Interview mit der mexikanischen Musikerin Lila Downs

Interview mit der mexikanischen Musikerin Lila Downs

Kühl, stolz und ihrem indianischen Erbe verschrieben: So wirkt Lila Downs oftmals auf Bildern, so klingt auch die Musik der 42-jährigen Sängerin, aufgewachsen in den USA und Mexiko. Dem Trierischen Volksfreund hat sie Fragen zu ihrer Musik, Frida Kahlo und ihrem nächsten Projekt beantwortet.

Ihr Vater war ein US-amerikanischer Wissenschaftler, die Mutter Angehörige der Mixteken, eines der indigenen Völker Mexikos. Sie habe das Glück gehabt, in gleich drei Kulturen aufgewachsen zu sein, sagt Lila Downs im Gespräch mit dem TV. Jede habe ihre eigene Lebensart und Poesie. Die Verschmelzung dieser drei Kulturen nimmt die 42-Jährige sehr ernst, Vorurteile will sie vermeiden. Die Musikerin tritt oftmals mit Elementen indianischer Kleidung auf, bindet ihre Haare auf indianische Art zum Zopf. Bekannt wurde Lila Downs durch ihre Mitwirkung im Hollywood-Film "Frida", ein farbenfrohes Denkmal an die 1954 gestorbene mexikanische Malerin. Downs hat im Film zwei Auftritte als Mariachi-Sängerin.

Wie beschreiben Sie Ihren eigenen Musikstil? Sind Sie eine mexikanische oder eher multikulturelle Sängerin?

Lila Downs: Ich bin mit Ranchera-Musik [Anmerkung: mexikanische Country-Musik] singend aufgewachsen und ich liebe diese musikalische Tradition. Ich hatte das Glück, mich von Land zu Land frei bewegen und in drei verschiedenen Kulturen aufwachsen zu können: die nordamerikanische, die mestizo-mexikanische und die indigene. Jede hat ihre Art zu Leben und des Seins, und jede besitzt ihre eigene Poesie. Wir nehmen diese Verbindung sehr ernst und verstehen, dass man hart arbeiten muss, um Vorurteile zu vermeiden und etwas zu erschaffen, das für den Kern der Kunst steht.

In Deutschland kennt man Sie auch wegen Ihres Auftritts im Film "Frida". Wie viel von Frida Kahlo und ihrer Ideale steckt in Ihnen?

Lila Downs: Ich bewundere Frida Kahlo, sie ist eine große Künstlerin, eine starke und unabhängige Frau, die einer mexikanisch-österreichisch-ungarischen Verbindung entstammt und ein Vorbild für die mexikanische Kultur darstellt. Indem sie Stoffe und das traditionelle Kleid der indigenen Völker Mexikos verwendete, etwa Huipiles [farbenreiche Bluse], Rebozos [Schal] und den oaxaca`schen Stil der Tehuana [zweiteiliges Kleid aus Huipil-Bluse und Rock], lenkte sie die Aufmerksamkeit auf die indigene Kunst und Kultur. Das ist auch für mich sehr wichtig. Aber der ständige Vergleich mit Frida Kahlo ist sehr anstrengend, und selbst die Zöpfe sind manchmal wie eine schwere Last.

Im Zusammenhang mit den Inhalten Ihrer Lieder: Wie sehen Sie die Rolle der indigenen Völker Mexikos?

Lila Downs: Da hat sich vieles verändert. Ich glaube, dass es positivere Einstellungen zur indigenen Welt und ihrer Existenz in der modernen Welt gibt.

Welchen Grund haben Europäer, Ihre Konzerte zu besuchen? Ist es das Interesse an folkloristischer Weltmusik?

Lila Downs: Ich hatte das Glück, mit vielen verschiedenen Musikstilen aufzuwachsen, und es war eine Herausforderung, diese unterschiedlichen Formate so zu kombinieren, dass etwas anders und frisch klingt. Ich glaube, dass Konzerte und Musik die Menschen in einem multikulturellen Umfeld verbindet. Ich empfinde es als Geschenk, jeden Tag reisen, singen und meine Musik mit vielen Menschen teilen zu können.

Was ist der Inhalt ihres nächsten Albums? Was planen Sie für die Zukunft?

Lila Downs: Unsere neue CD ist "Lila Downs Y La Misteriosa En Paris - Live a FIP". Ich komponiere derzeit mit Paul Cohen, meinem Ehemann, die Musik für die Theaterversion des bekannten Romans von Laura Esquivel, "Como Agua Para Chocolate" [deutsch: Bittersüße Schokolade] . Der erste Akt ist fertig, jetzt beginnen wir mit dem zweiten. Außerdem arbeiten wir derzeit an der nächsten CD, es geht um "modernen Mariachi", ein sehr unterhaltsames Projekt.