1. Region
  2. Kultur

Internationaler Frauentag: Ausstellung im Karl-Marx-Haus in Trier über mutige Frauen

Gleichberechtigung : Karl-Marx-Museum zum internationalen Frauentag: Wie drei ungewöhnliche Frauen der Macht trotzen

Sie können Vorbilder sein für mutiges Engagement, für Widerstand gegen die politische Macht und für das Festhalten an humanitären Idealen: Emma Herwegh, Johanna Tesch und die Frauenbewegung in Belarus. Zum Internationalen Frauentag am 8. März rückt das Karl-Marx-Haus in Trier drei besondere Frauen in den Blick.

Als das Karl-Marx-Haus in Trier sein Programm zum Internationalen Frauentag 2022 auflegte und dabei „Kämpferinnen für die Demokratie“ in den Mittelpunkt rückte, konnte niemand ahnen, wie aktuell die geplante Veranstaltungsreihe werden würde. Längst hat das Museum im Besitz der Friedrich-Ebert-Stiftung seinen Radius über die Person von Karl Marx, der in dem Haus 1818 geboren wurde, hinaus erweitert und nimmt soziale Bewegungen der Moderne in den Blick, wie dessen Leiter Jürgen Schmidt gegenüber dem TV erklärt.

Dazu zählt neben der Arbeiterbewegung auch das politische Engagement von Frauen, das „oftmals in Phasen mit einschneidenden gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen Aufwind erfahren“ habe.

Zum Internationalen Frauentag startet das Karl-Marx-Haus eine dreiteilige Veranstaltungsreihe, die politisches Engagement von Frauen in drei Jahrhunderten beleuchtet. Ein Teil widmet sich ausgerechnet der Protestbewegung in Belarus, dem Land, von dem aus Wladimir Putin seinen Eroberungskrieg gegen die Ukraine begann und wo Staatschef Alexander Lukaschenko mit harter Hand regiert. Alle Veranstaltungen finden live in Trier statt, dürfen wegen Corona jedoch nur online besucht werden.

Wenn die Philosophie-Professorin Olga Shparaga am Dienstag, 22. März (19 Uhr) nach Trier kommt, kann sie viel erzählen von den landesweiten Protesten in Belarus gegen die Präsidentschaftswahl im August 2020 und deren brutale Niederschlagung. Sie war Mitglied im Koordinationsrat rund um die Oppositionspolitikerin Svetlana Tichanowskaja und wurde im Oktober 2020 bei einer Demonstration in Minsk festgenommen. Nach mehrtägiger Haft verließ sie Belarus in Richtung Litauen, wo sie derzeit lebt. Bei ihrem Besuch in Trier stellt Olga Shparaga ihr Buch "Die Revolution hat ein weibliches Gesicht. Der Fall Belarus“ vor, das auch auf Deutsch vorliegt (Edition Suhrkamp). Den Abend mit der Philosophin im Trierer Karl-Marx-Haus moderiert Tamina Kutscher.

Auch die historischen Kämpferinnen für Demokratie können heutigen ZeitgenossInnen  exemplarisch für die Facetten von weiblichem Engagement viele Denkanstöße geben. Emma Herwegh (1817-1904) etwa war eine freiheitsliebende Frau, Tochter aus gutem Hause, die sich, sogar bewaffnet, für die Revolution 1848/49 stark machte und als frühe Vorkämpferin der Frauenrechtsbewegung gilt.

Sie war übrigens – und da schließt sich der Kreis zum Karl-Marx-Haus –in Paris zeitweise die Nachbarin von Karl und Jenny Marx. Der stellvertretende Spiegel-Chefredakteur  Dirk Kurbjuweit hat Emma Herwegh ein Buch gewidmet, aus dem er am Dienstag, 8. März, (19 Uhr) in Trier liest: „Die Freiheit der Emma Herwegh“ (erschienen im Hanser-Verlag). Den Abend im Karl-Marx-Haus moderiert Jeannine Huster.

Wie Emma Herwegh war auch Johanna Tesch (1875-1945) eine außergewöhnliche Frau. Sie errang bei den Wahlen zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung 1919 für die SPD ein Mandat und gehörte damit zu den ersten 37 weiblichen Parlamentarierinnen der Weimarer Republik.

Ihr Briefwechsel zwischen 1919 bis 1925 ist ein einzigartiges Zeitdokument, aus dem ihre Enkelin Sonja Tesch in Trier gemeinsam mit Dieter Wesp vortragen wird. Titel des Abends am Dienstag, 15. März (19 Uhr): „Der Deiwel soll die ganze Politik holen. Ein Briefwechsel aus Deutschlands erster parlamentarischer Demokratie 1919 – 1925“. Es moderiert René Möhrle, Historiker an der Universität Trier.

 „Selten war das politische Engagement von Frauen an politische Ämter geknüpft“, sagt Museumsleiter Jürgen Schmidt zu der geplanten Veranstaltungsreihe. „Trotzdem prägten auch immer wieder Frauen die politischen Diskurse.“

Die Veranstaltungen werden gestreamt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Link zur Webseite des Karl-Marx-Hauses lautet: www.fes.de/museum-karl-marx-haus/digitale-angebote/live-stream