Jasmin Toccata verbindet beim Mosel Musikfestival barocke und orientalische Musik

Mosel Musikfestival : Vereint in einer neuen Klangwelt

Jasmin Toccata verbindet beim Mosel Musikfestival eindrucksvoll barocke und orientalische Musik.

Selbst Kurfürst Clemens Wenzeslaus schaute interessiert aus seinem schönen Rahmen an der Wand der prächtigen Trierer Promotionsaula. Der barocke Kirchenfürst konnte zufrieden sein. Was unten im Saal geschah, hätte nicht passender sein können. War doch seine Zeit eine Epoche der Aufklärung, der neuen Ideen, Entdeckungen und gegensätzlichen Temperamente. Genau darum ging es an diesem Abend beim Konzert Jasmin Toccata des Mosel Musikfestivals.

Was  bereits im Namen als Verbindung aus Orient und Okzident anklingt, ist ein kulturübergreifendes Projekt des internationalen Musiker-Trios  Jean Rondeau, Keyvan Chemirani und Thomas Dunford. Einmal mehr wurde dieser Abend  im Zeichen der inneren wie äußeren Vielfalt von Heimaten zum Ereignis. Im kulturellen Brückenschlag des Programms trafen barocke Werke von Purcell, Robert de Visée oder Johannes Hieronymus Kapsberger auf zeitgenössische Kompositionen von Keyvan Chemirani. Toccata und Chaconne  verfugten  sich mit orientalischer Ästhetik  und  Ornamentik zu dynamischen und  in sich schlüssigen, reizvollen Klangwelten. Einmal mehr zeigte sich, dass Musik Ausdruck seelisch-geistiger Befindlichkeiten ist und genau darin ihre wortlos verbindende Kraft liegt, über die kulturellen Grenzen fremder Klangästhetik hinweg. Was auch die Begeisterung des bunt gemischten Publikums bestätigte.

Wo von orientalisch islamischer Musik  die Rede ist, geht es in erster Linie  um vom Sufismus geprägte Musik, jener islamischen Strömung, die Toleranz fordert und dem europäischen Christentum ähnlich Musik und Ekstase als Gotteserfahrung versteht. Wie den Christen gilt dem Sufismus und seinem prominentesten Vertreter, dem Philosophen Rumi, die Menschheit als ein zusammenhängender Körper und die  menschliche Liebe als irdische Form der göttlichen. Werde ein Glied dieses Körpers verletzt, leide der ganze Organismus darunter, stellte Rumi fest. Eine Aussage, die als Erfahrung einer globalen Gesellschaft nicht aktueller sein könnte.

Irdische Sinneslust wie transzendentale Hingabe und Sehnsucht erklang auch im Spiel der drei vorzüglichen Musiker. Chemiranis Zarb  (orientalische Trommel) machte im lustvollen Zusammenspiel des Trios lautmalerisch die Ohren sehen. Man hatte zeitweise die tanzenden, sich drehenden  Derwische vor Augen.

Von feinster meditativer Innenschau bis zur sich wuchtig entladenden Ekstase reichte Jean Rondeaus Ausdrucksfülle am eher spröden Cembalo. Der Star des Abends war Thomas Dunford an der Laute, dem weltweiten Sehnsuchtsinstrument, dessen hochfeines, dabei ungeheuer nuancenreiches Spiel das Motto des Festivals in Klang zu fassen schien: „Ich habe manchmal Heimweh, ich weiß nur  nicht, wonach“. Vielleicht (das ließ der eindrucksvolle  Abend vermuten) nach der allen Kulturen gemeinsamen Geborgenheit eines Ortes, eines Menschen oder gar der göttlichen Geborgenheit.

Bravo-Rufe und stürmischer Beifall  bei den knapp 200 begeisterten Zuhörern.

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