1. Region
  2. Kultur

Jerusalem Quartet überzeugt Jerusalem Quartet überzeugt in der Wittlicher Synagoge

Kultur : Jerusalem Quartet überzeugt in der Wittlicher Synagoge

Das Jerusalem Quartett überzeugt in der Synagoge von Wittlich

Die musikalische Kompassnadel zeigte gen Osten: Mit Werken von Leos Janácek, Erwin Schulhoff und Antonin Dvořak hat das preisgekrönte Jerusalem Quartet am Freitag in der Synagoge von Wittlich überzeugt. Veranstalter war die Stiftung Villa Musica.

Es war einer dieser glücklichen Abende, an die man noch gerne zurückdenken wird. Das leidenschaftliche Spiel des Jerusalem Quartets führte  virtuos durch den Abend. Bereits bei den ersten Takten zeigte sich, dass die vier Musiker sich dem Wunsch des Komponisten treu ergeben hatten.

Es begann mit Leos Janáceks „Kreutzersonate“. So klingt Eifersucht. Gänsehaut. Janáceks „Kreutzersonate“ ist angelehnt an Leo Tolstoi. Zur Musik von Beethovens „Kreutzersonate“ nämlich schildert Tolstoi in seiner gleichnamigen Novelle ein Beziehungsdrama. Es geht um vermeintlichen Ehebruch. In der Erzählung wird der tragische Held zum Mörder seiner Frau. Die Eifersucht überkam ihn, weil sie zusammen mit einem Nebenbuhler allzu leidenschaftlich Beethovens „Kreutzersonate“ spielt. Den Ehebruch hat es nie gegeben. Das Leiden der Eheleute wurde spürbar rübergebracht. Der Zuhörer durchlief, „alle Stadien der Emotionen von der rastlosen Suche über den Schmerzensschrei bis zur tödlichen Verzweiflung im Finale“ (Max Brod). Herzstück des Abends waren „Fünf Stücke für das Streichquartett“ von Erwin Schulhoff. In den Zwanzigern gehörten sie zu den Glanznummern. Sie verhalfen dem Komponisten zum Durchbruch. Eine Widmung an den französischen Kollegen Darius Milhaud überliefert, worum es ihm ging: prägnante Kürze der Sätze,eine freche Musik am Puls der Zeit.

Anton Dvořak reiste im April 1895 aus der neuen Welt wieder nach Hause, nach Prag. Ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr, im Winter 1895, komponierte er  das Quartett G-Dur op. 106. Es drückt seine Euphorie über die wieder gewonnene Heimat aus. Schon der erste Satz, zeichnete dem Zuhörer ein glück­seliges Lächeln ins Gesicht. Die melodische Frische und die wechselnden volksliedhaften Elemente gaben die Musiker haarscharf und präzise akzentuiert wieder. Die Art und Weise, wie feinfühlig und sensibel sie spielten, ließ bei den Zuhörern den Wunsch nach eine Zugabe aufkommen. Mit Béla Bartóks „Allegretto Pizzicato“ und Joseph Haydns „Sonnenaufgangsquartett“ ist der Abend im Dur verklungen.

Das Jerusalem Quartet wurde 2009 mit dem Echo Klassik ausgezeichnet. Seither zählt es zu der Weltspitze der Sparte. „Leidenschaft, Präzision, Wärme, eine goldene Mischung: Das sind die Markenzeichen dieses exzellenten Streichquartetts.“ So schrieb die New York Times über die Musiker Alexander Pavlovsky (erste Geige), Sergei Bresler (zweite Geige), Ori Kam (Bratsche) und Kyril Zlotnikov (Cello).