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Jugendstil aus dem Computer

Jugendstil aus dem Computer

TRIER. Organische Formen aus dem Computer und in der Wirklichkeit - da klingen vielfältige Assoziationen an. "Cybergärten und wirkliches Grün" in der Europäischen Kunstakademie Trier stellt einige davon vor.

Vorn, am Haupteingang der Europäischen Kunstakademie Trier, stehen Bildschirme, auf denen die Besucher selber optische Gestalten erzeugen und kombinieren können. Nicht weit davon hängt ein grauer, lang gestreckter Projektionshimmel, auf den vier pendelnde Projektoren Textfragmente strahlen, eine Auflösung und Neukombination von Sätzen und Wörtern, phantasievoll und doch ganz exakt.Aus Klängen werden Landschaften

Rechts davon laufen auf großen Projektionsflächen Computer-Videos ab - eine Reise durch künstlich generierte organische Formen, die wirken wie in einer Unterwasserwelt und mit entsprechenden Tönen begleitet werden. Einen Raum weiter hängen an der Wand Tafeln mit pflanzenähnlichen Ornamenten - Jugendstil aus dem Computer. Links davon stellt ein beweglicher Bildschirm Wahrzeichen der Region in einen virtuellen Raum. Im ersten Stock haben Künstler ein Karree aus Leinwand installiert, auf die Projektoren Formen und Farben zaubern, und dazu klingen von irgendwoher Töne. Raumkunst, ein wirklich dreidimensionales Erlebnis. Ein anderes Projekt, "Soundscraper", setzt Klänge in Landschaften um; ändern sich die Töne, verändern sich auch die Wege in solchen Landschaften. Und das sind nur einige Beispiele. "Cybergärten und wirkliches Grün"? Irgendwie passt der Titel schon auf diese Ausstellung. Wobei die Betonung auf "irgendwie" liegt. Die spannende Frage nach den Unterschieden und Korrespondenzen zwischen Organik und Kybernetik, zwischen natürlichem Wachstum aus genetischen Vorgaben und Gestalten aus digitalen Programmen wird nur gestreift. Was die Studenten des Bereichs Kommunikations-Design der Fachhochschule Trier unter Beteiligung der Europäischen Kunstakademie hingestellt haben, sind Spiele mit dem Thema "Natur aus dem Computer", hübsche, leichtfüßige, bunt gemischte Objekte, ideenreich und meist wenig tief schürfend. Das muss kein Nachteil sein. Eine Werkstatt sei die Schau, sagte Ausstellungsleiter Franz Kluge von der FH Trier und benannte zwei zentrale Themenkomplexe: einmal der Garten als Metapher, als Symbol für kreative Prozesse, komplexe Strukturen und eine kontrollierte Vielfalt. Und dann, als zweite Ebene, der Garten als Vision einer ganzheitlichen, grenzübergreifenden Kultur. Ob in der Ausstellung wirklich eine alle Sinne und Lebensbereiche übergreifende Kunst thematisiert wird, ist zweifelhaft. Ganz sicher ist sie aber als Kooperationsprojekt gelungen. Studenten aus der Fachhochschule Metz haben sich beteiligt und stellen eigene Exponate vor, und auch aus Luxemburg kamen Beiträge zur Schau. Außerdem haben die Veranstalter zur Ausstellung eine Konferenz vorgesehen. Sie findet am 28. und 29. Januar statt. Die "Einladung zum Quattrolog", ein offenes Gespräch über die Vision eines vernetzten Bildungsraums (28. Januar 16.30 Uhr) ist dabei zweifellos besonders bedeutsam. Kein stringentes Konzept also, keine umfassenden Erörterungen, sondern ein weites Feld, ein Öko-Garten der Ideen: bunt, scheinbar ungeordnet, aber keineswegs beziehungslos nebeneinander. Der Wille zur künstlerischen Auseinandersetzung mit organischen Formen und eine konkrete Kooperation mit den Künstlern der angrenzenden Regionen eint die unterschiedlichen Elemente dieser Schau. Für eine echte Zusammenarbeit in der Großregion und fürs Kulturjahr 2007 gibt sie wirkungsvolle Anstöße. Cybergärten und wirkliches Grün, bis 12. Februar in der Europäischen Kunstakademie Trier, Aachener Straße, geöffnet Di. bis So. 11-17 Uhr. Begleitprogramm am 26., 28. und 29. Januar, sowie vom 1. bis 9. Februar. Weitere Informationen: www.cybergaerten.de