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Jelena Kuljić in Trier mit JTI-Jazz-Award ausgezeichnet

Preisverleihung : Die Lösung eines Jazz-Problems

Jelena Kuljić zeigt auf der Bühne in der Europäischen Kunstakademie in Trier, wa­rum sie den JTI-Jazz-Award verdient hat.

„Der Deutsche Jazz hat ein Problem, er klingt so harmlos“, sagt der Musikjournalist Ralf Dombrwoski am Freitagabend in der Europäischen Kunstakademie in Trier.

Aber Jelena Kuljić ist definitiv nicht Teil des Problems, sondern der Lösung.

Deswegen geht der dreizehnte JTI-Trier-Jazz-Award an die gebürtige Serbin, die auch Schauspielerin mit Festengagement an den Münchner Kammerspielen ist, den „Wozzek“ an der Berliner Volksbühne und „Die Krönung der Poppea“ am Hamburger Thalia Theater gespielt hat.

Diese coole Mischung von Jazz und Darstellung dürfen die knapp 100 Zuschauer auf der Bühne des vom Moselmusikfestival ausgerichteten Konzertes bestaunen. Mit ihrer formidablen Band KUU! (finnisch für Mond) erfüllt sie genau die Voraussetzungen, die Dombrowski sonst so vermisst: „Sie versetzt das Blut in Wallung, spielt mit der besonderen Aura des ungebremst Ekstatischen.“ 

Ist das Jazz oder Punk, fragt die Jury, man darf hinzufügen: Oder ist es Blues, Rock oder gar Rap?

Es ist jedenfalls ein Naturereignis, handgemacht (manchmal leicht elektronisch unterstützt) und basierend auf der hohen Musikalität und Präzision und Virtuosität der Musiker Frank Möbius (Gitarre), Kalle Kalima (Gitarre) und Christian Lillinger (Schlagzeug). Die begeistern mit halsbrecherischen Riffs und traumwandlerischem Verständnis und Sicherheit.

Darüber schwebt die Stimme von Jelena Kuljić mit ihrem dunklen Timbre. Sie gurrt, zirpt, schreit, röhrt, krächzt, schmeichelt und klagt an.

Die englischen Texte sind vom Lauf der Welt inspiriert, vom Vulkanausbruch auf Island, von Merkel, Obama und Trump oder der Pandemie. Was sie interessiert, ist die „Misconception of the world.“ Aber eben auch die Welt in ihr drin, im Kleinen: „You are the virus, I am the cure“, singt sie. Oder: „My body is a cage, … but my mind holds the key.“ Das klingt dann auch mal rockig, oft hart, laut und schnell, manchmal aber ganz zart. Und immer gut verständlich, was so auch nicht selbstverständlich ist.

Manche Stücke wie „Talking about little birdies“ sind aus Improvisation entstanden, manche erscheinen aber auch durchkomponiert. Da gibt es keine Löcher im Konzert, keine dramaturgischen Hänger. Nach 90 Minuten ist es „ups, schon?“ vorbei. Dann die Zugabe: „Danach möchte man nichts mehr, weil man das Gefühl hat, dass man bei einer anderen Veranstaltung gelandet ist“, lacht Kuljić und legt einen harten Rap hin, der die Luft zum Brennen bringt. Oder, wie Ralf Dombrowski sagt: „Das macht ihre Musik eben nicht harmlos, sondern lebendig, hinreißend, mitreißend.“

Die 46-jährige Kuljić, die seit über 20 Jahren in Deutschland lebt, hat sich gerade das Rauchen abgewöhnt, wie sie schmunzelnd verrät, nimmt im Anschluss an das Konzert aber dennoch dankbar und gerührt den Japan-Tobacco-Industries-Award – gesponsert vom größten privaten Arbeitgeber Triers – aus der Hand von Oberbürgermeister Wolfram Leibe entgegen.