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Kultur
Intensiv und anregend: „Der kommende Aufstand“

Die Atmosphäre entstand durch die Verknüpfung verschiedener Performancearten.
Die Atmosphäre entstand durch die Verknüpfung verschiedener Performancearten. FOTO: TV / Sarah Heitz
Trier. Ein Bus, Musiker, Schauspieler und eine Aufführung, die zum Nachdenken anregt – all das bietet die Inszenierung „Der kommende Aufstand“ des Künstlerkollektivs bühne1, die am Freitag Premiere feierte.

Draußen tobt der Aufstand, Menschen tanzen im Park, es ist die Rede von Tränengas und Gewalt. Die Zeiten sind unsicher, und es stellt sich immer wieder die Frage: Soll ich mitmachen? Oder mich heraushalten? Drei Menschen stehen im Mittelpunkt der Inszenierung „Der kommende Aufstand“. Sie leben in einer Wohngemeinschaft, und jeder hat seine eigene Geschichte, die er nach und nach erzählt.

Die drei sind verschieden: eine Aktivistin, die gerne bei den Protesten dabei wäre, einer, der sich am liebsten im Keller verkriecht und sich nicht beteiligen will, und einer, der zwar Angst um seine Freundin hat, sich aber nicht wirklich mit den andauernden Protesten auseinandersetzt. Das Stück ist intensiv und packend. Es geht um Gefühle, Sex, Ängste, Hoffnungen, Träume. Neben sehr bedrückenden gibt es auch sehr lustige Momente. Viele Requisiten brauchen die drei nicht, um die Atmosphäre für ihre 80 Zuschauer der ausverkauften Premiere zu schaffen. Denn sehr wirkungsvoll sind schon die schauspielerische Leistung, die Musik, das Licht, und die Wände aus Stoff, die immer wieder anders angeleuchtet werden und durch die sich immer wieder Hände und Köpfe drücken. Sie zusammen erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre (Raumgestaltung: Frederike Brandsma, Frederike Meier, Kostüme: Corinne Riepert, Video: Marius Jacob, Sandy Panacek ).

Das Stück regt an, sich mit der aktuellen Politik und sich selbst auseinanderzusetzen. Nach der Inszenierung ist eines deutlich: „Da muss man erst mal in Ruhe drüber nachdenken“, „Das war keine leichte Kost“ und „Das muss man erst mal sackenlassen“ sind die Stimmen, die man im Bus auf der Rückfahrt zum Ausgangspunkt wahrnimmt. In einem sind sich die Besucher einig: Dem ganzen Projekt „Der kommende Aufstand“ ist anzumerken, wie viel Herzblut Regisseur Michael Gubenko und sein Team in die Inszenierung gesteckt haben.

Etwas ganz Besonderes: Da man eine Weile mit dem Bus fährt, kann man sich als Besucher langsam auf das Stück einstellen und sich auf der Rückfahrt seine Gedanken machen, das Ganze auf sich wirken lassen. Und: Musiker spielen und singen auf der Hin- und auch der Rückfahrt. Lieder mit politischem Hintergrund von Hennich & Hanschel und Porta Supporta begleiten die Fahrt.

Weitere Termine sind am 7., 8., 9., 10., 14., 15., 16., 17. Juni. Treffpunkt ist jeweils um 20 Uhr am Karl-Marx-Denkmal auf dem Simeonstiftplatz. Karten kosten im Vorverkauf 11/6 Euro, an der Abendkasse 12/6 Euro und sind bei Ticket Regional erhältlich.

Eine Szene der Inszenierung „Der kommende Aufstand“.
Eine Szene der Inszenierung „Der kommende Aufstand“. FOTO: TV / Sarah Heitz
Der kommende Aufstand
Der kommende Aufstand FOTO: TV / Sarah Heitz