Janita hat Soul

TRIER. Und schon wieder eine ausgezeichnete Jazz-Sängerin aus Skandinavien. Nach den Erfolgen von Rebekka Bakken, Viktoria Tolstoy oder Rigmor Gustafsson debütiert Janita aus Finnland mit einem außerordentlichen Album.

Während in den 50-er und 60-er-Jahren skandinavische Jazz-Sängerinnen nach Deutschland ausgewandert sind, wie etwa Wenke Myrrhe Siw Malmkvist oder Gitte Haennig, geht der Trend seit einigen Jahren nach New York. Kein Wunder, ist New York doch das Mekka des Jazz. Nicht nur die Norwegerin Rebekka Bakken zog es dorthin - auch die Finnin Janita hat sich in New York bewiesen. Und wie. Janita liefert mit "Seasons Of Life" ein jazziges Soulalbum für alle Jahreszeiten, das Vergleiche mit Sade oder India.Arie nicht scheuen muss. Wer denkt, dass die Finnen wegen ihrer nördlichen geografischen Lage unterkühlt sind, wird von Janita eines Besseren belehrt. Sie beweist, dass das siebtgrößte Land Europas auch Soul hat. Die Blondine mit der überwältigenden Stimme, die seit ihrem 18. Lebensjahr in Brooklyn lebt, liefert mit den elf Songs von "Seasons Of Life" ein stimmiges Sommeralbum. Die zehn eigenen Stücke und selbst das charmante Cover von Depeche Modes "Enjoy The Silence" strahlen entspannte Leidenschaft aus. Schließlich wurden sie von einigen der besten Musiker New Yorks und sogar Mitgliedern der New York Philharmonic eingespielt. Die Kraft dieser Musik entfaltet sich, trotz vieler Anleihen im Soul oder Jazz, zu einem eigenen Stil. Janita tritt damit in die Fußstapfen von Sade, Jill Scott oder India.Arie, mit denen sie oft verglichen wird. "Seasons Of Life" ist ein Album für alle Jahreszeiten. Ähnlich wie ihre Kolleginnen Rigmor Gustafsson (Schweden) oder Rebekka Bakken (Norwegen) hat sie ihre Karriere in New York gestartet. Janita, Tochter eines Piloten und Musterschülerin an der internationalen Schule in Helsinki, begann ihre musikalische Karriere mit 13. Ein Jahr darauf wählt sie ein Magazin zur "sinnlichsten Frau Finnlands", vor ihrem 17. Lebensjahr hat sie schon etliche Hits gesungen und zwei finnische Grammies gewonnen. Mit 18 kehrte sie ihrer Heimat den Rücken und sucht ihr Glück in New York. Sie arbeitete mit dem Ex-Scritti-Politti-Keyboarder David Gamson, der auch Meshell Ndegeocello oder Chaka Khan produziert hat, dazu mit Michael McCary von Boyz II Men oder dem verstorbenen Hip Hop-Star Jay Dee von Slum Village und tritt im "Blue Note", Bitter End oder Joe's Pub auf. Eines schicksalsschweren Tages kurz nach der Jahrtausendwende wird Janita in Manhattan von einem herunterfallenden Baugerüstteil verletzt. Zwar halten sich die Verletzungen in Grenzen, aber nach dem Unfall beschließt sie, mehr eigene Sachen zu machen, Gedichte und vor allem Songs zu schreiben. Das Ergebnis ist ein Album mit jazzigen, souligen Tönen, in amerikanischer Songwriter-Tradition.