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Intendant in spe rammt Pflöcke ein

Intendant in spe rammt Pflöcke ein

Im Theater Trier hält die Schockstarre nach der angekündigten Entlassungswelle an. Im Rathaus machen sich die Fraktionen Gedanken um die Zukunft des Orchesters. Unterdessen schart der künftige Intendant neue Mitarbeiter um sich - und wartet mit Überraschungen auf.

Trier. "Ich frage mich, wann der Mann schläft." Nicht nur Kulturdezernent Thomas Egger staunt über das Tempo und das Arbeitspensum seines künftigen Theaterchefs. In den vergangenen beiden Monaten hat Karl Sibelius unzählige Verhandlungsrunden in Sachen Theaterbau und Gesellschafter-Struktur absolviert, etliche Vorstellungen in Trier gesehen, parallel in seinem Theater an der Rott die Hauptrolle in einer Schauspiel-Premiere übernommen, dort die nächste Saison vorbereitet und nebenbei noch seine Promotion abgeschlossen - übrigens zum Thema "Orchesterprojekte als Instrumente sozialen Wandels".
Seine Ansichten zum Trierer Orchester haben manchen aufgeschreckt - vor allem angesichts eines möglichen Machtkampfs mit Generalmusikdirektor Victor Puhl. Erst hatte Sibelius die Größe des Orchesters infrage, anschließend den GMD personell vor vollendete Tatsachen gestellt, indem er dessen engsten Mitarbeitern die beabsichtigte Kündigung mitteilte.
Am Rande des Orchesterfestes am letzten Sonntag ließen Kulturpolitiker unterschiedlicher Stadtratsfraktionen keinen Zweifel daran, dass sie einer "Degradierung" des GMD zu einem Spartenchef unterhalb des Intendanten keineswegs zustimmen wollen. Kulturdezernent Thomas Egger hat sich zu diesem Thema noch nicht geäußert.
Unterdessen bastelt Karl Sibelius weiter an seiner Führungsmannschaft in spe, die sich diese Woche erstmals in Trier getroffen hat. Größter Überraschungscoup: Der in Trier aufgewachsene Sänger Tobias Scharfenberger soll stellvertretender Intendant und Kommunika tionschef werden. Scharfenberger, einst Schüler von Manfred May und Vera Ilieva, war in den letzten Jahren als Bariton in vielen deutschen Opernhäusern zu sehen - oft in ganz großen Rollen.

Die Chemie stimmt

 Katharina John kümmert sich ab der Spielzeit 2015/16 um die Operndirektion. Foto: privat
Katharina John kümmert sich ab der Spielzeit 2015/16 um die Operndirektion. Foto: privat


Im September wird er 50, für ihn offenbar der Zeitpunkt, die Seiten im Theater allmählich zu wechseln und ins Management einzusteigen - die entsprechende Ausbildung hat er gerade in Zürich absolviert. In Trier kennt er sich bestens aus, an der Volksfreund-Debatte um die Zukunft des Theaters hatte er sich mit einem lesenswerten Beitrag beteiligt ( www.trier.de/Kultur-Freizeit/Kulturpolitische-Leitlinien). Dass er jemals in seinem Heimat-Theater arbeiten würde, hat er sich nach eigener Aussage "nie träumen lassen". Aber die Chemie mit Sibelius stimme, und es gebe eine "tolle Aufbruchstimmung", so dass er sich auf den Sommer 2015 freue.
Die zweite neue Personalie ist nicht minder überraschend. Anders als Gerhard Weber richtet Sibelius eine Operndirektion ein, und dafür hat er mit Katharina John eine der profiliertesten deutschen Operndramaturginnen gewonnen. Lange Jahre arbeitete sie mit Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin, bis vor einigen Monaten war sie Operndirektorin in Augsburg.
John gilt als Spezialistin für Ideen jenseits der traditionellen Programmstruktur. Das vorhandene Publikum für Neues zu begeistern und gleichzeitig neues Publikum hinzuzugewinnen: Darin sieht sie eine "spannende Herausforderung". Mit dem Orchester, auf dessen Kooperation gerade das Musiktheater angewiesen ist, will sie eng zusammenarbeiten. Dabei komme es vor allem auf "frühzeitige Kommunikation und Absprache an".