Intensive Fahrt zur Hölle

Trier/Esch-zur-Alzette · Es ist ein Angebot, das man nicht ablehnen kann: Francis Ford Coppolas Meisterwerk "Der Pate" ("The Godfather") läuft auf einer Großleinwand, während ein Orchester die Filmmusik von Nino Rota live spielt. Diese Kombination geht unter die Haut.

Trier/Esch-zur-Alzette. Mit unbewegtem Gesicht sitzt Michael Corleone seinem Erzfeind gegenüber. Solozzo, der Drogenboss, hat Michaels Vater Don Vito Corleone bei einem Anschlag fast getötet. Michael ist als Unterhändler gekommen, um den Krieg zu beenden und seine Familie zu retten. Das glaubt Solozzo. Er weiß nicht, dass Michael eine Waffe trägt. Er weiß nicht, dass er gleich sterben wird.
Mord aus nächster Nähe


Der Drogenboss spricht, Michael hört zu. Dann steht der Sohn des Don auf, zieht einen Revolver und tötet Solozzo und den korrupten Polizisten Mc Clusky aus nächster Nähe. Er wirft die Mordwaffe weg und verlässt den Tatort. Und genau jetzt erwacht die Königliche Philharmonie Flandern zum Leben.
Das vor der Großleinwand positionierte Orchester lässt die Rockhal akustisch explodieren, als es mit Wucht und Größe den Mord rekapituliert, der Michaels erster von vielen Schritten zur totalen Verdammnis ist. Nino Rotas weltberühmte Filmmusik scheint in diesem Moment den Zuschauer des ewigen Klassikers "Der Pate" zu packen, zu schütteln und ihn anzuschreien: Hast du es auch genau gesehen? Ein Mord! Begangen von einem der Edlen und Unschuldigen!
Es ist ein Experiment, das beweisen soll, wie die Musik einen schwachen Film zu einem guten, einen guten Film zu einem großen und einen großen Film zu einem unsterblichen machen kann. "Der Pate" läuft in der Rockhal in Esch-zur-Alzette auf einer Großleinwand restauriert und in höchster Auflösung. Die Königliche Philharmonie Flandern sitzt davor und spielt jeden einzelnen Ton der Filmmusik live. Mehr als 3000 Zuschauer erleben, wie großartig dieses Experiment funktioniert.
Fröhliche Tanzmusik während der Hochzeit zu Beginn des Films, dramatische Höhepunkte wie Michaels Doppelmord und natürlich das tragisch-dramatische Hauptthema des Soundtracks, eingeleitet von der unheilverkündenden Trompete, treffen den Zuschauer mit einer ebenso hohen Intensität, wie es die Szenen und Schauspieler tun.
Es soll Fans geben, die jede Zeile des 43 Jahre alten Films sofort reproduzieren können. Marlon Brando, der als Don Vito Corleone mit kleinsten Gesten über Leben und Tod entscheidet. Der junge Al Pacino als sein Sohn Michael, der als neues Familienoberhaupt gnadenlos Rache an allen Feinden nimmt.
"Heute bringe ich die Familiengeschäfte ins Reine", sagt er zu Beginn der Schlussszene. Und während er die Taufe seines Patenkindes in der Kirche erlebt, töten seine Leute alle Feinde der Corleones und alle Oberhäupter der anderen Mafiafamilien in New York. "Dabei sieht er so gut aus", sagt eine junge Zuschauerin in einer der hinteren Rockhal-Reihen bewundernd. Mag sein. Doch er ist verdammt.
Der minutenlange Applaus während des Abspanns unterstreicht, wie herausragend dieses Experiment funktioniert hat. Die Begeisterung der Fans gilt der Königlichen Philharmonie Flandern ebenso wie dem 1979 verstorbenen Komponisten Nino Rota, dessen Musik Michaels Höllenfahrt unter die Haut gehen lässt und der dafür mit einem Golden Globe belohnt wurde.