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Ist das Leben nicht toll?

Ist das Leben nicht toll?

Ain't Life great? Das stand auf der Postkarte, die Eels-Chef Mark Oliver Everett am 12. September 2001 aus dem Briefkasten fischte. Sie kam von seiner Cousine. Als er die Zeilen las, war sie bereits tot.

Sie war Flugbegleiterin in der Maschine, die ins Pentagon stürzte. Es war ein weiteres höhnisches Glucksen des Schicksals, nichts Neues im Leben von Everett - nach tragischen Todesfällen der halben Familie. Mit Eels hat der Sänger und Gitarrist Trauer und Verzweiflung in Wort und Akkorde gefasst. Selbst viele Lieder, die nach Dur und Hoffnung klingen, waren textlich Begräbnisse im Herbstregen. Aber das ist vorbei. Beim Auftritt im ausverkauften "Atelier" präsentiert sich die US-Band - alle fünf Musiker tragen Vollbart, Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen - ohne allzu große Melancholie. Auch wenn etwas Augenzwinkern dabei sein dürfte bei Coverversionen wie "Summertime" (Gershwin) oder "Summer in the City" (The Lovin' Spoonful). "Mr. E's Beautiful Blues" kommt beatlemäßig im "Twist and Shout"-Dress daher. Überraschungen gehören zum Konzept: Das im Original zuckersüße "I like Birds" wird fast punkmäßig durchgeprügelt. Das poppig schlichte "My Beloved Monster" kommt als Jazzrock rüber. Elektronik braucht's diesmal nicht. So gibt es 90 Minuten lang angenehm vertonten Spätsommer - nur warum die Band trotz bester Stimmung auf den geplanten zweiten Zugabenblock verzichtet, wird ihr Geheimnis bleiben. Andreas Feichtner jöl

kurzkritik: EELS (LUXEMBURG, DEN ATELIER)

Ist das Leben nicht toll?

Ain't Life great? Das stand auf der Postkarte, die Eels-Chef Mark Oliver Everett am 12. September 2001 aus dem Briefkasten fischte. Sie kam von seiner Cousine. Als er die Zeilen las, war sie bereits tot. Sie war Flugbegleiterin in der Maschine, die ins Pentagon stürzte. Es war ein weiteres höhnisches Glucksen des Schicksals, nichts Neues im Leben von Everett - nach tragischen Todesfällen der halben Familie. Mit Eels hat der Sänger und Gitarrist Trauer und Verzweiflung in Wort und Akkorde gefasst. Selbst viele Lieder, die nach Dur und Hoffnung klingen, waren textlich Begräbnisse im Herbstregen. Aber das ist vorbei. Beim Auftritt im ausverkauften "Atelier" präsentiert sich die US-Band - alle fünf Musiker tragen Vollbart, Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen - ohne allzu große Melancholie. Auch wenn etwas Augenzwinkern dabei sein dürfte bei Coverversionen wie "Summertime" (Gershwin) oder "Summer in the City" (The Lovin' Spoonful). "Mr. E's Beautiful Blues" kommt beatlemäßig im "Twist and Shout"-Dress daher. Überraschungen gehören zum Konzept: Das im Original zuckersüße "I like Birds" wird fast punkmäßig durchgeprügelt. Das poppig schlichte "My Beloved Monster" kommt als Jazzrock rüber. Elektronik braucht's diesmal nicht. So gibt es 90 Minuten lang angenehm vertonten Spätsommer - nur warum die Band trotz bester Stimmung auf den geplanten zweiten Zugabenblock verzichtet, wird ihr Geheimnis bleiben. Andreas Feichtner jöl