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Josef Zierden organisiert das Eifel-Literatur-Festival 2021

Kultur : Eifel-Literatur-Festival 2021 - Zierden macht’s doch noch mal

Die Planung für das Eifel-Literatur-Festival 2021 läuft – erstaunlicherweise wieder unter Regie des Festivalgründers. Acht Lesungen mit Autoren von Weltrang soll es geben. Wie kam denn das?

Wie anders ist das Bild, das Josef Zierden 2020 abgibt. 2019, da war er blass und traurig. Gequält von Gedanken an Krankheit und Tod. Getrieben vom Wunsch zu leben. Und fest entschlossen, sich nicht wieder „von der Welt wegzusperren“, um das Eifel-Literatur-Festival zu organisieren: Die inzwischen auf den 25. September verschobene Lesung mit Star-Autor Sebastian Fitzek sollte für Zierden der Schlusspunkt sein. Danach wollte er sein Festival nach einem Vierteljahrhundert in andere Hände übergeben, um nach überstandener Krankheit mehr Zeit für seine Familie und sich selbst zu haben.

2020 jedoch sieht vieles anders aus. Auch Zierden selbst. Nicht nur sein Teint, auch seine Stimmung wirkt sonnig. Er ist entspannt und gelassen.

„Das sind herrliche Zeiten gewesen fürs Lesen“, sagt er über die Corona-Wochen. Sein akribisch geführtes Lesetagebuch zeigt ihm, dass er seit April 25 Bücher verschlungen hat. Einen Teil davon einfach so. Zum Genuss. Einen anderen Teil zur Vorbereitung auf das Eifel-Literatur-Festival 2021, das er allen Ankündigungen zum Trotz nun doch wieder selbst organisiert. „Ich nehme nicht Anlauf für weitere Langstrecken. Ich will nicht den Seehofer machen“, sagt er. Aber er wolle ausprobieren, ob eine kompakte Form des Festivals ohne großen bürokratischen Aufwand finanziell machbar sei.

Nur noch um die acht Veranstaltungen soll es 2021 geben. Sechs davon stünden bereits fest. Wie immer handele es sich um ein hochwertiges Programm, darunter seien zwei Autoren von Weltrang.

Eine Autorin, die 2021 in die Eifel kommt, sei ein „absoluter Herzenswunsch“ von ihm gewesen. Namen nennt Zierden nicht. Die Frau habe nur zwei Romane veröffentlicht über das Leben im ländlichen Raum und damit gleich große Erfolge erzielt. Mehr lässt er sich zum Programm noch nicht entlocken. Organisatorisch will er so vorgehen, dass er auf kommunales Geld verzichtet, um weniger Arbeit mit den Verwendungsnachweisen zu haben.

Ein Vorgehen, dass seiner möglichen Nachfolgerin Sabine Rehm entgegenkommt. Hat die Prümer Buchhändlerin, die das Festival bereits lange begleitet, doch schon mit Arbeit und Familie einen gut gefüllten Terminkalender. Ein reduziertes Programm könne sie sich auf jeden Fall besser vorstellen, als das „Mammutding“, das das Festival mit mehr als 20 Lesungen zuletzt war.

Nun  kann die 48-Jährige, die Respekt vor den großen Fußstapfen ihres ehemaligen Deutschlehrers hat, beobachten: Wo kriegt er sein Geld her, wie spricht er Autoren an? Rehm findet ihre mögliche neue Aufgabe „spannend und wichtig für die Eifel“. Fest steht allerdings noch nichts. Dass Zierden erst mal selbst weitermacht, gibt ihr Zeit zum Überlegen.

Nicht nur die ferne, auch die nahe Zukunft ist noch offen. So bleibt wegen der Pandemie abzuwarten, wie die Lesung mit Thriller-Star Sebastian Fitzek im September genau aussehen wird. Zierden geht davon aus, dass Corona auch 2021 eine Herausforderung bleibt und im schlimmsten Fall jeweils nur die Hälfte der üblichen Zuhörer zu den Lesungen kommen kann.

„Das ist am Ende ein Rechenexempel, was finanziell realisierbar ist“, sagt der Germanist, der es inzwischen alles andere als selbstverständlich findet, mit seinem Literaturfestival  25 virenfreie Jahre erlebt zu haben, in denen rund  250 Autorinnen und Autoren für mehr als 100 000 Besucher lasen. „Sternstunden für Leser“, über die nun auch ein frisch gedruckter  Jubiläumsband informiert.

Ein Band, der seiner Nachfolgerin als Türöffner dienen soll. Macht er doch auf einen Blick deutlich, dass es sich um ein Festival handelt, dass nicht nur Bestseller-Autoren, sondern auch mehrere Nobelpreisträger, darunter Günter Grass und Herta Müller, in die Eifel brachte. Ein Band, der ihm auch deswegen wichtig ist, weil manche Wegbegleiter längst gestorben sind. Ein Band, der für Zierden auch „ein notwendiger Baustein der Abnabelung“ ist.

„Ich muss nix mehr beweisen“, sagt er. „Ich muss gar nichts mehr. Das gibt Leichtigkeit.“ Und die sieht man ihm an.

Fest steht aber jetzt schon: Wenn ein Nobelpreisträger anklopft, werde er nicht nein sagen. Gut möglich also, dass es weitere Wiedersehen gibt.