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"Ja, wir produzieren mehr"

"Ja, wir produzieren mehr"

TRIER. 28 Stücke und 25 Konzert-Programme: Das Trierer Theater hat sich für die kommende Spielzeit einiges vorgenommen. Das Programm steht unter dem Motto "Theater-Visionen" und will laut Intendant Gerhard Weber "Tradition und Innovation" gleichermaßen bedienen.

Mozart und Brecht, die Geburtstagskinder des Jahres, eröffnen die Spielzeit. "Die Entführung aus dem Serail" und die "Dreigroschenoper" sollen die erfolgreiche Bilanz der aktuellen Saison fortschreiben. Ansonsten sind regionale Akzente unübersehbar. Mit "Fausta" wird anlässlich der Konstantin-Ausstellung eine Oper des Trierer Komponisten Heinz Heckmann aufgeführt, Jacques Berndorf schreibt mit "Eifel-Frieden" einen Krimi fürs Große Haus, der aus Trier stammende Autor Lothar Kittstein erarbeitet gemeinsam mit Schülern ein Jugendstück. Und dann kommt im Frühjahr 2007 Franz Grundheber, um mit Alban Bergs Oper "Wozzeck" ein monumentales Schlüsselwerk der klassischen Moderne erstmals in Trier auf die Bühne zu bringen - und zwar, auch das eine Premiere, als Regisseur. "Eine Riesen-Herausforderung für unser Haus, aber auch für das Trierer Publikum", sagt Generalmusikdirektor Istvan Dénes. Da hilft es sicher, dass Grundheber bei zwei Sonder-Vorstellungen auch selbst die Titelrolle singen wird. Ansonsten erholt sich das Musiktheater mit einem eher leichten Kontrastprogramm von dieser Anstrengung. Neben Mozarts Singspiel gibt es die komische Oper ("Zar und Zimmermann") und die Operette ("Eine Nacht in Venedig"), dazu den klangschönen Revolutionsschinken "Andrea Chenier". Kooperationen mit den Theatern Münster und Lübeck sollen dazu beitragen, die Ausstattungs-Kosten in Grenzen zu halten. Lauter neue Regisseure beim Musiktheater

Die Regie-Truppe im Musiktheater hat man für die kommende Spielzeit ausgetauscht, nachdem sich bislang kein rechtes Profil einstellen wollte. Im erfolgreichen Schauspiel setzt man dagegen auf Kontinuität. Die Erfolgs-Regisseure Horst Ruprecht und Jürgen Lorenzen kommen wieder, diesmal mit Max Frischs "Andorra" als Nachfolge-Produktion für die "Alte Dame" und Dario Fos "Offene Zweierbeziehung" auf dem Komödien-Platz von "Diener zweier Herren". Dazu gesellt sich das in Frankreich hoch gehandelte Schauspiel "Wellenreiter" von Xavier Durringer, ein aktuelles politisches Stück um einen Politiker, der an sozialen Brennpunkten "aufräumen" soll. Durringer erzielte damit Ende der 90er-Jahre einen Sensations-Erfolg beim Theaterfestival in Avignon. Für die deutsche Erstaufführung (!) geht das Trierer Theater mutig ins Große Haus. "Wellenreiter" macht auch den Auftakt für ein Festival mit fünf Stücken junger Autoren, die im Februar in Zusammenarbeit mit Uni und FH sowie dem Kapuzinertheater Luxemburg gezeigt werden sollen. "Diesmal klappt die Kooperation", verspricht Intendant Weber. Nah am Zeitgeist ist man mit dem Studio-Stück "Genua 01" von Fausto Paravidino, das sich mit den Gewaltexzessen anlässlich des W8-Gipfels im Sommer 2001 auseinander setzt. Kooperation innerhalb des Hauses soll eine weitere Produktion aus Webers konsequent gepflegter "französischer Linie" zeigen: Eric-Emmanuel Schmitts Erfolgsroman "Mein Leben mit Mozart" wird als Schauspiel mit Orchesterbegleitung angekündigt. Für das Ballett "Giselle" nach Adolphe Adam tun sich das Trierer Tanztheater und das Orchester zusammen. Viel- versprechend auch die zweite Ballett-Produktion: Tanz-Chef Sven Grützmacher widmet sich unter dem Titel "Kozmic Blues" der Rock- und Popmusik der vergangenen 40 Jahre und fragt, was aus der Revolte der Who, Hendrix und Co. geworden ist.Angebot für Kinder und Jugendliche wächst

Einen breiteren Raum als je zuvor nimmt das Angebot für Kinder und Jugendliche ein. Familien-, Kinder- und Jugendkonzerte stehen ebenso auf der Agenda wie Schulbesuche mit Orchestermusikern und differenzierte musikalische Programme für alle Altersgruppen. Die erfolgreichen Schul-Produktionen werden durch neue Stücke fortgeführt: "Creeps" von Lutz Hübner blickt hinter die Kulissen eines fiktiven Castings, "Flasche leer" von Thilo Reffert beschäftigt sich mit Alkoholsucht. Das Theater will weiter durch Aulen und Klassenzimmer touren. "Die Zeiten sind vorbei, dass wir gewartet haben, bis die Leute zu uns kommen", lobt Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink die neue Linie. Und Gerhard Weber betont, man wolle "das Publikum weiter verjüngen". Das stramme Angebot dürfte das Haus mächtig fordern. "Stimmt, wir produzieren mehr", sagt der Intendant. "Es gibt auch Grenzen des Machbaren", mahnt Werner Reichert, der als Verwaltungsdirektor einen Blick aufs Geld haben muss. Aber man sage sich "immer noch jeden Morgen freundlich guten Tag". Das Programm mit Premieren-Terminen sowie der Konzert-Spielplan folgen.