieblingsstücke und -zitate herausgeholt. „Unser einziger Anspruch war: Jedes Buch muss lieferbar sein“, erklärt Valerius. Zudem wollten sie „viel Zeitgenössisches, Modernes drinhaben“, nicht nur Klassiker herunterbeten. „Da ist auch eine Lucinda Riley („Die sieben Schwestern“) drin, und ich hab’ einfach versucht, Titel auszuwählen, ohne snobby zu sein, Titel, bei denen ich weiß, davon waren die Leute einfach begeistert“, versichert der Buchhändler. „Da ist auch ein Erdmännchen-Krimi, denn den haben wir verkauft ohne Ende, die Leute finden ihn großartig.“ Ob mainstream oder anspruchsvoll und prämiert – „da machen wir keinen Unterschied“. Motto: „Hauptsache, die Leute lesen!“ Alle Werke erscheinen gleichzeitig am 23. August – und schon jetzt ist die Nachfrage riesig, erzählt der Autor. Schon jetzt hätten Händler sehr viele Exemplare geordert.

Wenn die beiden Autoren ab dem 17. September damit deutschlandweit auf Lesereise gehen, hat Florian Valerius schon sein nächstes Projekt im Fokus: sein Stipendium in Baltimore/USA. Gewonnen hat er es mit einem echten Thomas-Mann-Satz auf die Frage des Verbands: „Warum brauchen wir eine starke internationale Buchhandelskultur? Eine Alles- und Nichts-Frage.“ Die Antwort durfte nur einen Satz umfassen, und da hat der Bewerber sich so vieler Kommata, Gedankenstriche und Verschachtelungen bedient, wie er brauchte.

Die Lesetour führt nach Wiesbaden, Nürnberg, München, Schwerin ... –  15 bis 20 Termine. „Ich opfere meinen Urlaub dafür“, sagt Valerius. Zunächst aber geht’s nach Berlin. Denn dort wählt Florian Valerius mit sechs weiteren Jurymitgliedern unter Vorsitz des Kritikers Denis Scheck den Gewinner des Deutschen Verlagspreises 2019 aus, ein Förderpreis für kleine Verlage, von denen sich mehr als 400 beworben haben.  Bis dahin ist auch über seine Nominierung für den Young-Excellence-Award des Börsenvereins entschieden, der „herausragende junge Macher/Macherinnen der Buchbranche“ ehrt, „die mit eigenständigem Denken und Handeln Spuren hinterlassen“. „Das ist mit eine der tollsten Auszeichnungen, die man so bekommen kann“, findet der Nominierte. Darüber kann man den Schulbücher-Stress sicherlich leicht vergessen.

Florian Valerius, Mareike Fallwickl, Leseglück. 99 Bücher, die gute Laune machen, mit Illustrationen von Franziska Misselwitz, Verlag arsEdition, München 2019, 12,99 Euro.