Intime Unterhaltung

Wittlich . (gkl) Über zweieinhalb Stunden dauerte das Kammerkonzert des Musikkreises Wittlich. Eine Belastungsprobe für Musiker und Publikum. Am Ende standen Bravorufe und eine Zugabe.

Es war hart an der Grenze zum "Zuviel", was den Besuchern in der Wittlicher Synagoge beim letzten Kammerkonzert geboten wurde. Schon die Programmfolge nach der Pause hätte für ein ganzes Konzert gereicht, da hatten die Zuhörer aber schon den ersten Teil hinter sich. Das trotzdem nach dem letzten Ton jubelnder Applaus aufbrandete und sich das Publikum noch eine Zugabe erklatschte, lag an den außergewöhnlich guten Musikern. Swetlana Travnikowa zählt noch zu den jungen Pianistinnen, deren Name noch nicht auf allen großen Konzertplakaten prangt. Hier hat der Wittlicher Musikkreis wieder einmal den richtigen Riecher bewiesen, ein großes Talent einzuladen. Die Art, wie Travnikowa drei Préludes (gis-moll aus Opus 32, g-moll aus Opus 23 und cis-moll aus Opus 3) sowie die Etude tableaux in d-moll, Opus 39,von Sergej Rachmaninow interpretierte, ist mit dem Ausdruck "beeindruckend" nicht hinreichend gewürdigt. Pianistin und Flügel wurden eins, verschmolzen zu Musik, vermittelten den Eindruck, dass die Werke im Moment entstünden. Travnikowa gewährte einen Blick in ihre Musikerseele. Nicht anders war es bei Ludwig van Beethovens Sonate A-Dur, Opus 69, und Rachmaninows Sonate g-moll, Opus 19, beide für Violoncello und Klavier. Auch Travnikowas musikalischer Partner Michail Burovik stellte das gestalterische Moment in den Vordergrund, ließ eigentlich Altbekanntes neu entstehen. Es war die teilweise sehr intime Unterhaltung zweier verwandter Geister, die das Publikum miterlebte. Dass die zu bewältigende Technik keine Hürde darstellte, versteht sich fast von selbst.Schwere Kost im zweiten Teil

Etwas schwere Kost bei diesem opulenten Mal waren die Werke von Bernd Alois Zimmermann (Enchiridion, Vier kurze Studien für Cello und Intercomunicazione). Ebenso meisterhaft gespielt wie die anderen Kompositionen, zeichnen sie sich nicht durch leichte Eingängigkeit aus und eine ausführliche Erläuterung zu den Gedanken des Komponisten wäre hilfreich gewesen. Trotzdem kann man dem Musikkreis hier nur Anerkennung dafür zollen, dass er immer wieder auch der modernen Musik Raum schenkt und nicht nur in eingefahrenen Gleisen bleibt, die den Publikumserfolg garantieren.