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Interview: Teneka Beckers verlässt Tufa Trier - Wie es dort weitergeht

Interview : So ein Schatz – die Tufa! - Teneka Beckers verlässt Trier - Wie sich das auf die Tuchfabrik auswirkt

14 Jahre lang war sie die Geschäftsführerin der Tufa in Trier. Bald verlässt Teneka Beckers Trier. Auf sie wartet der Kultursommer Rheinland-Pfalz in Mainz. Warum sie nun doch einige Wochen länger in Trier bleibt und was sich bei der Tufa verändern wird, erzählt sie im Interview.

Bevor Teneka Beckers vor 14 Jahren die Geschäftsführung der Trierer Tufa übernahm, hatte sie mit ihrer Familie eine Burg in der Eifel bezogen und dort mit Kulturveranstaltungen begonnen. Wenn sie jetzt zum Kultursommer Rheinland-Pfalz nach Mainz wechselt, wird sie Dudeldorf dennoch nicht aufgeben – als Wohnsitz und als Thema. Ländliche Kultur sei „ein Riesenthema“, sagt die 52-Jährige. Im Interview mit TV-Redakteurin Anne Heucher spricht sie über die Vorzüge des Modells Tufa, Zwänge der Kulturförderung und warum sie nun doch noch ein paar Wochen länger bleibt als geplant.

Frau Beckers, haben Sie schon eine Wohnung in Mainz?

BECKERS Mein Mann hat eine Wohnung. Er ist Lichtdesigner und seit letztem Jahr am Staatstheater in Mainz Beleuchtungschef. Da docke ich erstmal an, kann aber auch von zu Hause aus arbeiten.

Zu Hause – Dudeldorf in der Eifel?

BECKERS Ja, Dudeldorf ist unser Wohnsitz und bleibt es auch.

Ihre neue Aufgabe ist es, das Programm des Kultursommers vorzubereiten, zu begleiten, zu fördern?

BECKERS Genau. Der Kultursommer ist angedockt an die Stiftung Rheinland-Pfalz, er ist eine Abteilung innerhalb der Stiftung. Ich bin dann die Abteilungsleiterin.

Kürzlich hieß es noch, Sie wechseln zum neuen Jahr. Nun bleiben Sie noch ein paar Wochen. Ist Ihre Verlängerung in Trier coronabedingt?

BECKERS Nein, das hat mit dieser Stellenbesetzung zu tun, dass es länger dauert. Ich wollte noch einen ordentlichen Übergang für einen Nachfolger machen

Ihre Stelle ist nur für ein Jahr ausgeschrieben. Also eine Übergangslösung?

BECKERS Eigentlich soll das längerfristig sein. Nur gibt’s erstmal die Lösung, dass nur für ein Jahr besetzt werden darf, und bis dahin muss dann eine Gesamtlösung gefunden werden für die Tufa.

Steht also auch die Struktur infrage?

BECKERS Die Struktur muss hinterfragt werden.

Das vielgepriesene Modell in Trier: Die Mitarbeiter sind Angestellte der Stadt, und die Mitgliedsvereine bestimmen das Programm, das war doch die Idee?

BECKERS Jein. Das Modell ist: Das Gebäude gehört der Stadt, Betreiber des Hauses ist ein Verein, der Dachverband Tufa e.V., der wiederum als Mitglieder die Vereine hat, die hier das Programm bestimmen, und der Dachverband ergänzt mit eigenem Programm und mit Projekten. Die Stadt stellt das für den Betrieb notwendige Personal

Wie viele sind das noch?

BECKERS Fünfeinviertel Stellen mit mir. Einige sind ja schon gewandert, also nun beim Verein angestellt. Und jetzt ist die Frage, wie geht’s mit dem Büro weiter. Aber das ist alles in der Klärung. Es ist tatsächlich ein Vorzeigemodell, wobei es wenige gibt, die das nachmachen, weil das keiner hingekriegt hat. Es ist super, das zeigt sich auch in Coronazeiten: Wenn man eine Krise hat, sind wir stabil.

Liegt das daran, dass das Haus auf so vielen Schultern von Freien steht, die sich verantwortlich fühlen?

BECKERS  Das ist das eine. Es ist die Mischung aus zivilgesellschaftlichen und kommunalem Engagement. Das andere ist, dass Gebäude und Grundpersonal finanziert sind. Wir müssen nicht unsere Stellen durch Einnahmen finanzieren oder durch Fördergelder. Und damit brechen wir nicht sofort zusammen, wie wenn wir ein freier Träger wären oder ausschließlich Verein.

Wie nehmen Sie hier Abschied?

BECKERS Schon sehr traurig. Ich hoffe natürlich, dass wir ein schönes Abschiedsfest machen können. Ich sehe es aber nicht als endgültigen Abschied an, weil ich ja mit dem Kultursommer sowohl der Tufa als auch der Stadt Trier verbunden bleibe und auch die Kontakte sich halten. Aber es wird mir auch schwerfallen. 14 Jahre ist eine lange Zeit – es ist viel passiert. Die TUFA  ist in normalen Zeiten ein sehr lebendiges Haus.

Was sind denn die größten Errungenschaften oder Highlights dieser Zeit?

BECKERS Was noch nicht sichtbar ist, aber wohl demnächst kommt, ist der Anbau. Darauf haben sehr viele Menschen sehr lange hingearbeitet, auch schon vor meiner Zeit. Jetzt ist das gelungen. Das ist sehr wichtig für die Tufa, damit sie sich weiter entwickeln kann. Dann hänge ich sehr an unserem Tufa-Musical, das gibt’s, seitdem ich hier bin. Das war jedes Jahr eine tolle Geschichte, an der alle Spaß haben und was auch sehr beliebt ist beim Publikum. Ganz besonders wichtig sind mir immer die Projekte. Und der ganze Bereich der kulturellen Bildung ist neu entstanden ist, ebenso Tufatopolis. Wir haben die Arbeit im Kinder- und Jugendbereich sehr verstärkt, das Festival Sommerheckmeck ist ja mit mir zur TUFA gewandert.

Gibt’s auch Baustellen, die Sie jetzt nicht mehr beackern konnten?

BECKERS Bei einem Haus wie der Tufa gibt’s natürlich ständig Baustellen. Meine Nachfolge – wäre schön, wenn die jetzt schon da wäre. Es gibt jetzt die Thematik der Umstrukturierung. Das ist eine große Baustelle, die angegangen werden muss, auch von Seiten der Politik.

Was ist denn damit genau gemeint?

BECKERS Es geht darum, dass wir uns im Bereich der freiwilligen Ausgaben bewegen und dass die ADD der Meinung ist, dass eine verschuldete Stadt nicht einem Verein Personal zur Verfügung stellen darf. Das heißt, da muss eine andere Form gefunden werden. Wir haben aber einen ehrenamtlichen Vorstand, und irgendwann stellt sich natürlich die Frage: Wer ist noch bereit, die Verantwortung zu übernehmen, wenn da auch noch viel Personal dran hängt. Dann ist diese Vereinsstruktur zu hinterfragen.

Wie kann denn so etwas angegangen werden?

BECKERS Das muss vor allem juristisch sauber sein. Dann muss man überlegen, was könnte es für Modelle geben? Gibt es die Möglichkeit doch, dass alles städtisch wird, dann ist die Stadt hier der Herr, dann wird eine Art Intendanz eingesetzt. Oder es geht alles zum Verein, und dann gibt die Stadt einen Zuschuss. Oder man findet eine Mischlösung …..

Hat sich das Modell Tufa denn inhaltlich bewährt?

BECKERS Ich finde, dass es sich sehr bewährt hat – wir haben ja auch einen Kulturauftrag. Alles, was nicht Stadttheater ist oder Museum, landet letztendlich bei uns. Es ist natürlich eigentlich zu viel, was bei der TUFA  landet. Es sind über die Jahre immer mehr Vereine geworden, im Moment sind es 32 Mitgliedsvereine, die unterschiedlich aktiv sind.

Zahlen die Mitgliedsbeiträge?

BECKERS Ja, die zahlen 180 Euro im Jahr. Dafür können sie die Räume kostenfrei nutzen. Mit Ausnahme der Nebenkosten – die gehen an die Stadt. Die Mitgliederversammlung entscheidet darüber, wer aufgenommen wird und wer nicht. Wir sind da für alle Vereine, für die, die laienmäßig aus Spaß was machen möchten, für die semiprofessionellen, aber auch für die freie Szene. Also die, die professionell frei arbeiten. Und das ist sicherlich eine Schwierigkeit. Natürlich ist es einerseits toll, dass hier so vieles zusammenkommt und es so eine Riesen-Kultur- Spielwiese gibt, aber es ist eben auch schwierig, weil es doch viele sehr unterschiedliche Bedürfnisse gibt.

Wenn Sie jetzt mal auf Rheinland-Pfalz blicken, wo sehen Sie da den größten Handlungsbedarf?

BECKERS Ein Riesenthema ist im Moment die ländliche Kultur. Und da ist Rheinland-Pfalz quasi prädestiniert, sich damit zu beschäftigen. Das finde ich ein super spannendes Thema, das hat mich schon immer beschäftigt. Ich bin ja nicht umsonst nach Dudeldorf gezogen und hab dort angefangen, Veranstaltungen zu machen, ich denke, da ist ganz viel Bedarf. Die klassischen Strukturen mit den Musikvereinen oder Karnevalsvereinen und was es so auf dem Land gibt, werden immer wackeliger. Viele sind noch nicht so aufgestellt, dass vielleicht auch etwas Anderes passieren kann oder dass sich das auch vermischt mit dem Neuen. Es gibt es auch viel Bewegung in der Bevölkerung. Bei mir im Dorf gibt’s viele Zuzüge. Außerdem finde ich das Thema Kinder und Jugendliche sehr wichtig, man sieht ja auch gerade jetzt in der  Corona-Zeit, wie sie gelitten haben und noch leiden, weil einfach so viel weggebrochen ist. In dem Alter gibt es eben auch sehr viel, was man nicht nachholen kann. Und dann interessiert mich immer schon das Experiment.

Wenn man sich beim Stadt-Land-Thema die Region Trier anschaut, dann fällt auf, dass auch Festivals, die große Kulturbringer sind, aus Einzelinitiativen hervorgegangen sind, jenseits der Institutionen. Ohne die Einzelinitiativen würde auf dem Land gar nicht viel laufen.

BECKERS Es braucht schon immer Köpfe, die Ideen haben und das Know-how und die Dinge in die Hand nehmen. Aber natürlich kann man das befördern, durch Programme, die das unterstützen.

So was kann sich ein Ministerium oder ein Kultursommer nicht ausdenken.

BECKERS Nein, der kann nur Impulse geben oder Leute anstiften. Natürlich kann man schon Leute auf Ideen bringen. Der Kultursommer hat jetzt auch ein Programm aufgelegt, um mehr junge Leute zu erreichen. Das ist immer die Kunst, wie man junge Menschen dazu kriegt, einen Antrag zu stellen, ein Projekt zu machen.

Wie denn?

BECKERS Weiß ich auch noch nicht ganz genau. Ich war lange im Kuratorium vom Fonds Soziokultur, dem Bundesfonds, da gabs auch das Förderprogramm für junge Leute, die mussten kein sehr ausgefeiltes Konzept haben. Man muss ins Land gehen und über solche Möglichkeiten berichten. Man braucht Scouts, die rausgehen und in ihren Communities das verbreiten. Man muss junge Leute miteinbeziehen. Ich kann für Kinder und Jugendliche was organisieren als Veranstaltung, aber ich kann nicht deren Kultur machen, das müssen sie selber tun. Wir hatten zum Beispiel mal eine FSJlerin, die hat eine Manga-Ausstellung organisiert mit einem Veranstaltungsabend, und wir waren total überrascht, wer da alles kam.
Als wir damals nach Dudeldorf in die Eifel gezogen sind, habe ich erstmals einen Antrag beim Kultursommer gestellt, ich kannte es vorher von Berlin und Köln dass man Absagen bekommt, wenn man als Unbekannter Anträge stellt. Und ich bekam die Zusage! Da war die Aussage, wir freuen uns, wenn wie in der Eifel, von wo in der Regel wenig kommt, eine neue Initiative entsteht. So denkt der Kultursommer immer, dass Neues möglichst unterstützt wird, um zu gucken, was draus wird.

Wenn man die Projekte wegdenkt, ist Kultur auf dem Land ja häufig Karnevalsverein oder Musikverein. Das ist aber nicht die Kultur, die gefördert wird.

BECKERS Wenn ein Musikverein ein Projekt macht im Dorf, so etwas wie „Dorf macht Oper“ zum Beispiel, dann könnte er natürlich dafür eine Förderung kriegen. Für die „normale Arbeit“ ist es immer sehr schwierig. Aber die Vereine sind für die ländliche Struktur natürlich total wichtig. Gerade für Kinder und Jugendliche. Die Vereine kriegen auch ein bisschen Unterstützung von den Kommunen, aber sie brauchen in der Regel auch nicht so viel. Sie organisieren dann mal einen Stand beim Weihnachtsmarkt oder ein Dorffest, und da wird dann das Geld verdient, was man braucht, um z.B. Noten zu kaufen oder Instrumente. Das fände ich auch spannend, wenn man die Aktivitäten ein bisschen mehr miteinander verquickt.

Sie wollen auch Experimentellem Raum geben. Was könnte das sein?

BECKERS Zum Bespiel eine spezielle Reihe, bei der das Experiment gefördert wird. Alles, was neu ist, was es noch nie gab. Impulse sollte der Kultursommer schon setzen, macht er ja auch.

Ein Wort zum Schluss?

BECKERS Ich hoffe, dass man sich bewusst ist, was man hier für einen Schatz hat mit der Tufa. Ich glaube schon, dass das auch der Politik und auch der Bevölkerung bewusst ist, aber manchmal muss man‘s trotzdem nochmal betonen. Ich hoffe auch, dass das mit dem Anbau super funktioniert, dass Corona überstanden wird und dass dann auch die wunderbaren Mitarbeiter weiter bei der TUFA bleiben und das Haus weiter gestalten können. Ich hoffe natürlich, dass ich das weiter begleiten kann, dann aus Mainz.