Interview mit Ralf Schmitz: „Einige Tage in der Eifel sind wie zwei Wochen Urlaub woanders“

TV-Interview : Comedian Ralf Schmitz: „Ein paar Tage Eifel sind wie zwei Wochen Urlaub“

Comedian Ralf Schmitz erklärt, warum er die Eifel wunderschön findet und wie man Schlagfertigkeit lernen kann.

(ct) Er ist einer der gefragtesten Comedians Deutschlands – und sicherlich einer der spontansten. Ralf Schmitz kommt am 15. November mit seinem Programm „Schmitzeljagd“ nach Trier. Im TV-Interview spricht der mehrmalige Gewinner des Deutschen Comedypreises unter anderem über die Wichtigkeit von Humor in einer Beziehung, versehentlich geschossene Fotos seiner Mutter und darüber, warum er Guildo Horn bewundert.

In ihrem Programm ist jeder Abend anders. Warum?

RALF SCHMITZ Weil über die Hälfte der Show improvisiert ist. Der Zuschauer sagt mir drei Gefühle und ich muss damit eine Szene spielen. Oder eine andere Improvisation ist, dass ich aus den Geräuschen, die die Zuschauer machen, eine Szene stricke und diese immer wieder spiele. Das heißt: Während die Szene läuft, dürfen die Zuschauer mich mit Geräuschen unterstützen oder durch die Gegend schicken. Oder die Zuschauer schreiben in der Pause Begriffe auf einen Zettel, aus denen ich dann danach wieder eine Szene stricke. Es gibt verschiedene Anforderungen an mich – dadurch wird jeder Abend anders und ich werde immer wieder gefordert.

Hilft Ihnen das, die Lust und Spannung am Beruf aufrechtzuerhalten, wenn es immer wieder anders ist?

SCHMITZ Absolut! Ich kann keinen Dienst nach Vorschrift machen. Jeden Abend muss ich mir was Neues ausdenken. Das ist natürlich anstrengender, aber durch die Improvisation vermeide ich, in eine Routine zu verfallen. Und ich hoffe, dass man das merkt.

Testen wir das doch mal. Ich rufe Ihnen im Laufe des Interviews immer mal wieder Begriffe zu und Sie sagen das Erste, was Ihnen dazu einfällt. Erster Begriff: Trier.

SCHMITZ Porta Nigra fällt mir ein. Eine wunderschöne Stadt, nette Menschen. Und ich bin mit den Inline-Skates mal durch die Stadt gesaust (lacht), die habe ich nämlich oft im Kofferraum.

Wie viel Talent steckt hinter einer Improvisation und wie viel Training?

SCHMITZ Es ist die Frage danach, ob einem das einfach liegt. Improvisation funktioniert nur in der Abwesenheit von Angst. Im Rahmen des Improvisations-Teils gehe ich auf die Bühne, habe gar nix und muss mich darauf verlassen, dass mir zu dem, was die Zuschauer rufen, etwas einfällt. Wenn ich da immer wieder Angst habe, dass mir nichts einfällt, dann fällt einem auch nichts ein. Wenn ich die Angst immer loswerden kann und wenn der Spaß im Vordergrund steht, dann funktioniert es eigentlich auch immer. Das kann man, glaube ich, nicht lernen – das liegt einem, oder eben nicht. Was man dann sagt, das hängt natürlich mit der eigenen Fantasie zusammen. Aber das Wichtigste ist, dass man nicht in Panik verfällt.

Improvisation kann man auch mit Schlagfertigkeit im Privaten in Zusammenhang bringen. Glauben Sie, dass man das im Alltag trainieren kann?

SCHMITZ Im privaten Bereich ist es ja oftmals so, dass Menschen sagen: „Hinterher fiel mir der richtige Satz ein“..

…oder die Argumente, die einem hinterher in der Dusche einfallen?

SCHMITZ Genau! Nach dem Motto: „Das hätte ich ihm an den Kopf knallen müssen“. Das ist natürlich nicht schlimm, wenn man es nicht gemacht hat. Aber es hilft auch nicht, wenn man spontaner werden will. Der Grund, warum man in dem Moment sprachlos ist, ist dieses „Wie kann er nur?!“ Und das hält nur auf und hindert daran zurückzuschießen. Daran kann man arbeiten und lernen, in einer solchen Situation cool zu bleiben. Man kann sich auch auf ein paar generelle Dinge vorbereiten, die aber nicht immer passen – was im Zweifel aber egal ist, weil man sich sowieso streitet (lacht). Und das haut man dann einfach raus.

Und wenn das dann klappt, bekommt man Selbstvertrauen?

SCHMITZ Genau. Dadurch verliert man wieder die Angst, weil es beim letzten Mal geklappt hat.

In der Show „Take Me Out” begleiten Sie ein Speed-Dating zwischen vielen Menschen. Aus Ihrer Erfahrung aus der Serie und vielen verschiedenen Kandidaten: Wie wichtig ist Humor in einer solchen Situation?

SCHMITZ Wahnsinnig wichtig. Frauen sagen das auch gerne, und ich glaube nicht, dass das eine Floskel ist. Humor bedeutet, über sich und über andere zu lachen und manche Dinge auch nicht zu ernst zu nehmen. Das zeugt von einem angenehmen Miteinander. Wenn Sie einen Stinkstiefel haben, der über nichts lachen kann, dann ist das schwierig, weil er Dinge ernst nimmt, die nicht ernst zu nehmen sind. Humor erlaubt, Probleme auch schnell aufzulösen. Ich kann nur empfehlen, sich einen Menschen zu suchen, der Humor hat.

Glauben Sie, dass Comedians privat mehr lachen als andere?

SCHMITZ Das kommt auf die Person an. Man sagt einigen nach, dass sie privat eher zurückgezogen und ruhig sind. Und dann gibt es einige, die privat genau so viel lachen wie auf der Bühne.

Zu welcher Gruppe zählen Sie sich?

SCHMITZ Das müssen andere beurteilen. Aber ich verstelle mich auf der Bühne nicht. Natürlich ist das Privatleben komplexer als auf der Bühne. Ich erzähle natürlich keinen Witz, wenn wir einen Trauerfall haben und ich auf dem Friedhof stehe. Ich sitze auch mal zu Hause und lese ganz ruhig ein Buch. Ich bin auch privat humorvoll – aber nicht 24/7.

Wenn man sich eine Runde mit Ihnen und beispielsweise den Kollegen aus der „Schillerstraße“ vorstellt. Da denkt man, da würde sicher dauerhaft gelacht. Stimmt das?

SCHMITZ Ja! Natürlich gibt es auch da – also jetzt nicht in der Schillerstraße, aber woanders – Kollegen, die das nicht wollen. Also man liegt sich da nicht dauernd laut grölend in den Armen. Das ist schon ein Geschenk, wenn man Kollegen gefunden hat, die ähnlich drauf sind.

Ich rufe Ihnen noch einen Begriff zu: Guildo Horn.

SCHMITZ Guildo hat euch lieb – ein großartiger Song! Ein großartiger Mann, der sich natürlich sehr für Menschen mit Handicap und diejenigen einsetzt, denen es nicht so gut geht, die nicht so im Fokus sind und die von der Gesellschaft gerne vergessen werden. Leider bin ich ihm nie begegnet – aber was nicht ist…

Thema Instagram: Aber nicht Ihr eigener Account, aber der Ihrer Katze. Betreibt sie den selbst?

SCHMITZ (lacht) Selbstverständlich. Meine Katze Hildegard hat ihren eigenen Account und sitzt jeden Tag an ihrem kleinen Katzenhandy. Und da muss ich abends auch sagen: „So, du machst jetzt das Ding aus und gehst in dein Körbchen“. Und sie sagt auch immer: „Guck mir nicht rein, ich will mein eigenes Ding machen.“

Wie kommt’s dazu, dass die Katze einen eigenen Account hat. Auch in Bezug auf ihre letzte Katze, die ja sehr alt wurde.

SCHMITZ Erst mal bin ich ein riesiger Katzenfreund. Meine letzte Katze ist ja 27 Jahre alt geworden. Jetzt die Hildegard ist aber auch ein Knaller, vielleicht noch lustiger. Die Fans haben mich darum gebeten und gefragt, was denn mit meiner Katze ist. Und um die dann auf dem Laufenden zu halten, habe ich ihr einen Account angelegt. Und jetzt pflegt Hildegard ihren eigenen Account vielleicht nicht so regelmäßig, wie sie es vorhatte, aber sie arbeitet daran.

Hildegard ist genauso Teil der Show wie Ihre Mutter. Wie nimmt die das auf?

SCHMITZ Meine Mutter findet das super. Ich spreche das auch alles mit ihr ab. Sie kann alles rausnehmen, wenn sie will. Ich packe zwar nichts tief Privates aus, aber dennoch geht es ja um sie. Aber bislang gab es nicht ein Wort, das sie rausnehmen wollte, weil sie sagt: „Die Dinge stimmen ja“. Meine Mutter ist die beste Mutter der Welt und hat die wunderbare Fähigkeit, auch über sich selbst zu lachen. Es ist ja wie gesagt nichts Intimes. Im Moment erzähle ich darüber, dass sie mit ihrem Smartphone immer aus Versehen Fotos macht ohne es zu merken, die ich auch dabeihabe. Und die sind einfach brüllend komisch.

Ein letzter Begriff zum Abschluss: Eifel.

SCHMITZ Eine wunderschöne Gegend. Ich habe mein Programm mal in Daun geprobt. Es gibt ja den einen oder anderen Scherz über die Eifel oder ihre Bewohner – ich habe wunderschöne Erfahrungen dort gemacht. Es ist wie ein Zwei-Wochen-Urlaub, wenn man dort ein paar Tage ist. Es entschleunigt, das Essen ist fantastisch, die Leute sind nett. Ich war lange nicht da, ich glaube ich setze mich gleich ins Auto (lacht)..

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