Jeff Cascaro mit seinem Quartet beim Mosel Musikfestival im Brunnenhof in Trier

Jazz-Konzert : Jazz, Blues und sexy Handclaps

Jeff Cascaro, einer der renommiertesten Sänger des deutschen Jazz, hat 400 Besucher im Brunnenhof beeindruckt.

Für das Mosel Musikfestival und seinen Intendanten Tobias Scharfenberger war das Jazzkonzert im Brunnenhof eine Premiere. Zum ersten Mal hat man mit dem Jazzclub Trier zusammen eine Veranstaltung organisiert und an diesen Ort gebracht. Die Besucher haben es sehr gut angenommen, denn es war mit 400 Personen ausverkauft.

Zu Gast war Jeff Cascaro, der schon mit Gruppen wie den Fantastischen Vier, Klaus Doldingers Passport, Till Brönner und Herb Geller zusammen auf der Bühne stand, an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar als Professor Jazzgesang unterrichtet und als Gesangscoach bei „Deutschland sucht den Superstar“ mitwirkte.

Im Brunnenhof sang er selbst, mit ihm auf der Bühne waren Christian von Kaphengst am Bass, Hans Dekker am Schlagzeug und Olaf Polziehn am Piano. Gentelmanlike stand Cascaro im Dreiteiler auf der Bühne und berichtete, „dass es Stücke gibt, die man covern muss, die man covern kann, und Songs, bei denen man das auf keinen Fall tun sollte.“ Dazu zählt seiner Meinung nach der „Inner City Blues“ von Marvin Gaye. Mit seiner vollen Stimme, den leicht verzögerten Rhythmen und Vibratos konnte man sich diesen Song auch sehr gut in einer Bar mit einem Glas Rotwein vorstellen. Ein unheimlich gutes Gespür des Quartetts fürs Timing sorgte dafür, dass die Besucher die Rhythmen gleich aufnahmen und die Musik spüren konnten.

Mit Jeff Cascaros Griff zur Trompete kam mehr Klangfarbe in den Blues. Ausdrucksstark, aber nicht zu abstrakt zeigte sich Olaf Polziehn am Piano. Schließlich endet das Stück in einem gehauchten Ton, der noch einige Sekunden im Brunnenhof nachhallte, bevor er sich ganz leise auflöste. In einem weiteren Song ging es um die unerfüllte Liebe, mit sehnsuchtsvollen Akkorden, in denen sich kleine Dissonanzen versteckten und die die Leichtigkeit des Verliebtseins widerspiegelten. Der Gesang von Jeff Cascaro könnte auch in einem Liebesfilm eingesetzt werden. Viele der Besucher genossen die Musik in vollen Zügen, hatten die Augen geschlossen und ließen die sanften Töne auf sich wirken.

Seine Qualitäten als Jazzsänger stellte er auch mit seiner lässig präzisen Artikulation unter Beweis. In einem atemberaubenden Tempo sang er einzelne Silben in verschiedenen Tonarten, dass man als Zuhörer nur staunen und klatschen konnte. Seine Mitmusiker, die sich dezent im Hintergrund hielten, waren ebenfalls hochkarätig, allen voran Bassmann Christian von Kaphengst, der den musikalischen Rahmen vorgab, Hans Dekker, der mit unheimlich viel Gefühl fürs Tempo sorgte oder Olaf Polziehn, der am Piano mit seinen Einwürfen und passenden Akkorden Spannungsfelder aufbaute oder löste.

Zwischendurch lockert Jeff Cascaro mit kleinen Anekdoten die Stimmung weiter auf. Beispielsweise erzählt er, dass seine Großmutter, die an der Ruhr wohnte, sich in einem Supermarkt bei den CD-Angeboten vergriffen habe und statt des „blonden Sängers mit der Sonnenbrille“ eine CD von Ray Charles gekauft hat. Ihr und seiner Heimat widmete er dann das nächste Stück.

Schließlich hat er die Besucher zum Ende des Konzerts weiter miteinbezogen, indem er ihnen einen „sexy Handclap“ beigebracht hat. „Der muss beim Klatschen eine Präsenz haben, intim aber doch hörbar sein,“ erklärte er. Weiter meinte er: „Nicht lachen, klatschen.“ Das machten die Zuhörer auch und ließen ihn und sein Quartett nicht ohne Zugabe von der Bühne.

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