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„Isabel“: Wie in Trier ein Musical heranwächst

Musik : „Isabel“ findet immer mehr Freunde

Mitten in der heißen Phase der Finanzierung wirft der Volksfreund einen Blick hinter die Kulissen eines Musical-Großprojekts, das derzeit im Schatten der Coronakrise wächst.

Wenn alles gut geht, dann werden Hunderte junge Zuschauer im Februar 2022 in der Trierer Europahalle völlig in dieses Musical versinken, weinen, lachen und sich womöglich selbst in den Figuren auf der Bühne wiederfinden – ohne sich auch nur eine Sekunde lang darüber den Kopf zu zerbrechen, wie viele Jahre Arbeit, Herzblut und Sorgen in dem Projekt stecken.

Schon seit vier Jahren arbeiten die Trierer Pianistin Ekaterina Dokshina und die Songwriterin Maria Vicente, alias Masha an dem Musical „Isabel“.

Ist ja auch viel Arbeit, die Texte zu schreiben und Songs zu komponieren, könnte man denken. Dabei ist all das längst geschehen. Das, was den Musical-Macherinnen derzeit am meisten Kopfzerbrechen und täglich mehrere Stunden Arbeit bereitet, ist etwas ganz, ganz anderes ... Doch dazu später mehr.

Die Geschichte, die das Musical erzählt, ist eine wahre, gegriffen aus dem Leben der Autorin Ekaterina Dokshina: Die 16-jährige Cellistin Isabel träumt davon, eine große Musikerin zu werden. Doch dann stirbt ihr Vater, sie entscheidet sich für die falschen Freunde, verliebt sich und leidet (wie so viele Jugendliche) unter mangelndem Selbstwertgefühl. Ob sie es schafft, wieder aufzustehen und ihren Weg zu finden, ohne dass ganz schlimme Dinge geschehen?

Na klar! Denn auch einen Produzenten haben die beiden längst gefunden. Und der bringt gerne Happy Ends auf die Bühne: Musikalischer Direktor ist Thomas Schwab, überregional bekannt für seine Shows und Kompositionen wie „Yakari“, „Wickie – das Musical“ oder „Christmas Moments“. Auch einen Regisseur (Marco Krämer-Eis, geboren 1992 in Gerolstein) und eine Choreografin gibt es bereits: die in Luxemburg geborene Sylvia Camarda, die beim Cirque du Soleil getanzt hat und seit 2016 ihre eigene Tanzsendung „Move!“ auf Arte präsentiert.

Nach den Sommerferien 2021 soll – wenn Corona dies zulässt – die Arbeit mit den Jugendlichen beginnen. Bereits verabredet wurde eine Kooperation mit zwei Trierer Schulen (Medard-Schule und Kurfürst-Balduin-Realschule plus), sowie dem Chor über Brücken. Dessen Gründerin Julia Reidenbach betreut auch den neuen Musicalchor. „Ich bin ganz glücklich darüber, bei diesem Projekt den Chor leiten zu dürfen.“ Ein großer Schwerpunkt dabei liege darin, Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien in das Musical zu integrieren und so an kulturelle Bildung heran zu führen, schreibt sie auf Facebook.

Selbst  ein Träger-Verein ist gegründet (Freunde der Kulturförderung), Flyer und Visitenkarten sind gedruckt, eine Homepage (isabel-musical.de) ist online, ein erster Musik-Clip ist im Kasten (gedreht von „Freck Langsam“-Regisseur Michael Schu) und wird auf YouTube fleißig geklickt und sogar einen Talentwettbewerb für jugendliche Sänger hat es schon gegeben. Ja, was bleibt denn da noch viel zu tun, außer die Rollen mit Profi- und Laienschauspielern zu besetzen, Kostüme und Bühnenbild zu entwerfen und mit den Proben anzufangen?

Genug! Das, was den Musical-Macherinnen Kopfzerbrechen und täglich mehrere Stunden Arbeit bereitet, ist die Finanzierung des gemeinnützigen Großprojekts. Rund 100 000 Euro sind nötig für Hallenmiete, Sound, Licht, Kostüme, Bühnenbild oder die Profi-Schauspieler. Und so viel Geld mitten in der Corona-Krise aufzutreiben, ist gar nicht einfach.

„Ich stehe morgens auf und die Summe ist wie ein Hammer auf den Kopf“, sagt Maria Vicente, die das Musicalprojekt ehrenamtlich neben ihrer Arbeit bei einem luxemburgischen Satelliten-Unternehmen stemmt. Man müsse schon irgendwie verrückt sein, um auf die Idee zu kommen und den Mut zu haben, so etwas durchzuziehen. Knapp die Hälfte des Geldes sei über öffentliche Fördermittel und Sponsoren nun gesichert. Ein weiterer Teil soll über Crowd-Funding hereinkommen (siehe Info).

Thomas Schwab ruft alle, die Kultur, Musical, Musik und Konzerte lieben, auf, „dieses wunderbare Projekt zu unterstützen“. Als Produzent wisse er, „wie unglaublich schwierig es ist, ein Musical zum Leben zu erwecken. Von der ersten Idee bis zur Premiere ist es oftmals ein steiniger und langer Weg“.

Ein Weg, den Ekaterina Dokshina und Maria Vicente nun schon seit Jahren gehen. Das Ziel fest vor Augen. Ähnlich wie Isabel. Überzeugt, es am Ende zu schaffen.

Weitere Infos unter isabel-musical.de

Wer das gemeinnützige Projekt finanziell unterstützen möchte, kann dies mit ein paar Klicks unter www.volksbank-trier.viele-schaffen-mehr.de/isabel-musical