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Interview mit Keyboarder Mark Kelly (Marillion und Marathon)

Interview mit Mark Kelly (Marillion und Marathon) : „Ginge es nach mir, wäre das Marillions Stil“

Der Keyboarder der britischen Prog-Rocker Marillion spricht über sein neues Projekt, 1000 gelagerte Ideen und ein Problem von Spotify.

Kayleigh! Na, wer von Ihnen hat dieses Wort gerade in seinem Kopf etwas rockiger und mit einem stark betonten „K“ ausgesprochen. Keine Angst, Sie sind nicht alleine. Die Kayleigh-Schöpfer Marillion sind bis heute eine der erfolgreichsten Prog-Rock-Bands der Welt. Doch Keyboarder Mark Kelly genügt das nicht: Nun erscheint mit „Mark Kelly’s Marathon“ das Debütalbum seiner neuen Band Marathon. Im TV-Interview erklärt Kelly, wieso das Album etwas für Old-School-Marillion-Fans ist und erzählt, wie er bei der Suche nach einem Sänger über Peter Gabriel gestolpert ist.

Mark Kelly, die Stimme auf ihrem Album klingt sehr bekannt. Hand aufs Herz: Wo haben Sie Peter Gabriel im Studio versteckt?

MARK KELLY (lacht) Ich erzähle Ihnen die Geschichte dahinter. Als ich angefangen habe, die Songs zu schreiben und eine Idee bekam, welche Art Sänger ich wollte, habe ich ein Jahr lang nach einem Sänger gesucht. Ich bin durch Spotify gescrollt, dort gibt es Tausende Bands, die nur vierstellige Streamzahlen haben. Da kann man sicher sein, dass die komplett unbekannt sind. Eines Tages stieß ich auf eine Band namens Big Blue Ball, die nur einige Tausend Streams hatten. Der Sänger klang unglaublich gut ...

... wie Peter Gabriel?

KELLY Ja! Dann habe ich ein bisschen recherchiert – und es war der echte Peter Gabriel. Ich ärgerte mich, weil ich dachte, ich hätte den perfekten Sänger gefunden.

Das Cover des Albums „Mark Kelly’s Marathon“. Foto: Band

Lassen Sie mich raten: Sie haben den echten Peter Gabriel nicht angefragt.

KELLY Richtig. Ich glaube auch nicht, dass er mitgemacht hätte. Außerdem wollte ich nicht mit jemandem zusammenarbeiten, der schon derart bekannt ist. Es hätte mehrere Sänger gegeben, die ich kenne, mit denen ich hätte zusammenarbeiten können – aber ich wollte, dass Marathon etwas Neues ist.

Also haben Sie einen unbekannten Sänger gefunden, der wie Peter Gabriel klingt. Wie das?

KELLY Ich habe diese Geschichte in einem Interview mit einem Marillion-Fanclub-Magazin erzählt. Ein Freund von mir hat das Interview gelesen. Er meinte, er kenne den perfekten Sänger für mein Projekt. So habe ich Oliver, unseren Sänger, gefunden.

Was macht ihn als Sänger aus?

KELLY Wenn er etwas singt, dann hört man jede Menge Ehrlichkeit heraus. Bei einem Song wie „Amelia“, der ersten Singleauskopplung, der eine Geschichte erzählt, brauchst du jemanden, der es authentisch singen kann. Wenn nicht, hört sich das an wie eine Show oder eine Theateraufführung. Das wollte ich verhindern. Da hat Oliver einen brillanten Job gemacht. Er ist auch sehr gut darin, eigene Stimmmelodien zu erschaffen. Manchmal hat man Sänger, die eine gute Stimme haben, aber wenn du ihnen nicht exakt sagst, was sie zu tun haben, wissen sie es nicht. Oliver habe ich die Musik und die Texte geschickt und gesagt: „Sing’ einfach wie du willst.“

Ist es heute durch Spotify, YouTube  und Castingshows leichter, einen solchen Sänger zu finden?

KELLY Das kann sein. Aber ich habe außer Peter Gabriel auch keinen eigenen Sänger gefunden (lacht). Heute kann jeder Musik machen und sie hochladen, dadurch gibt es viel mehr Auswahl. Früher musste man einen gewissen Level haben, bevor du in ein Studio gehen konntest. Die meisten haben das nie geschafft. Der Nachteil daran ist, dass es zu viel Auswahl gibt und es schwerer fällt, die richtig guten Musiker herauszufiltern. Heute ist es durch die technischen Möglichkeiten einfach, gut zu klingen.

Wie kamen Sie auf den Namen Marathon? Sie laufen viel und sind sehr fit – gibt es dabei Zusammenhänge?

KELLY Unser Songtexter hat den Namen vorgeschlagen. Ich wollte einen Namen, der sich zusammen mit Mark Kelly gut anhört. Etwas wie Richie Blackmore’s Rainbow – das klingt einfach gut.

Also war die Idee, das Album „Mark Kelly’s Marathon“ von Anfang an da?

KELLY Ja. Ich glaube, am Anfang wäre es ein Fehler, meinen Namen nicht mit hineinzunehmen. Es ist gut, wenn einige meinen Namen erkennen. Hoffentlich kommt so der eine oder andere Marillion-Fan zu Marathon. Wenn wir dann das zweite Album veröffentlichen, wird der Name etwas bedeuten, und die Hörer werden interessiert sein, weil sie wissen, was sie erwartet.

Sie spielen weiterhin bei Marillion. Wieso haben Sie ein neues Projekt gebraucht?

KELLY Ich denke seit 25 Jahren darüber nach, ein Solo-Album herauszubringen. Es war mein Freund, der Songwriter Guy Vickers, der sagte, er würde gerne einige Texte für mich schreiben. Er fragte, ob ich noch Musik in meinem Repertoire hätte. Dadurch habe ich angefangen. Als wir dann den ersten Song „Amelia“ gemacht haben, wurde mir klar, dass das etwas sein würde, was mir sehr viel Spaß macht.

Gibt es Ideen oder musikalische Ansätze, die Sie eigentlich für Marillion vorgesehen hatten, die aber jetzt mit Marathon erscheinen?

KELLY Das ist genau was passiert ist. Bei Marillion jammen wir viel und haben sehr viele Ideen. Viele davon sind Müll. Aber es gibt auch solche, die gut sind, aber nie genutzt werden. Marillion hat aus den letzten zehn Jahren 1000 Ideen gelagert. Die bin ich durchgegangen, viele davon stammen von mir. Der Song „Amelia“ zum Beispiel stammt aus einem Marillion-Jam. Das war ein guter Start, wenngleich auch viele Ideen über die Arbeit mit den Marathon-Mitgliedern stammt.

Die anderen Bandmitglieder sind zwar sehr talentiert, aber noch nicht bekannt. Einige von ihnen werden sicher Marillion-Fans sein. Glauben Sie, es ist besonders für die anderen Mitglieder, mit Marillion-Ideen zu arbeiten?

KELLY Ich glaube nicht, dass sie Marillion-Fans sind. Na ja, bis auf das jüngste Mitglied ...

... Ihren Neffen. Der ist doch sicher Fan?

KELLY (lacht) Er ist damit aufgewachsen, ist erst 23. Er hat sein ganzes Leben Marillion gehört. Aber er ist mein Neffe, also war es nicht so aufregend für ihn. Unser Gitarrist ist kein Marillion-Fan, unser Sänger Oliver auch nicht.

Dennoch: Es gibt Millionen Marillion-Fans auf der ganzen Welt. Würden sie diesen Fans das Marathon-Album empfehlen?

KELLY Ich glaube, es gibt viele Elemente, die Marillion-Fans mögen würden. Besonders wenn man die früheren Marillion-Songs liebt. Es war für mich eine Chance, etwas nostalgisch zu werden. Wenn es nur nach mir gehen würde, wäre das Marillions Stil. Aber bei Marillion sind fünf Personen, die alle verschiedene Ideen einbringen, das ist anders – und auch vollkommen normal.

Das Album „Mark Kelly’s Marathon erscheint am Freitag, 27. November.