1. Region
  2. Kultur

Jeder Drachentöter fängt klein an

Jeder Drachentöter fängt klein an

Für den Trierer Musik-Dramaturgen Peter Larsen ist Freitag ein besonderer Tag. Seine Kinderoper "Siegfried oder Wer wird der Herr des Rings" wird am Grand Théâtre Genf uraufgeführt. Eine ungewöhnliche Situation für den promovierten Musikwissenschaftler.

Peter Larsen Foto: privat

Genf/Trier. Premierentage sind nichts außergewöhnliches für Peter Larsen (Foto: privat). Mehr als ein halbes Dutzend Musiktheater-Produktionen betreut er jede Saison im Theater Trier, entwirft mit dem Regisseur die Interpretations konzepte, berät den Dirigenten, streicht auch schon mal Text und Musik zusammen. Auf der Bühne erscheint er freilich nie - Dramaturgen sind dienstbare Geister im Hintergrund.
Heute Abend wird alles anders sein. Da wird Peter Larsen im Grand Théâtre Genf im Parkett sitzen und darauf hoffen, dass sich Regisseur, Dramaturg und Dirigent wenigstens einigermaßen an das halten, was er als Partitur, Li bretto und Bühnenanweisungen aufgeschrieben hat. Denn bei der dort aufgeführten Version von Wagners "Siegfried" ist er der Schöpfer all dessen, was zu sehen und zu hören ist. Und am Ende wird man ihn auf die Bühne bitten, um den Beifall des Auditoriums entgegenzunehmen.
Fast drei Jahre hat er an der Kinder-Oper gearbeitet - neben dem normalen Job, abends, am Wochenende, im Urlaub. 2011 entstand die erste Textvorlage, damals noch gedacht für das Theater Trier. Die Idee: Wagners Meisterwerk aus dem "Ring des Nibelungen" kind- und jugendgerecht zu erzählen. "Da steckt viel Fantasy drin", sagt Larsen, der selbst Kinder hat. Die Geschichte des Jungen Siegfried, der im Wald aufwächst, ist garniert mit Drachen, Zwergen, Zauberei - gar nicht so weit weg von Harry Potter & Co.
Das Zielpublikum ist zwischen acht und 14 Jahren alt, das Opernhaus in Genf will aber ausdrücklich auch Erwachsene ansprechen, denen ein "echter" Wagner für den Einstieg zu heftig ist. Ihre Geduld wird geschont: Aus den im Original vier Stunden hat Larsen 70 Minuten gemacht, wobei der Kern der Handlung erhalten geblieben ist, "ohne einige der hässlichen Sachen", wie der Autor betont.
Die Musik hat er für ein Kammer-Ensemble verknappt, aber sage und schreibe 64 der berühmten Wagner\'schen Leitmotive untergebracht. Für die wichtigen Gesangsrollen braucht es aber trotz aller Reduzierung ein paar richtige, satte Wagner-Stimmen. In Genf wird die internationale Sängerriege vom Schweizer Starbariton Philippe Huttenlocher angeführt - ein Umstand, auf den Larsen unübersehbar stolz ist.
Allerdings ist die schwierige Besetzung auch mit ein Grund, warum das Werk nicht - wie Larsens Erstling "Ledermann" - in Trier herauskommt. Und dennoch hat Trier einen beachtlichen Anteil am Zustandekommen des Projekts. Denn der Richard-Wagner-Verband Trier-Luxemburg vergab eine Art Kompositionsauftrag und finanzierte die Erstellung eines Klavierauszugs - ohne den eine Weiterverbreitung so gut wie ausgeschlossen gewesen wäre.
Zudem hatte Larsen das Glück und den Erfolg, dass der renommierte Bärenreiter-Verlag die Partitur in seinen Vertrieb nahm. Und für die Uraufführung in Genf, das amtlich Génève heißt, ließ das dortige Theater eigens eine französische Übersetzung anfertigen.
So hofft Larsen nicht nur auf eine erfolgreiche Uraufführung heute Abend, sondern auch auf weitere Produktionen. Selbst wenn das Wagner-Jahr 2013 gerade vorbei ist: Der Ring bleibt ein ewiges Thema, die Suche nach Nachwuchs publikum ebenfalls. Die deutschsprachige Uraufführung ist noch nicht vergeben.