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Jetzt geht die Party richtig los

Jetzt geht die Party richtig los

1999 hat in London die Uraufführung stattgefunden. Seitdem ist das Musical "Mamma mia" nicht nur dort non-stop zu sehen; zahlreiche Tourneetruppen ziehen mit der Show durch die ganze Welt. Ein britisches Ensemble hat jetzt am Luxemburger Grand Théâtre Station gemacht.

Luxemburg. Die 20-jährige Sophie lädt zu ihrer Hochzeit die drei Männer ein, von denen sie glaubt, dass einer von ihnen ihr Vater ist. Ihre Mutter Donna, die nach bunten Hippiejahren auf einer griechischen Insel einen Gasthof eröffnet hat, ist "not amused". Erstens, weil sie keine Lust hat, ihre Exen wiederzusehen, und zweitens, weil sie Hochzeiten - immer noch - für ziemlich spießig hält. Zeitgleich schlagen Tanya und Rosie, die beiden mehr oder weniger gereiften Damen aus ihrer ehemaligen Girlgroup Donna and the Dynamos auf der Insel auf, um in Erinnerungen zu schwelgen. Drei - immer noch - lebenslustige Frauen und drei - mehr oder weniger erwachsen gewordene - Männer ... Aber halt, wir wollen nicht verraten, wie dieser Handlungszweig von "Mamma mia" ausgeht. Ebenso soll an dieser Stelle verschwiegen werden, was mit Sophie und ihrem Bräutigam Sky passiert. Nur so viel: Hier gibt's am Ende tatsächlich eine Überraschung.Ohrwürmer dutzendweise

"Mamma mia" ist wie Volkswagen ohne Abgasprobleme: Die Show läuft und läuft und läuft ... Das Libretto ist nicht gerade pulitzerpreisverdächtig, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Sondern auf die Musik, die immer noch jede Ü50-Party auf Trab bringt. Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die männlichen 50 Prozent von Abba, haben zu ihrer Glanzzeit ein Händchen (oder besser: Öhrchen) für stromlinienförmigen Mainstreampop gehabt. Gleich dutzendweise sind ihnen die Ohrwürmer aus den Klaviertasten gekrochen. Die beiden Schweden waren eine Evergreenfabrik mit eingebauter Erfolgsgarantie.Und obwohl die Songs immer noch auf den einschlägigen Radiowellen in aller Welt mit Volldampf unterwegs sind, wollte die Britin Catherine Johnson den Erfolg nicht auf sich beruhen lassen und überredete die Komponisten, ihre gesammelten Werke für ein Musical zur Verfügung zu stellen, dessen Geschichte sie geschrieben hat.Nun gut, Musical ist ein bisschen hochgegriffen für die Show, mit der im Grand Théâtre der Jahreswechsel eingeläutet wird. Es ist mehr eine Schlagerrevue mit eingehäkeltem Handlungsfaden; die Schauspieler-Sänger-Tänzer nehmen die Songs, wie sie gerade kommen. Sie tragen nicht, wie bei einem echten Musical, dazu bei, Handlung, Liedtexte und und Musik zu einem homogenen Ganzen zu verschmelzen. Oft werden die Songtexte eins zu eins übernommen und nicht dem jeweiligen Handlungsmoment angepasst. So wirken sie an manchen Stellen wie draufgeklebt. Und da wir schon beim Meckern sind: Regisseurin Phyllida Lloyd hat das Stück ziemlich buchstabengetreu auf die Bühne gestellt und damit die vorhersehbare Schlichtheit des Plots nur noch stärker hervorgehoben. Wenn Donna mit ihren Dynamos mal in jenen aberwitzigen Klamotten auftritt, in denen die echten Abbas seinerzeit über die Bühnen gefegt sind - diese Mischung aus Schlaghosenverirrung, Raumschiff Enterprise und Karneval in Rio -, sind das zwar durchaus unterhaltsame Einschübe, aber keine ironischen (Unter-)Brechungen, die die Handlung vorwärtsbringen.Jetzt wird's aber Zeit fürs Positive, ehe hier die Zeilen ausgehen: Das britische Tournee-Ensemble ist einfach klasse. Vorneweg Sara Poyzer, Shobna Gulati und Anna Stolli, die als Donna and the Dynamos die Zuschauer bei jeder Nummer von den Stühlen reißen.Ein formidables Damentrio

Das tun sie nicht nur mit ihren sagenhaften Stimmen, die den Abba-Sound notengetreu treffen (wie die Band unter Leitung von Martin Koch), sondern auch mit wunderbarer Selbstironie, die sie als alternde Showbiz-Pferde mit ihren diversen Zipperlein zynisch und mit einem Hauch von ironisch gebrochenem Selbstmitleid zur Schau stellen. Die drei Damen hätten jede Auszeichnung verdient, die den echten Abbas im Laufe ihrer Karriere verliehen wurde. Niamh Perry ist die Braut, die sich nicht traut. Ihr als jugendlicher Naiven, die es faustdick hinter den Ohren hat, sind die eher romantischen Lieder aus dem großen Abba-Songbook anvertraut, deren Balladenton sie mit schön dosierter Sentimentalität trifft. Ihr zur Seite steht und singt Justin Thomas als Verlobter Sky, der wirklich gut aussieht, besonders in enger Badehose, ansonsten aber ein bisschen blass bleibt. Wie überhaupt die Männer das Problem bei "Mamma mia" sind: Harry, Bill und Sam (Mark Jar dine, Michael Bleckley und Richard Standing) sind weder fantastische Sänger, noch vermögen sie als Donnas Ex-Lover so recht zu überzeugen. Eher wirken sie, als sei ihnen der ganze schillernde Zirkus, in den sie da hineingeraten sind, ein wenig unangenehm, und als würden sie sich bei Shakespeare wohler fühlen.Der Zuschauer allerdings, der Abba mag und den ganzen nostalgischen Flitterkram drumherum, wird sich amüsieren wie Bolle. Genau wie das Premierenpublikum im Grand Théâtre. Das hätte zum Schluss am liebsten die Sitzreihen abmontiert und mitgetanzt.Die nächsten Vorstellungen: 18., 19. (2 Vorstellungen), 20. (2), 22., 23., 25., 26. (2), 27. (2), 29., 30., 31. Dezember; 1., 2. (2) und 3. (2) Januar. Karten im TV-Service-Center Trier. Informationen zu den Anfangszeiten untertheatres.lu