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Jenseits der Schubladen

Jenseits der Schubladen

Schlagersender, Popwelle, Klassikradio - im Rundfunk werden Künstler gerne in Schubladen gesteckt. Wer da nicht hineinpasst, wird auch nicht gespielt. Marshall & Alexander setzen sich trotzdem über Genregrenzen hinweg - zur Freude ihres Publikums.

Trier. Einem Trierer ist es zu verdanken, dass Marc Marshall heute noch auf der Bühne steht: Als junger Mann wollte er seine Gesangskarriere schon beenden, dann nahm er Unterricht auf dem Trimmelter Hof bei Michael Rhodes - und machte weiter. "Er hat mich gerettet", sagt Marshall heute über seinen Lehrer.
Konzerte in Trier sind für Marshall, der mit Jay Alexander seit nunmehr 20 Jahren das Duo Marshall & Alexander bildet, daher immer auch eine Art Heimspiel. Was die beiden in ihrer Karrie so alles gesungen haben, das lassen sie, begleitet nur von René Krömer am Klavier, in der Europahalle Revue passieren: klassische Oper wie Puccinis "La Bohème" und Bizets "Perlenfischer", aber auch Italo-Hits wie Adriano Celentanos "Azzurro" und Rocco Granatas "Marina" oder Rainhard Fendrichs Ballade "Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk". Kurzum: Das Programm ist ein einziger Alptraum für jeden Radiochef, der seine Welle auf stromlinienförmige Durchhörbarkeit trimmen möchte, für das Publikum ist es ein umso abwechslungreicheres Vergnügen.
Marshall & Alexander beweisen, dass es sich auch zwischen allen musikalischen Stühlen komfortabel sitzen lässt. Die in der Pause zu vernehmende Kritik beschränkt sich mit Marshalls wallendem Bart rein aufs Optische. Akustisch hat das Duo, wie auch der Schlussapplaus zeigt, seine Besucher wieder einmal überzeugt - und gezeigt, dass die musikalischen Schubladen, in die Künstler gerne einsortiert werden, vor allem eine Funktion haben: Sie lassen sich öffnen. daj