Tanztheater: Jede Menge Schwung zum Einstand

Tanztheater : Jede Menge Schwung zum Einstand

Am Theater Trier feierte Roberto Scafatis getanzte Bilderfolge „Zorbas“ Premiere.

Roberto Scafati geht es sportlich an. Mit Temperament, Tempo, Folklore und hinreichend Gefühl gaben der neue Ballettdirektor am Theater Trier und sein Tanzensemble mit der Premiere von „Zorbas“ am Samstag ihren schwungvollen Einstand.

Unter den von weiter angereisten Gästen waren neben offensichtlichen alten Fans aus Ulm, dem ehemaligen Wirkungsort des neuen Spartenleiters, auch der rheinland-pfälzische Wissenschafts-und Kulturminister Konrad Wolf.

Apropos Einstand. Endgültig von den Stühlen riss das Publikum im quasi ausverkauften Saal der finale rasante Sirtaki. Die Tänzer dankten ihren stürmisch applaudierenden, stehenden Gästen ebenso begeistert. „Da capo“ (noch mal von vorn) hieß es wie weiland in der italienischen Oper, und einmal mehr bebten als Zugabe Bühne und Saal vom Tanz.

Doch der Reihe nach: Mit einer eigenen Choreographie der Ballett-Suite „Zorbas, Il Greco“ von Mikos Theodorakis, nach Motiven des Romans von Nikos Kazantzakis, präsentierte Scafati die erste eigene Produktion seiner Sparte für das Theater Trier. Bekanntlich bestehen nördlich und südlich der Alpen unterschiedliche Vorlieben in der Aufführungspraxis. Zumindest was den „Zorbas“ angeht, darf man annehmen. dass der Italiener Scafati stärker in der Tradition seiner südlichen Heimat steht als mancher West- oder Nordeuropäer. Jedenfalls hat der Ballettchef für Trier die Geschichte vom selbstbestimmten, lebenspraktischen Mazedonier Alexis Zorbas und seinem Freund, dem intellektuellen Schriftsteller Basil, genannt „der Amerikaner“, der in Kreta ein „tätiger Arbeiter“ werden will, in eine aus der Musik entwickelte weithin traditionelle „Bilderfolge“ gefasst, die auch Elemente des modernen Tanztheaters nutzt und dabei Tanz, Folklore, Melodik und Symphonik schlüssig verdichtet.

Verdienstvoll verzichtet Scafati auf opulentes Folklore-Spektakel. Die düsteren Kostüme von Tänzern und Chor veranschaulichen die Tristesse des entlegenen kretischen Dorfs, mit dessen archaischen Strukturen die beiden Männer in Konflikt geraten. Das schwarze Dreieck im malerischen Bühnenbild verweist auf Kohlehalden wie Magie und Aberglauben einer rückständigen unaufgeklärten Welt (Bühnen-und Kostümbild Giuseppina Maurizi). Die gewaltige Explosion zu Beginn, die geradezu an die düsteren Eingangsakkorde des ebenfalls in Trier gerade gespielten „Don Giovanni“ erinnert, machen gleich eingangs klar, dass die Geschichte nicht gut ausgehen kann. Scafati konzentriert das von dem fabelhaften, bestens aufgelegten Tanzensemble präsentierte Stück auf die beiden Liebesgeschichten der Paare Basil (im Programm auch John genannt)/Marina und Zorbas/Hortense.

Allerdings bleibt die mit Schwung und Tempo inszenierte Bilderfolge in der Gestaltung recht einförmig und in der Tanzsprache nicht eben nuancenreich. Nicht immer erschließen sich zudem die Bewegungsabläufe aus der Musik. Zu den eindrucksvollen Bildern gehört die lauernde Masse des Dorfvolks.

Schön: die imposanten Klangflächen des hervorragenden Opernchors des Theaters (Einstudierung Angela Händel). Anrührend: der Pas de deux Zorbas (Alessio Pirrone)/ Hortense (Beatrice Panero). Allerdings gleicht die alternde Madame Hortense hier weniger der Prostituierten aus der Romanvorlage, die sich nach bürgerlichem Glück sehnt als der kessen Göre aus Scafatis „Dornröschen“. Entbehrlich wäre die Steinigung Marinas mit raschelnden Soft-Steinen.

Der herausragenden Tänzer des Abends ist der kraftvolle, athletische Damien Nazabal als Schriftsteller Basil, etwas weniger eindrück­lich erscheint Alessio Pirrone als Zorbas. Allzu blass belässt die Choreographie Chiara Rontini als Marina. Ihr leiht Luiza Braz Batista ihre Gesangsstimme. Mit Schwung dirigiert Wouter Padberg das engagierte Philharmonische Orchester der Stadt Trier.

Weitere Termine: 20. Oktober, 4. und 21. Dezember, 8. Februar 2019, 19.30 Uhr, 4. November, 18 Uhr, 25. November, 16 Uhr, Großes Haus

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