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Jüdisches Leben in seltenen Bildern

Er gewährt Einblicke in eine New Yorker Synagoge: Stephen Levine vor einem Foto der Ausstellung „Ein Tag in Brooklyn“. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Er gewährt Einblicke in eine New Yorker Synagoge: Stephen Levine vor einem Foto der Ausstellung „Ein Tag in Brooklyn“. TV-Foto: Eva-Maria Reuther FOTO: Eva-Maria Reuther
Wittlich. Eine außergewöhnliche Ausstellung zeigt derzeit die Galerie im Alten Rathaus Wittlich. Sie überzeugt durch ihre Fotos und dient gleichermaßen der interkulturellen Verständigung. Besucher können mit Hilfe von Stephen Levines Fotografien einen Tag bei den Lubawitscher Juden im New Yorker Stadtteil Brooklyn verbringen. Eva-Maria Reuther

Wittlich. New York ist ebenso aufregend wie brutal. Seit jeher ist das schillernde bunte Biotop am Hudson zudem Auffangbecken und Lebensraum für Migranten aller Kulturen und Glaubensrichtungen, die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einen Neustart versuchen und auf eine bessere Zukunft hoffen. So wie die Lubawitscher Juden, die heute im Wohnviertel Crown Heights im Stadtteil Brooklyn leben.
Die etwa 30 000 Lubawitscher, auch als Chabad Chassidim bekannt, sind eine orthodoxe chassidische Gruppierung unter den über 1,5 Millionen Juden, die in New York, vorwiegend in Brooklyn, wohnen. Benannt ist die sogenannte Dynastie nach dem Dorf Lubawitsch in der Nähe von Smolensk im Westen Russlands, wo sich ihre Anhänger im 19. Jahrhundert niederließen.
Rückkehr in die US-Heimat


Nach mehreren Umsiedlungen floh ihr Oberhaupt, der damalige Rabbi Yosef Yitzchak Schneersohn 1940 nach Amerika. Wie sein Nachfolger, der legendäre Rabbi Menachem Mendel Schneerson, den manche seiner Anhänger als Messias verehren, wohnte er bis zu seinem Tod in Crown Heights. Dort ist auch Stephen Levine geboren, nicht weit von der zentralen Chabad Synagoge am 770 Eastern Parkway, kurz 770 genannt.
In der Person des Wahltrierers aus New York bestätigt sich einmal mehr die synergetische Kraft der Kunst. Der an der renommierten Juilliard School in New York ausgebildete Musiker war lange Solotrompeter im Philharmonischen Orchester der Stadt Trier, wo er bis heute lebt.
Dass er zu fotografieren begann, verdankt sich der Langweile während einer Tournee mit den New Yorker Symphonikern in den 60er-Jahren. Um sich die Zeit zu vertreiben, kaufte er sich kurzerhand in einem Pfandhaus eine gebrauchte Leica.
Streifzüge mit der Kamera


Die Fotografie ließ den schmalen Mann mit den aufmerksamen Augen seitdem nicht mehr los. Zur Hauptbeschäftigung machte er sie allerdings erst nach der Pensionierung. Wie Frank Sinatra will auch Stephen Levine immer wieder in seiner Stadt "die niemals schläft" aufwachen.
Regelmäßig kommt er dorthin zurück. Auch damals, als er mit einem Rabbiner der Lubawitscher in Brooklyn zufällig ins Gespräch kam. Das Interesse des Fotografen war geweckt. Er machte sich auf die Spuren des Chabad. "Die Lubawitscher sind sehr freundlich", erzählt Levine. Seine Bilder sprechen für sich. Entstanden ist bei seinen aufmerksamen Streifzügen durch Crown Heights, seinem Besuch im Gemeindehaus und der Synagoge eine faszinierende Bilderfolge, die viel berichtet vom Leben der gläubigen Chabad-Anhänger und ihren philosophischen Studien.
Meisterlich hat Levine ihr Leben und ihren Glauben ins Bild gesetzt und gleichsam ins rechte Licht gerückt. Dabei folgt er in seinen Schwarz-Weiß-Fotografien Vorbildern wie Henri Cartier Bresson und der amerikanischen Street Photographie. Levine hat einen genauen Blick für Licht und Schatten, für jenen entscheidenden Augenblick, der die ganze Szene erhellt.
Tiefe Gläubigkeit, Festfreude und Familiensinn sprechen aus den eindrucksvollen Fotos der Männer mit Gebetsriemen und ehrwürdigen Bärten, die sich in ihre Bücher versenken, die Thorarollen in den Festumzügen tragen, ins Gespräch vertieft sind und Kinder an der Hand führen. Getrennt von ihren Männern feiern die Frauen.
Stephen Levines Fotos aus Brooklyn sind aus vielerlei Gründen unbedingt sehenswert, als spannende, gelungene Bilder ebenso wie als Beitrag zur interreligiösen Verständigung.
Bis 2. August, Dienstag bis Samstag 11-17 Uhr, sonntags und an Feiertagen 14-17 Uhr,
Telefon: 06571/171350,
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Extra

Zur Ausstellung von Stephen Levine in Wittlich ist im Trierer Verlag Michael Weyand ein gleichermaßen attraktiver wie informativer Fotoband entstanden, den Reinhold Bohlen, Theologieprofessor an der Universität Trier und ehemaliger Direktor des Emil-Frank-Instituts Wittlich, im Auftrag des Instituts herausgegeben hat. Neben zahlreichen Fotos aus Stephen Levines Bilderfolge "Ein Tag in Brooklyn" enthält er zwei ausgesprochen interessante Artikel zum Leben und Glauben der Lubawitscher Juden. Zudem hat die ehemalige FAZFotografin Barbara Klemm, die mit Levine befreundet ist, einen Beitrag beigesteuert. Ein weiterer stammt von Vera Quintus. er Reinhold Bohlen, Herausgeber: "Ein Tag in Brooklyn, 104 Seiten, Trier 2013, ISBN-13:978-3942429047