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Interview mit Norbert Rier: „Ewige Liebe? Für junge Leute klingt das kitschig“

Interview mit Norbert Rier (Kastelruther Spatzen) : „Ewige Liebe? Für junge Leute klingt das kitschig“

Der Sänger der Kastelruther Spatzen spricht über die ewige Liebe, die verschobene Tour und die Vorzüge des Landlebens.

Was ist das Geheimnis ewiger Liebe? Endgültig werden wir das auch hier nicht beantworten können. Aber: wir können Norbert Rier, den Sänger der Kastelruther Spatzen, dazu befragen. Denn wer vor einigen Wochen ein Album mit dem Titel „Liebe für die Ewigkeit“ veröffentlicht hat, der muss es wissen.

Im Interview spricht der Volksmusiker außerdem über die ausgefallene Tour, die Feier zu seinem 60. Geburtstag und darüber, wieso junge Menschen es schwerer haben, die ewige Liebe zu finden.

Im Februar haben Sie im Interview mit unserer Zeitung gesagt, dass Sie sich freuen, ihren 60. Geburtstag im April groß zu feiern.

NORBERT RIER Ja, da war die Welt noch in Ordnung ...

... und dann kam Corona. Lassen Sie mich raten, es war nichts mit der großen Feier?

RIER Nein, überhaupt nicht. Ich hatte am 14. April Geburtstag, das war dann Gott sei Dank im Kreise der Familie. Durch die Einschränkungen war keine große Feier möglich – auch wenn ich das wie an meinem 50. gerne gemacht hätte. Da war schon einiges geplant. Aber zum Glück konnten bis auf einen alle Enkel zu mir kommen. Zum Glück wurde zufälligerweise an diesem Tag etwas gelockert. Dann haben wir im Kreise der Familie wunderschön gefeiert. Meine Kinder haben schöne Videobotschaften von Freunden und Musikkollegen organisiert.

Das klingt entspannt. War es für Sie persönlich auch gut, mal runterzukommen vom Tour-Trubel?

RIER Das auf jeden Fall. Vor allem am Anfang hat es jedem, glaube ich, mal gutgetan, runterzufahren. Jeder hat mal gemerkt, dass bestimmte Dinge nicht so wichtig sind – es geht auch ohne bestimmte Sachen. Auch in der Natur hat man das Gefühl gehabt, dass die Vögel lauter zwitschern und die Luft klarer ist. Vor allem durch den eingeschränkten Luftverkehr hat man gemerkt, wie viel die Luft ansonsten verschmutzt wird. Beim Autoverkehr habe ich mich 50 Jahre in die Vergangenheit versetzt gefühlt. Wenn irgendwo ein Auto gefahren ist, hat man geschaut, was das für eines ist. Das war eine Zeit lang nett und interessant. Aber im Sommer wurde es zum Glück lockerer. Aber aktuell ist es nicht so angenehm.

Wie war diese Phase für die Kastelruther Spatzen als Band?

RIER Es wollte anfangs keiner glauben, dass alle Termine abgesagt und verschoben werden mussten. Es hat schon mit den Open Airs angefangen, dann mussten wir auch das jährliche Spatzenfest absagen. Unser letzter Auftritt war bei der Biathlon-WM in Antholz. Jetzt hoffen wir, dass es irgendwann wieder normal wird.

Die Tour, auf der die Spatzen auch in Trier auftreten, wurde ins zweite Halbjahr 2021 verschoben. Realistisch?

RIER Wir hoffen einfach, dass wir fit bleiben und das alles passt. Wenn es wieder normal wird, wird es sehr stressig und turbulent für alle. Aber die Fans warten schon darauf, endlich wieder Musik genießen zu können. Wir hoffen, dass wir, wenn es so weit ist, die Leute mit schöner Musik entschädigen können, für alles, was sie durchgemacht haben.

Thema „schöne Musik“: Ihr Album „Liebe für die Ewigkeit“ ist vor einigen Wochen erschienen. Was ist eine größere Herausforderung für die ewige Liebe: Wie in der Pandemie jeden Tag zusammen zu sein, oder, wie auf der Tour, viel unterwegs zu sein?

RIER (lacht) Beides. Meine Beziehung war immer davon strapaziert, dass ich viel unterwegs war. Gott sei Dank hat meine Frau das toleriert. Aber natürlich, wenn man nur zu Hause ist, ist das dann Neuland, daran muss man sich erst gewöhnen. Klar, hier auf dem Bauernhof haben wir schon viel Arbeit, wir hocken nicht nur im Haus. Speziell für andere, die nur in einer kleinen Wohnung leben, kann das Probleme geben. Ganz schlimm wäre es, wenn eine Beziehung von vorneherein nicht ganz gut passt – da kann es Probleme geben. Bei mir hat das alles zum Glück bisher gepasst – und das wird auch so bleiben.

Blickt man auf das Video zum Song „Liebe für die Ewigkeit“, dann sieht man ein älteres Ehepaar, das sehr glücklich zusammen ist. Könnte das ein Blick in Ihre Zukunft sein? Natürlich müsste der Bart noch etwas wachsen ...

RIER (lacht) Der würde schon wachsen, wenn ich ihn nicht immer so stutzen würde. Aber natürlich wünscht sich jeder gesund alt zu werden. In einer Partnerschaft braucht man sich im zunehmenden Alter immer mehr. Es gibt nichts Schöneres, als einem älteren Ehepaar zuzusehen, wie sehr sie es genießen, wenn sie gut miteinander auskommen. Ich habe das bei meinen Schwiegereltern gesehen – auch wenn mein Schwiegervater vor zwei Jahren leider gestorben ist. Aber die waren unzertrennlich – und das wurde im Alter immer mehr. Man ist aufeinander abgestimmt. Dass es auch mal Unstimmigkeiten gibt, ist normal. Das soll auch so sein, sonst wäre es zu langweilig. Aber das schöne am Streit ist die Versöhnung.

Blickt man auf den Liedtext, dann bietet der Song nicht nur heile Welt. Sie stellen die Frage: „Kann man sich ewig lieben, in einer Zeit, in der alle alles kriegen?“ Glauben Sie, dass es jüngere Menschen durch Dating-Apps und Social Media schwerer haben, die ewige Liebe zu finden – und vor allem zu behalten?

RIER Ja. Für junge ist es oft unverständlich. Die können das mit der ewigen Liebe fast nicht glauben – das klingt für die irgendwie kitschig. Man kennt das ja von anderen Beziehungen: Im ersten Augenblick denkt man: ‚Das ist jetzt das ein und alles.’ Und dann wird man irgendwann eines Besseren belehrt. Aber manchmal macht es Klick und man merkt, dass das der Partner fürs Leben ist. Das war bei mir auch damals so, als ich meine Frau kennengelernt habe. Da gab es am Anfang auch immer mal wieder Probleme. Aber es ist immer schön, das Gefühl zu haben, dass man mit dieser Person gemeinsam alt werden möchte. Jeder, der in einer solchen Situation ist, ist zu beneiden. Wenn man eine Beziehung eingeht oder heiratet – bei mir sind es im Januar 37 Jahre mit der gleichen Frau, was im Showgeschäft auch nicht selbstverständlich ist – dann ist die Liebe wie ein Lotteriespiel. Wenn es passt, war es nicht zu früh. Wenn es passt, ist es nie zu früh. Wenn es nicht passt, wäre es immer zu früh. Aber man muss schon einiges dafür tun. Wichtig sind gegenseitiges Vertrauen, Verständnis, Akzeptanz und Respekt. Und dann muss man hoffen, dass es passt.

Was schweißt noch zusammen?

RIER Wenn man das Glück gemeinsamer Kinder hat. Natürlich wird man dadurch auch manchmal auf eine Probe gestellt. Wichtig ist mit zunehmendem Alter – ich bin jetzt auch schon 60 – braucht man sich immer mehr. Da ist es immer wichtiger, dass man gut miteinander auskommt.

Sie haben Ihren Hof, vier Kinder, drei Enkel: Langweilig wurde es Ihnen sicherlich nicht trotz der ausgefallenen Tour, oder?

RIER Überhaupt nicht. Wir haben auch das Glück, dass unser Hof etwas abgelegen liegt. Wenn man das Glück hat und es zu schätzen weiß, das ist toll. Was auch wichtig war: Ich bin mit Leib und Seele Landwirt. Da haben wir einiges umgestellt. Ich ziehe jetzt wieder Jungvieh auf. Meine große Leidenschaft sind die Pferde. Wichtig ist aber auch die Selbstversorgung. Auf dem Hof hat man sehr viele Möglichkeiten, durch einen super Garten oder eigene Kartoffeln. Am Anfang der Einschränkungen haben viele Panikkäufe getätigt, und gedacht sie bekommen irgendwas nicht mehr. Da haben wir die Möglichkeit, uns mit bestimmten Sachen selbst zu versorgen.

Das Konzert der Kastelruther Spatzen in der Europahalle Trier wurde aufgrund der Corona-Pandemie verschoben. Neuer Termin ist der 29. Oktober 2021. Tickets gibt es ab 49 Euro bei Ticket Regional.