1. Region
  2. Kultur

"Interkulturelle Kompetenz bereichert und macht tolerant"

"Interkulturelle Kompetenz bereichert und macht tolerant"

Die Trierer Professorin Anna Bulanda-Pantalacci erhält für ihr Engagement den Akademiepreis des Landes Rheinland-Pfalz. Seit Jahren stellt sie Projekte auf die Beine, die Kultur fördern und interkulturelle Kompetenz bei ihren Studenten wecken sollen.

Trier. Sie sprüht nur so vor Leidenschaft und Energie, wenn sie von ihrer Arbeit spricht. Anna Bulanda-Pantalacci gehört zu denen, die unermüdlich unterwegs sind, gleichermaßen im Geiste wie im Wortsinn. Die in Polen geborene Professorin für Experimentelles Gestalten, Zeichnen und Gestaltung an der Hochschule Trier ist Grenzgängerin von Hause aus: In Krakau hat sie zunächst an der Kunstakademie studiert. Später wechselte sie an die Friedrich Wilhelm Universität nach Bonn.
Auch ihre geistige Beweglichkeit ist belegt: Die Liste ihrer internationalen Projekte füllt mehrere Seiten. "Ohne Leidenschaft und Freude an der Arbeit geht gar nichts", bestätigt sie. Eine "kreative Pädagogik" ist das Anliegen der Hochschullehrerin. Soll heißen: "Der Mensch ist für mich das Wichtigste."
Die engagierte Professorin sieht ihre Aufgabe ganzheitlich: Neben wissenschaftlicher und fachlicher Kompetenz will sie bei ihren Studierenden auch Persönlichkeit, Rückgrat und soziale wie interkulturelle Kompetenz ausbilden: "Nur so können sich meine Studierenden auf dem Arbeitsmarkt behaupten, und nur so kann ich sie mit gutem Gewissen entlassen."
Beim Stichwort interkulturelle Kompetenz kommt die Wahltriererin, die seit bald 30 Jahren an der Mosel lebt, so richtig in Fahrt. Ihre grenzüberschreitenden Projekte bilden für die Pädagogin, der nicht nur in der Hochschularbeit die Kulturförderung am Herzen liegt, einen prägnanten Arbeitsschwerpunkt.
So gründete sie 2007 das grenzüberschreitende University Network of History and Arts, eine Art mobile internationale Universität, deren Projekte sich jährlich mit kulturhistorischen europäischen Themen beschäftigen. Beteiligt sind daran mehrere Universitäten der Großregion, aber auch aus Polen, Irland, Italien, den USA, Kanada und Georgien. Dort unterrichtet eine interdisziplinäre und internationale Gruppe von Hochschullehrern. Diese arbeiten sowohl wissenschaftlich als auch gestalterisch mit den Studenten.
Ein anderes spektakuläres Projekt im Dienst des interkulturellen Austauschs und der Friedensarbeit ist Bulanda-Pantalaccis "Freedombus", für den das Europäische Parlament die Schirmherrschaft übernommen hat. In ihm schickt die Professorin, 40 Studenten, Lehrer und Künstler auf eine mehr als 3000 Kilometerlange Reise von der ukrainischen Grenze bis zum europäischen Atlantik. An den Haltestationen, etwa Berlin oder seinerzeit Trier, steigen weitere Teilnehmer ein. Bei ihrer Reise soll sich die internationale Gruppe mit der eigenen Kultur wie der ihrer Reiseländer in unterschiedlichster Weise auseinandersetzen und sie verstehen lernen.
"Ich finde die interkulturelle Arbeit und die dabei vermittelte internationale Kompetenz enorm wichtig" sagt Bulanda-Pantalacci. "Man wird dabei verständnisvoller und toleranter. So bereichert man die anderen und auch sich selbst."
Positives Feedback hat die Hochschullehrerin auch von den Studenten erhalten. "Ich merke jetzt, dass ich nicht allein bin", schreibt eine Teilnehmerin. Für eine andere ist der Austausch "die Erfahrung meines Lebens".
Anna Bulanda-Pantalacci schaut einen Augenblick aus dem Fenster. "Ich denke, wenn auch mehr Politiker und Entscheidungsträger internationale Kompetenz hätten, wäre vieles anders", glaubt die Professorin. er