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Interview: Johann König spricht über Trier, die Eifel und Corona

Interview mit Johann König : Trier oder die Eifel, Herr König?

Der Comedian spricht über seinen Auftritt in Trier, Flirts mit Masken und erklärt, wieso es okay ist, Witze über Corona zu machen. Und er beantwortet die alles entscheidende Frage.

In dem Moment, in dem sich Johann König mit einem leicht brüchigen und nervösen (oder sagen wir einfach: königschen?) „Hallo“ am Telefon meldet, ist klar: Das wird ein angenehmes Interview. Ein Wort reicht, da überzeugt die nette und entspannte Stimme des Comedians.

Dann erzählt er: Von seinem Urlaub. An die Nordsee soll es gehen. Alles ganz entspannt. Das Interview grenzt an eine Privatvorstellung. Denn während König über die Schönheit Triers, die Pandemie und Lachen mit Maske spricht, gibt er sich 1:1 wie auf der Bühne (auf der er am 18. August beim Arena Open Air in Trier stehen wird).

Wanderung in der Natur der Eifel oder Großstadt-Sightseeing in Trier?

JOHANN KÖNIG Ich brauche eigentlich beides. Die Großstadt nervt mich relativ schnell, weil ich die Städte oft so laut und stinkend und dreckig finde. Aber das nervt mich auch immer mehr, je älter ich werde. Früher habe ich es geliebt mit dem Fahrrad durch Köln zu fahren. Da fand ich es nicht laut und schmutzig sondern aufregend und cool. Und jetzt denke ich: Ich brauche Ruhe, ich will in die Natur. Ich möchte Pilze sammeln und keinem Menschen begegnen. Aber da würde ich auch vereinsamen. Aber wenn ich jetzt wieder nach Trier komme – da bin ich ja nicht so oft – dann werde ich mir einen Leihroller mieten und mir die Stadt ansehen.

Wenn man als Künstler auf Tour ist, wie viel schaut man sich dann von der Stadt an?

KÖNIG Das kommt drauf an, wie oft man dort ist. In Berlin zum Beispiel bin ich so oft, dass ich mir da nicht die Mühe mache, die Stadt anzuschauen. Das hängt aber auch vom Wetter ab und davon, wie viel Zeit man hat. Jetzt zum Beispiel habe ich das Programm so lange nicht gespielt, dass ich mir es wieder draufschaffen muss. Ich habe mir eine alte Aufnahme von 2019 angeschaut, da fiel mir wieder ein, wie lange das her und wie lang das Programm ist.

Kommt es auch darauf an, wie schön die Stadt ist? Da würde Trier natürlich punkten ...

KÖNIG Da sticht Trier natürlich heraus, ja. Ich werde auf jeden Fall herumlaufen. Ich war wirklich sehr lange nicht da. Oder? Ich habe auch ein bisschen den Überblick verloren. Diese eineinhalb Jahre Pandemie haben alles irgendwie verschoben.

Hauptsache ist doch: Das Gefühl zu wissen, dass Trier eine schöne Stadt ist, ist noch da. Da kommt es ja nicht auf jedes Detail an ...

KÖNIG Das ist noch da, auf jeden Fall!

Und es gibt ja auch einiges nachzuholen. Was hat Ihnen in den angesprochenen bisherigen eineinhalb Jahren Pandemie am meisten gefehlt?

KÖNIG Alleinzeit. Ich brauche immer Alleinzeit um kreativ zu sein und runterzukommen. Wenn die Familie den ganzen Tag um einen herum ist, dann ist das nicht möglich. Es gab jeden Tag Home-Schooling, ich habe jeden Tag gekocht ...

... was ist Ihr bestes Gericht?

KÖNIG Meine Kinder sind nicht so experimentierfreudig. Das heißt, es gibt schon fast jeden Tag Nudeln, Reis oder Kartoffeln (lacht). Wir haben ja jetzt eigene Hühner – das heißt, es gab sehr viele Eierspeisen, sehr viel Rührei. Ich hab’ Kuchen und Brot gebacken. Da habe ich mir schon einige Sachen draufgeschafft.

Was haben Sie außerdem noch während der Corona-Pandemie gelernt?

KÖNIG Französisch! Mein Sohn hat in der siebten Klasse mit Französisch angefangen. Da habe ich mir die Schulbücher gekauft, die er auch hat. Er hat mir dann gesagt, welche Hausaufgaben er zu erledigen hat – ich habe die dann auch selbst gemacht. Dann konnte ich mich – durch den Online-Unterricht – hinter der Treppe verstecken und den Unterricht sogar mitmachen. Daran werde ich mich immer erinnern, dass ich in der Lockdown-Zeit Französisch gelernt und auch wieder Schulunterricht erlebt habe – und auch manchmal dachte, dass die Lehrerin etwas geduldiger sein könnte. Aber ich war überhaupt nicht kreativ was die Bühne angeht. Da sind einem keine anderen Sachen eingefallen als irgendwelche Corona-Geschichten. Da wurden irgendwann auch alle Witze über zu viel getrunken haben und dick werden gemacht. Ich war zum Beispiel bei Dieter Nuhr eingeladen und dachte mir: Worüber soll ich reden, mir fällt nichts ein.

Wie gehen Sie mit Witzen über Corona um? Es besteht ja immer die Möglichkeit, dass jemand im Publikum sitzt, der jemanden verloren hat ...

KÖNIG So denke ich nicht. So kann man nicht arbeiten. Jeder Mensch muss damit rechnen, dass jeder Comedian darüber spricht. Das Thema auszuschließen, weil vielleicht Betroffene im Raum sind – so weit ist es nicht gekommen. Es gibt ja auch Witze, die sich über den Menschen lustig machen, aber nicht über die Erkrankung.

Hat sich das Lachverhalten der Menschen durch die Pandemie geändert? Stichwort Supermarktkasse: Man lacht jemanden an, derjenige sieht es aber wegen der Maske nicht. Ist das als Comedian nochmal ein anderes Gefühl?

KÖNIG Wir sind ja nicht darauf bedacht, dass Leute im Supermarkt über uns lachen. Aber mit Maske lachen bringt nix für den anderen. Ich hatte Vorstellungen draußen, bei denen Zuschauer mit Masken saßen. Das ist fast wie Autokino. Das klingt ganz dumpf. Da merkt man wieder, was am lachen so wichtig ist: Dass man es sieht und hört. Also ich glaube: Wenn ich jetzt single wäre und im Supermarkt würde flirten wollen, das wäre sehr komisch.

Wieso?

KÖNIG Ich versuche immer ganz übertrieben zu lachen, damit die Lachmimik hoch an der Maske noch durchscheint. Da lacht man so übertrieben, wenn man da die Maske absetzen würde, da würde der Gegenüber ja Angst kriegen.

Abschlussfrage: Sie wohnen seit 30 Jahren in Köln. Wenn Sie die Stadt – warum auch immer – verlassen müssten: Trier oder abgelegenes Dorf in der Eifel?

KÖNIG Ich würde mir in Trier und in der Eifel jeweils eine schöne Zwei-Zimmer-Wohnung kaufen und pendeln. Wenn ich Lust auf Stadt, Cafés und Kultur habe, dann bin ich in Trier. Die Hälfte der Woche dort, die andere in der Eifel.

Tickets für Johann König gibt es für 34,50 Euro auf www.poppconcerts.de