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Interview mit Funny van Dannen vor dem Arena Open Air Sommer in Trier

Interview mit Funny van Dannen : „Campino hätte schlechte Karten“

Der niederländische Liedermacher spricht über seinen Auftritt in Trier, ein Karriereende bei der Eintracht und Helge Schneiders Konzertabbrüche.

Auf der Homepage der Toten Hosen wird Funny van Dannen als „seltenes Multitalent“ bezeichnet. Wahrscheinlich ist der 63-Jährige genau das. Er singt, malt und schreibt – gefühlt alles gleichzeitig. Und er wäre fast Fußballprofi geworden (auch wenn der Niederländer diese Geschichte nicht sonderlich mag, wie er im Interview durchblicken lässt). Vor seinem Aufritt beim Arena Open Air Sommer am Samstag, 31. Juli, in Trier, spricht er über die Verständnis für Helge Schneiders Konzertabbrüche, Eintracht Trier und beantwortet die Frage, wer besser kicken kann: Er oder Campino?

Helge Schneider hat seine Strandkorbkonzerte abgebrochen beziehungsweise abgesagt, weil er sich durch das Catering gestört gefühlt hat. Können Sie das verstehen?

FUNNY VAN DANNEN Das kann ich gut verstehen. Das ist aber auch nichts Neues, das gab es immer schon. Es gab schon immer Leute wie Herbie Hancock, die sehr empfindlich waren. Die fühlen sich dann gestört und brechen ein Konzert ab. Manche Leute sind da nicht so empfindlich ...

... zu welcher Kategorie gehören Sie?

VAN DANNEN Das hängt von der Tagesform ab. Manchmal hat man einen nervösen Tag, dann stört einen was. Es gibt auch Tage, da kann – übertrieben gesagt – neben dir eine Bombe explodieren, da nervt einen kaum was. 

Bei ihrem Open Air an der Arena Trier werden sowieso keine Strandkörbe stehen.

VAN DANNEN Ja, man wird sehen. Das ist immer von der Situation abhängig. Wenn man auftritt, erlebt man so viele seltsame Situationen. Es gibt Leute, die ihren Namen tanzen und die anderen auf die Nerven gehen mit ihrem Gehabe und Gehopse. Manchmal ist es gut, was zu sagen. Manchmal ist es aber auch gut, es zu ignorieren. Natürlich nervt es, wenn Menschen ihre Privatshow abziehen wollen auf Kosten anderer. Es hilft aber auch manchmal, nicht gleich dazwischenzuhauen, weil es die Stimmung belastet. Da muss man da immer mit Fingerspitzengefühl rangehen.

Erinnern Sie sich an Beispiele aus Ihrer Karriere?

VAN DANNEN Ich hatte mal einen Auftritt in Augsburg. Ein relativ kleiner, geschlossener Raum. Da saß ein Liebespärchen in der ersten Reihe und hat seine Probleme verhandelt vor aller Ohren. Da dachte ich mir: ‚Lass sie mal machen, nach zwei bis drei Songs ist das erledigt’. aber es hörte nicht auf. Am Ende haben sie dann viel zu lange gequatscht.

Noch ein Beispiel?

VAN DANNEN In Stuttgart habe ich schon mal Leuten einen Sektkübel übergegossen, weil es mir zu blöd wurde (lacht).

Wie viel von dem, was im Publikum passiert, bekommt man als Künstler mit?

VAN DANNEN Das hängt auch von der Masse ab. Wenn du nur in einem kleinen Club spielst vor 200 Leuten, dann bekommst du natürlich mehr mit, wenn was im Publikum passiert. Wenn man vor einigen Tausenden Leuten spielt oder es nicht direkt vor der Bühne passiert, dann bekommt man das nicht mit. Es kommt auch auf die Anlage an. Wenn man eine gute Verstärkeranlage hat, dann kann man auch über einen gewissen Lärmpegel gemütlich hinwegsingen.

Anderes Thema: In Ihrem Song ‚Tröpfcheninfektion’ singen Sie in Bezug auf Corona: ‚Ich mache mich wirklich nicht lustig, weil das alles nicht lustig ist’. Wie schwer fällt es, ein derart präsentes Thema humorvoll auszuklammern?

VAN DANNEN Ich würde das an einem geschichtlichen Vergleich klarmachen: Corona ist eine schlimme Seuche. Ebola finde ich aber zum Beispiel zehn Mal schlimmer. Andere Generationen haben auch schlimmere Sachen mitgemacht. Das hier ist für meine Generation glücklicherweise die erste schlimmere Situation. Ansonsten gab es mal den sogenannten Ölschock 1973. Die atomare Bedrohung war immer da, das haben die Leute aber nie so richtig mitbekommen – oder es hat sie nicht interessiert. Jetzt ist seit langer Zeit etwas passiert, das den Alltag durcheinandergebracht hat. Aber das ist noch nicht so katastrophal wie das Hochwasser jetzt. Das hat viele Leute noch schlimmer betroffen als Corona – abgesehen von denen, die es deutlich erwischt hat.

Ihr Alltag ist also durcheinandergewirbelt. Sie haben einmal gesagt: ‚Der Alltag ist der Fundus für meine Texte’. Wurde da auch gewirbelt?

VAN DANNEN Bei mir lief das so ein bisschen gegen die allgemeine Entwicklung. Wir hatten die Möglichkeit uns zurückzuziehen und im kleinen Kreise aufzuhalten. Wir mussten auch nicht raus. Ich hatte Glück, dass ich meine Tour gerade abgeschlossen hatte, als Corona losging. Deswegen konnte ich das alles relartiv entspannt überbrücken. Aber Leute, die zum Arbeiten raus müssen oder die Kinder haben, für die war das sehr belastend. Ich hatte aber in der Situation Glück.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeiten Sie mit den Toten Hosen zusammen. Wer ist der bessere Fußballer, Sie oder Campino?

VAN DANNEN Das haben wir leider noch nicht ausmachen können. Das hat sich in all’ den Jahren nie ergeben. Ich glaube aber, dass Campino schlechte Karten hätte (lacht).

Wegen des Talentes, das sie von früher mitbringen?

VAN DANNEN Ja, wahrscheinlich habe ich im Fußball etwas mehr Übung. Aber ich glaube er hat früher mal Hockey gespielt, da hätte ich sicher keine Chance. Aber Fußball ... obwohl, er ist natürlich ein großer Kämpfer, die können einem schon zu schaffen machen.

Wie knapp war es wirklich, dass Sie damals Fußballprofi geworden wären?

VAN DANNEN Ach, das ist eine Geschichte, die habe ich irgendwann mal erzählt. Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang. Das wurde dann immer weitergetragen.

Dann geben wir Ihnen die Chance, das Thema mit einem Satz zu beenden. Wenn Sie sich heute einen Fußballverein aussuchen könnten, für den Sie spielen dürften, welcher wäre es?

VAN DANNEN Immer der 1. FC Köln. Ich bin seit meiner Kindheit Köln-Fan. Durch das ganze Elend hat sich das auch nicht verändert.

Oder im Trierer Moselstadion?

VAN DANNEN Klar, in Trier bei der Eintracht hätte man sehr schön seine Karriere ausklingen lassen können.

Tickets für Funny van Dannen beim Arena Open Air Sommer in Trier gibt es ab 35,05 Euro auf www.kartenvorverkauf-trier.de oder an der Abendkasse