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JTI Jazz-Award für finnischen Pianisten Iiro Rantala: „Der Jazz wurde in Deutschland erfunden"

Trier. Spitzbübisch, unbekümmert und hochprofessionell spielt Iiro Rantala das Klavier. Und mit einer Freude, die ansteckend ist. Der finnische Jazz-Pianist ist am Dienstagabend im Rahmen eines Konzerts beim Mosel Musikfestival mit dem siebten JTI-Award ausgezeichnet worden. Dazu erlebten 250 Besucher ein Konzert der Spitzenklasse. Christina Bents

"Eine Weltmeisterschaft im Luftgitarre-Spielen traut man den Finnen zu", sagt der Musikjournalist Ralf Dombrowski. Schließlich seien sie oft als die schrägen Vögel Europas dahergekommen. Aber ein Klaviertrio mit kalifornischer Leichtigkeit vortragen? Genau das aber sei Iiro Rantala, dem Pianisten, gelungen, den Dombrowski als Jurymitglied des siebten JTI-Awards als Preisträger 2016 im IHK-Tagungszentrum in Trier am Dienstagabend vorstellte. Sowohl als Solist als auch mit seinem Trio sei Iiro Rantala ein würdiger Preisträger, so der Laudator.

Und dann geht der 46-jährige Echo Jazz-Preisträger von 2012 auf die Bühne und beginnt mit einem Stück von Bach, das erste, das er gelernt hat. Er spielt es erst zart, dann kräftiger und schließlich mündet es in "Thinking of Misty", als gehörten die beiden schon immer zusammen.

Zu Bach hat Iiro Rantala eine besondere Beziehung, denn der war seiner Meinung nach der erste Jazzmusiker. "Der Jazz ist hier in Deutschland erfunden worden", sagt er. "Johann Sebastian Bach war der erste, der in seinen Stücken improvisiert hat. Bei seinem eigenen Spiel wirkt der Finne hochkonzentriert, tief versunken, singt leise die Töne mit, stampft mit dem rechten Fuß auf und ist im nächsten Moment wieder in Kontakt mit dem Publikum."

Mosel Musikfestival

Bei ""Tears for Esbjörn" wird es melancholisch, einzelne Töne klingen, als würden jemandem Tränen langsam übers Gesicht rollen. Das Stück hat Rantala im Gedenken an den 2008 tödlich verunglückten Komponisten Esbjörn Svensson gespielt, der als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Jazz-Pianisten der Zeit um die Jahrtausendwende angesehen wird. Dann wieder hellt sich die Stimmung des Stücks etwas auf, es erinnert an das Leben Svenssons -, doch die Tränen bleiben. Dann merkt man den Schmerz, der den Trauernden mit Dissonanzen innerlich zerreißt. Schließlich wird es kraftvoller und klingt leise aus.

Es folgen Stücke von Leonard Bernstein und aus seinem aktuell sehr erfolgreichen Album "My working class hero" - eine Hommage an John Lennon. Damit zeigt Rantala seine musikalische Vielseitigkeit, und dass er problemlos die Grenzen zwischen den Musikrichtungen auflösen kann.

Seinen beiden Söhnen, die charakterlich sehr unterschiedlich zu sein scheinen, hat er ein Lied gewidmet, aus dem man schnell heraushört, dass der eine eher für die einfachen Dinge wie Essen und Schlafen zu haben ist, "der andere sich dagegen oftmals wie James Bond fühlt, nur ohne dessen Glück zu haben", wie Rantala sagt.

Für das Preisträgerkonzert gab es stehenden Applaus und als Zugabe "All you need is love", bei dem Iiro Rantalla das Publikum ermutigte mitzusingen. Im ausverkauften Tagungszentrum der IHK war unter den 250 Jazzinteressierten aus der Region auch der Pianist und Komponist Kit Armstrong dabei, der selbst am Sonntag eine Weltpremiere als Organist an den Orgeln der Konstantin-Basilika spielen wird.