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Interview: Jupiter-Jones-Sänger Sven Lauer über Textsicherheit, erste Auftritte und große Aufgaben

Interview: Jupiter-Jones-Sänger Sven Lauer über Textsicherheit, erste Auftritte und große Aufgaben

Die Fußstapfen sind groß, aber die ersten Schritte sind gemacht: Der gebürtige Prümer Sven Lauer (39) hat bei der erfolgreichen Punk-Rockband Jupiter Jones den Gesangspart von Nicholas Müller übernommen. Warum Lauer den Job anfangs partout nicht wollte, erzählt er im Interview.

Am Freitag steht Sven Lauer zum ersten Mal mit Jupiter Jones in der Eifel auf der Bühne - auf dem Nürburgring. Dank positiver Reaktionen nach den ersten Konzerten ist beim neuen Sänger die anfängliche Nervosität verflogen. Mit Lauer sprach Volksfreund-Redakteur Andreas Feichtner.

Die ersten Wochen als Jupiter-Jones-Sänger liegen hinter dir. Wie wurdest du von den Fans aufgenommen?
Sven Lauer: Die ersten Wochen waren sehr spannend. Ich habe eine große Verantwortung übernommen und wachse Stück für Stück rein. Ich kann nach den ersten Gigs sagen, dass die Band sehr offene, tolle Fans hat, die einem eine Chance geben. Die Reaktionen nach den Shows waren sehr positiv. Darauf haben wir gehofft, aber nicht unbedingt damit gerechnet. Die Leute merken sofort, wie viel Spaß wir auf der Bühne haben.

Wie hoch schoss dein Puls beim ersten gemeinsamen Auftritt?
Lauer: Salopp formuliert: Ich hatte die Hosen gut voll. Es ist eine schwere Last, aber auch große Vorfreude. Und natürlich denkt man sich auch: Wie ist es, wenn ich jetzt den Text vergesse? Die Flucht nach vorne ist der beste Weg. Ich habe den Leuten gleich gesagt, dass sie vielleicht textsicherer sind als ich (lacht). Sie haben mich sehr unterstützt. Und wenn man nach zwei, drei Songs hauptsächlich in lächelnde Gesichter schaut, dann ist das sehr beruhigend.

Über zehn Jahre lang hat Nicholas als Texter und Sänger die Band entscheidend geprägt, bevor er wegen einer Angststörung die Band verlassen hat. Nerven die Vergleiche?
Lauer: Die Vergleiche werden noch eine Zeitlang weitergehen, das war mir vorher klar. Die Leute müssen die Chance haben, mich kennenzulernen. Ich war auf vielen Jupiter-Jones-Konzerten und mag Nicki sehr gerne. Er hat mich als Sänger und Texter immer sehr berührt - und das passiert mir bei deutschsprachigen Bands selten. Mir war völlig klar, dass ich mit ihm verglichen werde. Aber ich bin ein anderer Typ, habe eine andere Stimme und lebe ein anderes Leben. Die große Chance - und das, woran ich gemessen werde - ist der erste gemeinsame Song. Der wird beim Bundesvision Song Contest zu hören sein. Da werden wir Rheinland-Pfalz vertreten.

Das ist dann gefühlt eine Rückkehr in die Jugend. Wie Schlagzeuger Marco "Hont” Hontheim und Gitarrist Sascha Eigner stammst du auch aus der Eifel. Was hat den Ausschlag gegeben, Prüm gleich nach dem Abi zu verlassen?
Lauer: Sascha und ich kennen uns seit wir drei sind. Wir haben uns gegenseitig die ersten Gitarrengriffe beigebracht. Von daher schließt sich ein Kreis. Ich bin schon mit 19 Jahren weg aus der Eifel. Ich bin zuerst, weil ich Meeresbiologie studieren wollte, an die Uni nach Greifswald gegangen. Mein Hauptstudium habe ich in Kiel gemacht, die Diplomarbeit dann in Köln geschrieben. Inzwischen wohne ich aber seit Jahren in Hamburg, wo ich mich in der Medizintechnik selbstständig gemacht habe. Dort lebt ja inzwischen auch der Rest der Band. Mit Ausnahme von Hont, der noch in der Eifel wohnt.

Welche Jupiter-Jones-Songs fallen dir leicht? Und gibt's welche, mit denen du Probleme hast?
Lauer: Ich hatte das Glück, dass mir Sascha immer schon die Songs vor der Veröffentlichung geschickt hat, um meine Meinung zu hören. Von daher kenne ich die Songs ziemlich gut. Natürlich ist es was völlig anderes, die Songs selbst zu singen. Mir fallen die älteren Stücke wie "Wir sind ja schließlich nicht Metallica” oder "Auf das Leben” leichter. Die größte Herausforderung sind die Songs, die die Leute aus dem Radio kennen, also die Single "Rennen und Stolpern” und vor allem "Still”. Das haben die meisten Leute im Ohr. Ich ändere zwar nicht die Phrasierungen, aber meine Stimme klingt nun einmal anders als die von Nicki. Und daran müssen sich die Leute erst gewöhnen.

Du hattest in Hamburg mit "Caracho” eine Band, die starke elektronische Einflüsse hatte. Wird sich am Stil von Jupiter Jones etwas ändern? Wird es elektronischer?
Lauer: Nein, von der Musik her klingt etwa der neue Song sofort nach Jupiter Jones - und das ist auch gut so. Ich bin von der Pike auf gelernter Rockmusiker. Caracho hatten wir vor sieben Jahren als Spaßprojekt mit dadaistischem Ansatz gegründet. Mir fehlte seit längerer Zeit der Rock, ich vermisste auch die emotionalen Texte. Für mich war da die Luft raus. Drei Tage, nachdem ich der Band sagte, dass ich nicht mehr möchte, fragte mich Sascha, ob ich Sänger von Jupiter Jones werden will. Es ist krass. Wenn man im Leben den Mut hat, Entscheidungen zu treffen, die einem schwerfallen, geht plötzlich eine neue Tür auf.

Durch die du aber erst partout nicht gehen wolltest...
Lauer: Meine erste Reaktion auf die Anfrage war "nein". Nicht aus Desinteresse, sondern aufgrund der Größe der Aufgabe. Die Fußstapfen, die Nicki hinterlassen hat, konnte und wollte ich nicht ausfüllen. Ich fühlte mich geehrt, aber es war im ersten Moment eine zu große Herausforderung.

Was hat dich zum Umdenken gebracht?
Lauer: Ich bin intuitiv zu meiner Frau auf die Arbeit gefahren und bin davon ausgegangen, dass auch sie sagt: Lass mal, das wäre für die Familie eine zu große Belastung. Sie sagte aber: Warum hast du abgesagt? Schlaf doch eine Nacht drüber. Wir haben dann eine Probe ausgemacht, um zu schauen, wie sich das anfühlt. Anfangs war es seltsam, es hat aber allen sehr schnell viel Spaß gemacht. Als irgendwann alle grinsten, war klar, dass es funktioniert. AF

Halbes Heimspiel: Am Freitag, 18. Juli, gastiert Jupiter Jones zum ersten Mal mit ihrem neuen Sänger in der Eifel. Die Band spielt im Rahmenprogramm des Truck-Grand-Prix am Nürburgring.