Ironie und Poesie

Hohes Niveau bei "Sing a Song": Zwei politische Satiriker und ein lyrisches Duo gewinnen den letzten Vorentscheid in Trier.

Trier Liebe, schöne heile Welt, Herzschmerz: So klingt Schlager - die Themen für Liedermacher jedoch sind andere. Die kritisieren, hinterfragen, legen den Finger in die Wunde und dürfen politisch, ja auch makaber sein. Das Trierer Duo Hennich & Hanschel alias Henning Walker und Hannes Brogmus beherrscht diese feine Ironie. Da driften eigentlich lustige Songs wie "Oliba", neudeutsch für Oberlippenbart, rasch ins Politische ab. Absolut sarkastisch: "KWI", ihr "Lobgesang" auf die Kinderwaffenindustrie.
"Das sind Texte, die nicht jeder hören will", kommentiert Sandy Wolfrum (Bayreuth) die drei Songs des Duos beim dritten Vorentscheid zum Liedermacherwettbewerb "Sing a Song" der Dieter-Lintz-Stiftung im Trierer Club Toni. Wolfrum moderiert das Casting, singt auch einige seiner Lieder, während die Jury um die Entscheidung ringt, welche der fünf Duos sie ins Finale (13. Mai, 20 Uhr, Front of House) schickt. "Wir haben diskutiert, ob der kabarettistische Ansatz zu uns passt", sagt Jurymitglied Wolfgang Maes. "Und wir haben uns dafür entschieden."
Sehr einig sei die Jury beim zweiten Gewinner des Abends gewesen: "Wir hatten uns schnell darauf geeinigt, dass Rhino musikalisch am interessantesten ist", sagt Maes. "Sie sind überraschend gut", so das Urteil der Jury, der die poetischen Texte im Zusammenspiel mit Elektro- (Michael Haas) und akustischer Gitarre (Lucas Alt, beide Trier) gut gefallen haben. "Das war sehr stimmig." Nicht nur die virtuose Gitarrenbegleitung gefällt den rund 70 Zuhörern, auch Alts angenehm raue Stimme, die hervorragend zu den ernsthaften poetischen Texten über Begegnungen und über das Leben in der Stadt passt.
Über seine Stadt singt das Duo Austrier aus Trier - ein musikalischer Gang von der Mosel bis zum Dom. Georg Kersch (Gesang, Gitarre) und Michael Bingas (Piano) überzeugen mit eingängigen Melodien, dazu durchaus kritische Texte über Musikkonsum, Freundschaft und atomare Bedrohung. Ruhiger lassen es Perlenregen aus Saarbrücken angehen. Martina Gunnison - die einzige Frau in dieser Runde - singt Songs, direkt aus dem Leben, vom frisch verliebten Teenager und dem verstorbenen Vater, begleitet von Gitarrist Thomas Lapp.
Publikumsliebling ist Smehl aus Trier. Vor allem die trockene Selbstironie der Texte von Sebastian Schubmehl (Gesang, Gitarre) und Philipp Cläsgens (Cajón) gefällt, aber auch die unkomplizierte frische Musik, irgendwo zwischen Pop, Punk und Rap.
Die Entscheidung gegen sie und für Hennich & Hanschel sei knapp gefallen, sagt Maes.
Die stehen nun mit Rhino sowie den fünf Gewinnern der beiden ersten Vorentscheide am Samstag, 13. Mai, um 20 Uhr im Front of House der Arena Trier im Finale. Der Eintritt ist frei.