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Intendant auf der Berg- und Talbahn

Intendant auf der Berg- und Talbahn

Im Trierer Theater sitzt er fester im Sattel denn je, mit den Antikenfestspielen hat er wenig Glück: Intendant Gerhard Weber macht sich nicht ganz sorgenfrei auf den Weg in den Sommerurlaub.

Trier. (DiL) Der Stress der letzten Wochen ist ihm anzusehen. Trotzdem präsentiert sich im Interview mit TV-Redakteur Dieter Lintz ein optimistischer Gerhard Weber.

Herr Weber, die letzten Wochen müssen Ihnen vorgekommen sein wie eine Berg- und Talbahn: Erst die Theatersaison erfolgreich abgeschlossen, Ihr Vertrag verlängert, reichlich Lob für die künstlerische Qualität der Festspiele - und dann halbleere Ränge im Amphitheater.

Weber: Das sind schon manchmal schmerzhafte Momente. Trotzdem bin ich überzeugt, dass das neue Konzept gute Perspektiven bietet. Aber es braucht Zeit und Geduld. Und sicher auch ein langfristiges Marketing über die Region hinaus. Was wiederum entsprechende Mittel voraussetzt.

Aber jetzt läuft es ja eher darauf hinaus, dass Sie dem Stadtrat ein ungeplantes Minus erklären müssen. Befürchten Sie nicht, dass der Hahn ganz zugedreht wird?

Weber: Ich hoffe doch und würde mir wünschen, dass die positive Grundstimmung, die es während der Festspiele und nach den Premieren gerade in der Politik gegeben hat, auch für die weitere Entwicklung der Festspiele trägt. Wichtig wäre auch endgültige Klarheit, was die rechtliche Situation am Standort Amphitheater angeht.

Was würden Sie ändern, wenn es weitergeht?

Weber: Wir würden sicher nochmal über den Aufbau im Amphitheater reden, aber auch über die Preisgestaltung, vor allem, was Jugendliche, Studenten und Familien betrifft.

Reden wir über die Theatersaison. Da hatten Sie mit der "Deutschland-Spielzeit" thematisch einen klaren roten Faden, der teilweise sehr anspruchsvoll umgesetzt wurde. Hat das funktioniert?

Weber: Ich denke schon. Von außen ist uns oft gesagt worden, es sei die künstlerisch beste Spielzeit meiner Intendanz gewesen. Wir haben die Fokussierung sehr konsequent durchgezogen…

…für manchen Zuschauer vielleicht zu konsequent?

Weber: Klar, das Publikum ist da immer geteilt, mancher hat lieber einen Kessel Buntes, und den versuchen wir auch zu bedienen. Aber ich hatte das Gefühl, dass viele Leute mitgezogen haben, bereit waren, sich von diesem spannenden Thema "Deutschland" verführen zu lassen. Und Sie sehen ja, dass wir nächste Saison wieder mit einem Leitmotiv arbeiten.

Und Sie sind wieder viel außer Haus, immer auf der Suche nach neuen Spielstätten…

Weber: Das wird auch so weitergehen, gerade mit Blick auf ein junges Publikum, das den Weg in konventionelle Theater nicht mehr findet. Gerade so ein Projekt wie "Maximierung Mensch" ist da wichtig.

Sie verlieren, wie viele andere Institutionen auch, schon aus biologischen Gründen das klassische Abo-Publikum, das sich ein ganzes Jahr lang bindet. Jüngere steigen aber ungern ins Abo ein. Wie wollen Sie neue Zuschauerschichten gewinnen?

Weber: Wir arbeiten an neuen Formen wie der "Theatercard" und innovativen Kaufanreizen. Und wir müssen noch viel stärker ran an junge Familien. Experten sagen uns, dass vieles vom "Ersterlebnis" abhängt, sprich davon, ob die Eltern mit den Kindern oder Jugendlichen ins Theater gehen. Da wäre vieles möglich, aber dafür bräuchte man beispielsweise eine Stelle für Musiktheater-Pädagogik. Und ein festes Kinder- und Jugendtheater, grenzüberschreitend und mit EU-Mitteln finanziert, das wäre ein Traum.

Träume sind schön, die Realität bringt Ihnen in den nächsten Jahren eher Ungemach. Die immer wieder aufgeschobene Theatersanierung steht an. Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass Sie das noch bis zum Ende Ihrer verlängerten Amtszeit im Jahr 2015 erleben?

Weber: Auf jeden Fall. Selbst wenn wir nur das Nötigste machen, werden wir in der übernächsten Spielzeit das Haus zeitweilig schließen müssen. Und da brauchen wir tragfähige Übergangslösungen. Ich fände es aber auch wichtig, wenn die Stadt die Kraft hätte für eine richtige Grundsanierung. Angesichts der Konkurrenz, in der unser Theater steht, sind zeitgemäßes Ambiente, Nutzungsfreundlichkeit und ansprechende Ästhetik für die Zukunftsfähigkeit von großer Bedeutung.

Möglicherweise an einem anderen Standort, etwa in Trier-West?

Weber: Ich glaube, diese Diskussion ist abgeschlossen. Ich sehe da keine ernsthafte Alternative zum jetzigen Standort am Augustinerhof.