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Irgendwo in Deutschland

Irgendwo in Deutschland

Rund 160 jubelnde Fans feierten den Rockmusiker Wolf Maahn in der Trierer Tuchfabrik. Auch nach 25 Jahren bewies er, dass seine Songs immer noch rocken.

Trier. Manche Musikkritiker stilisierten ihn schon zur Antithese eines Rockstars. Wolf Maahn, der vor 25 Jahren mit seiner Band "Die Deserteure" die Hallen füllte, überzeugte stets mit durchdachten Songs und Liedtexten, die die schmale Gratwanderung zwischen Belanglosigkeit und übermäßiger Intellektualiät meisterten. Es sind gerade seine poetischen Songs, die begeistern. Maahn gelingt es, dem Alltag mit seinen Liedern Bedeutung zu verleihen.

Er beschreibt Lebensmomente, wie sie viele schon erlebt haben. Er singt von einem Morgen, an dem die Freundin das Haus verlassen hat, noch ein Kaffee-Rest in ihrer Tasse an sie erinnert; er singt aber auch Zeilen wie: "Die Natur ist Jungfrau - für den Four-Wheel-Drive". Damit war er seiner Zeit weit voraus, wenn auch manchmal zu leise und zu tiefgründig. In den 80er Jahren, als die Jugend gegen den Nato-Doppelbeschluss protestiert, waren die Rockbands lauter. Die Kölner Gruppe Bap skandierte gesellschaftskritisch "Plant mich bloß nicht bei euch ein".

Nun ist die Zeit reif für Maahn. Das beweist er in der Trierer Tuchfabrik vor rund 160 Fans. Auf seiner Solotour lässt er 25 Jahre "Maahn" Revue passieren. Er singt aktuelle Songs, aber auch Lieder wie "Rosen im Asphalt" (vom Album "Irgendwo in Deutschland"), "Fieber" oder "Karussell" - und gerade diese sind es, die das Publikum zum Mitklatschen, Mitsingen bringen. Selten ist ein so "kurzer Draht" zwischen Publikum und Künstler zu spüren wie an diesem Abend. "Ich vergesse fast, dass ich ein Konzert mache, ihr seid ja richtig Familie," sagt Maahn, der an diesem Abend bis an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit geht. Seine Gitarren-Soli sind Hochleistungssport, Maahn lebt seine Musik. Der gebürtige Berliner und Wahl-Düsseldorfer überzeugt mit einer One-Man-Show, wie man sie selten zu sehen bekommt. Dafür gab es hochverdienten Applaus. Es ist Zeit, die Maahn-Alben wieder herauszuholen und anzuhören. Sie passen in die heutige Zeit, besser denn je.