Interview Desiree Nick: Entertainerin kommt zur Lesung bei Eifel-Kulturtagen

Interview Désirée Nick : „Warum ich ein Original bin“

Bei den Eifel-Kulturtagen liest Entertainerin Désirée Nick aus ihren Bestsellern. Im TV-Interview spricht sie über ihre Karriere, Greta Thunberg und darüber, was sie rückblickend anders machen würde.

Ein Interview mit Désirée Nick verspricht kein Spaziergang zu werden, kennt sie doch alle Welt als scharfzüngige Dschungelqueen, die mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hält. Umso überraschender ist es dann, wenn sie vor dem eigentlichen Interview noch kurz freundlich plaudert. Sobald aber die erste Frage gestellt ist, fällt die Klappe und die Nick schlüpft in ihre Paraderolle der stichelnden Läster-Lady.

Frau Nick, im September sind Sie in Badem zu Gast und lesen dort aus einigen Ihrer Bestseller. Waren Sie schon mal in der Eifel?

DÉSIREE NICK Die Eifel ist mir vertraut. Als Schülerin war ich dort auf Klassenreise. Und wenn man beim Fernsehen und Film im Raum von Köln arbeitet, kennt man schon viele Leute aus der Eifel. Ich finde es auch immer sehr interessant, wenn man Orte durch den Beruf kennenlernt, in die man ohne diesen Anlass gar nicht gelangt wäre.

Worauf kann sich das Publikum Ihrer Best-of-Lesung freuen?

NICK Die meisten Leute haben ja bis heute noch nicht begriffen, wie breitgefächert meine Talente sind. Eigentlich ist meine Heimat das Theater, ich komme von der Deutschen Oper Berlin. Durch die Reality-Shows, die ich seit 20, 30 Jahren auch präsentiere, hat mich ein Millionenpublikum auch außerhalb der Hochkultur kennengelernt. Viele Comedians haben Autoren, aber ich brauche beim besten Willen keine Autoren. Wenn ein Promi ein Buch schreibt, dann ist das ja oftmals das Werk eines Ghostwriters. Bei mir hat es unverkennbar meinen Zungenschlag. Jedem dürfte nach dieser Lesung klar sein, wer Désirée Nick ist, warum ich ein Original bin, warum ich ein Unikat bin und warum ich nicht kopierbar bin. So mache ich einen bunten Reigen meiner Bestseller und führe auf mein aktuelles Buch hin. Abschließend gibt es die Chance auf ein Meet and Greet und Autogrammstunde.

Während Ihrer Karriere haben Sie  viel gearbeitet, oft auf der Bühne gestanden und Bücher geschrieben. Sie haben aber auch ein Kind und waren alleinerziehend –

NICK Ich bin alleinerziehend!

Ihr Sohn ist aber inzwischen erwachsen …

NICK Trotzdem: Ein Kind bleibt immer ein Kind! Ein Kind hat ja kein Ablaufdatum mit 18.

Das stimmt! Es ist nicht einfach, Kindererziehung und Arbeit unter einen Hut zu bekommen, vor allem nicht, wenn man so viel unterwegs ist wie Sie.

NICK Das ist die erste Kür! Wenn eine Frau das geschafft hat, noch dazu als Alleinerziehende und freiberufliche Künstlerin, dann kann einen nichts mehr aus der Bahn werfen. Das ist die ganz hohe Schule, weil ich ja im Gegensatz zu anderen eine nicht planbare Zukunft habe, weil meine Jobs und Anfragen von heute auf morgen reinkommen. Das alles zu jonglieren, erfordert sehr viel Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl und vor allem Intuition. Ich habe das mit Brillanz und Bravur absolviert. Im Rückblick weiß ich selbst nicht, wie.

Ihre Leistung, Ihre Pflichten als Mutter und Ihren Beruf miteinander zu vereinbaren, ist bewundernswert. Wen bewundern Sie?

NICK Ich bewundere Leute, die etwas aus Überzeugung getan haben und nicht, um PR abzugreifen. Ich finde Leute fantastisch, die für echte Werte stehen und die nicht öffentlichkeitsgeil mit hohlen Phrasen hausieren gehen. Es gibt viele Wissenschaftler, Kämpfer und Soziologen, die Immenses bewirkt haben. Die größte Verarschung unserer Zeit ist Greta Thunberg. Alles, was sie gesagt hat, hat ein Nobelpreisträger aus den USA schon 1974 geschrieben. Ihm hört aber keiner zu – zumindest nicht aus dieser breiten Masse, an die sich diese junge Dame wendet. Da ist unsere Gesellschaft in einer großen Schräglage, weil nur noch verstanden wird, was schlicht und populistisch formuliert wird. Wir haben verlernt, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Ich finde dies besonders fatal, da Greta Thunberg eine Behinderte mit Asperger-Syndrom ist, die von ihrer Familie vermarktet wird. Aus dem Segeltörn nach New York wird gerade ein Film gemacht.

Beruflich und privat haben sie vieles erlebt. Wenn Sie heute auf Ihr bisheriges Leben zurückblicken: Würden Sie etwas anders machen?

NICK Eigentlich nicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich eine unabhängige Person bin und mich immer weiterentwickelt habe. Auch wenn ich einige Widerstände zu überwinden hatte, weiß ich, dass niemand die Brücke zwischen ernstem Theater und Unterhaltung, zwischen Trash und Klassik, zwischen Boulevard und Hochkultur besser meistert als ich. Des Weiteren finde ich fabelhaft, dass kein Mensch behaupten kann, ich hätte mich hochgeschlafen. Erfolg ist, den Bogen einer Karriere über Jahrzehnte zu spannen, sich immer wieder neu zu erfinden, und sich immer weiterzuentwickeln. Das heißt, in allen Facetten zu schillern, nicht eindimensional zu sein.

In welcher Sendung oder welche Rolle möchten Sie auf jeden Fall noch spielen?

NICK Ich kann nicht verstehen, dass ich noch nie in einer Serie wie Rosamunde Pilcher engagiert worden bin für die Rolle der bösen Gräfin. Stattdessen werde ich angefragt fürs Promi-Boxen. Das habe ich abgelehnt. Natürlich freue ich mich über jede Anfrage, die meinem Talent entspricht. Für die Opern-Bühne wünsche ich mir die Hauptrolle in „Hello Dolly!“ Die jüdische Heiratsvermittlerin Dolly Levi einmal darstellen zu dürfen, wäre ein Traum für mich.

Sie sind berühmt-berüchtigt dafür, dass Sie gern mal lästern und spitzzüngig sind. Nun haben Sie aber ganz bestimmt auch eine nette Seite. Was schätzen Ihre engen Freunde an Ihnen?

NICK Lästern, mein Gott, das macht man bei jedem Friseurbesuch. Davon lebt die ganze Boulevard-Branche. Ich finde es aber ganz toll, dass meine geistreichen, brillanten Bonmots wenigstens hängenbleiben. Bei anderen verflüchtigt sich das. Was ich sage, hat Substanz. Wenn eine Frau es macht, ist es Lästerei, das finde ich nicht korrekt. Wenn es ein Mann wie zum Beispiel Jan Böhmermann macht, ist es Satire. Ich bin Satirikerin, und der Satire die Spitze zu nehmen, wäre Verrat an der Kunst.

Und was schätzen Ihre Freunde an Ihnen?

NICK Na, meine Warmherzigkeit, meine Gutherzigkeit, mein Einfühlungsvermögen, meine Stärke. Das, was ich tatsächlich bin. Ich bin auch rundum die typische Ur-Berlinerin, mit Herz und frecher Schnauze. Und die große Schnauze eines Ur-Berliners funktioniert ja nur, weil sein Herz noch größer ist.

Ihr neues Buch heißt „Nein ist das neue Ja“. Ein Nein wirkt sehr negativ. Warum ist es wichtig, Nein zu sagen?

NICK Ein Nein ist das positivste Wort, das uns zur Verfügung steht. Es ist eine Waffe. Nein ist das Wort, mit dem wir unsere Zukunft verwandeln können. Wer immer nur Ja sagt, wird dahin geschubst, wo andere einen haben wollen. Denn mit einem Nein zu den Dingen, für die wir nicht wirklich brennen, finden wir das Ja und die Zeit für die Dinge, die uns wirklich am Herzen liegen.

Wann hat zu Ihnen zum letzten Mal jemand Nein gesagt?

NICK Als Schauspielerin gehören Neins zu meinem Alltag. Man bekommt zehn Angebote, aber nur eins realisiert sich. In meinem Beruf lebt man mit Neins, deshalb bin ich auch die Expertin, die weiß, wie man damit am besten umgeht.

Zum Abschluss: Wozu würden Sie jetzt spontan Ja sagen?

NICK Zum Auswandern.

Und wohin?

NICK Nach Malta, Namibia, die Bahamas, England. Ich finde Auswandern ist ein schönes Projekt. In einer anderen Gesellschaft, in einer anderen Kultur, mit anderen Menschen, in einem anderen Klima sich neu zu entfalten. Inzwischen kann ich es mir leisten, Projekte abzulehnen und Dinge zu tun, die ich wirklich will. Das ist ja auch ein Luxus. Ich wünsche mir für die nächsten Jahrzehnte, dass ich anfange zu ernten. Da werden sich einige Leute wundern. Denn die Saat, die ich gesät habe, ist exzellent.

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