"Ist doch wumpe"

Glück, Freude, Dankbarkeit und viel Musik: Die Schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann hat dem Publikum in Luxemburg gezeigt, was ihr kleines Universum ausmacht. Ein sehr persönliches Konzert hat sie damit ihren Zuhörern geboten.

Esch sur Alzette. Es kann nicht immer alles glattgehen im Leben, die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Stefanie Heinzmanns Konzert in der Rockhal startet mit einer kleinen technischen Panne, die das Publikum gar nicht mitbekommt. "Mein Stöpsel im Ohr, wo unsere Musik rauskommt, funktioniert nicht", sagt die Sängerin nach dem dritten Song.
"Ich könnte das als schlechtes Omen sehen, aber mal ehrlich: Mädchen, entspann dich, ist doch wumpe." Sie hätte diese Panne auch einfach überspielen können, wie es vielleicht andere Musiker gemacht haben, aber das wäre nicht Stefanie Heinzmann. Sie sagt, was in ihr vorgeht und das prägt auch ihre Musik. Mittlerweile hat sie vier Alben herausgebracht, seit sie vor acht Jahren von Stefan Raab entdeckt wurde. Wer sie aus dieser Zeit noch als etwas schüchternes Mädchen mit großer Brille kennt, der erlebt nun eine junge selbstbewusste Frau, die an den Herausforderungen des Lebens gewachsen ist.
Denn für die 26-Jährige war es nicht immer einfach - sie hatte zu Beginn ihrer Karriere mit Stimmbandentzündungen zu kämpfen. Um genau solche Situationen im Leben geht es auch im Titelsong "Chance of Rain" ihres aktuellen Albums: Dass man, auch wenn es Regen geben soll, rausgehen und tanzen kann, denn aus jedem Tief kann man etwas lernen. Stefanie Heinzmanns Musik ist sehr persönlich: Ihre Erfahrungen verarbeitet die Schweizerin in ihren Songs. So auch bei der Ballade "Little Universe", die sie für ihre beste Freundin geschrieben hat: "Ich war auf einem Treffen mit Songwritern in Nashville und da hab ich mich sehr klein gefühlt", erzählt sie dem Publikum in der Rockhal. Für sie sei es wichtig, dass sie sich kleine Rückzugsorte schaffen kann: "Orte, wo ich der Mensch sein darf, der ich wirklich bin." So einen Ort habe sie bei ihrer besten Freundin. Deren Lieblingsinstrument sei ein Kontrabass, aber "das Kontrabassspielen konnte ich mir leider wirklich nicht draufschaffen". Kurzerhand spielt Heinzmann den Song mit einer Bassukulele, begleitet von ihrem Pianisten.
Nach einer weiteren ruhigen Nummer zeigt Heinzmann dann wieder, wie viel Energie und Soul in ihr steckt: Bei "Diggin' in the dirt" tanzt sie auf der Bühne, dass der für sie typische seitliche Pferdeschwanz nur so wackelt. Mit einer ganz eigenen Interpretation von "Uptown Funk" hat sie die Menge dann vollkommen auf ihrer Seite.
Die Spielfreude der Musiker überträgt sich auf das Publikum, das sichtlich Spaß hat. "Ich bin ein dankbarer Mensch - ich kann es kaum glauben, dass es so viele Menschen gibt, die Tickets kaufen", leitet die Sängerin ihren Song "Glad to be alive" ein. Alle heben beim Refrain die Hände und singen mit "I'm glad to be alive - Ich freue mich, zu leben." Nach 90 Minuten und Zugaben geht Heinzmanns Konzert mit "In the End" zu Ende, aber ihre positive Lebenseinstellung und ihre Freude auf der Bühne wirken nach, denn ein Gedanke bleibt: Das Leben ist schön, auch wenn nicht immer alles glattgeht.