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Jugendstück „Türkisch Gold“ hatte Premiere im Studio des Theaters Trier

Theater : Freundschaft, Liebe und Klischees

Das Jugendstück „Türkisch Gold“ hatte Premiere im Studio des Theaters Trier. Es regt dazu an, eigene Vorurteile zu hinterfragen.

Für das neue Jugendstück wurde die Studiobühne des Trierer Theaters zum Schulhof: „Hüpfhäuschen“ auf dem Boden, Kritzeleien an den Wänden, in der Mitte steht ein Konstrukt, das einer Tischtennisplatte nachempfunden ist und gleichzeitig den beiden Darstellern als Wippe dient, auf der sie ihre Wortgefechte austragen. Davina Donaldson und Martin Geisen, beide Anfang 30, spielen an diesem Abend die 14-jährige Luiza und den 15-jährigen Jonas. Der singt ein Liebeslied und begleitet sich selbst auf der Gitarre – man glaubt ihm sofort den verliebten Teenager. Etwas schade ist allerdings, dass es ein Song von John Denver ist, der den 15-Jährigen Besuchern im Jahr 2020 nichts mehr sagen dürfte.

Umso vielsagender sind die Blicke von Luiza, als sie hört, dass ihr bester Freund sich in den Ferien verliebt hat. Doch ihre Enttäuschung und Eifersucht gehen an Jonas völlig vorbei. Schließlich ist Luiza „kein richtiges Mädchen“, sondern nur Jonas‘ bester Kumpel. Und hier holt das Stück die jungen Zuschauer ab. Aus Freundschaft wird Liebe – doch leider wird sie nicht immer erwidert.

Das allein böte genügend Stoff für ein Theaterstück. Nun ist es bei „Türkisch Gold“ von Tina Müller die Türkin Aynur, in die sich Jonas verliebt hat, und das Spiel mit den Klischees beginnt. Luiza und Jonas schlüpfen in verschiedene Rollen, um sich gegenseitig die Szenarien vorzuspielen, die sich durch diese Liebe ergeben könnten. Da gibt es den prolligen Zwillingsbruder von Aynur, der ganz in Klischeetürkenmanier dem jungen Liebenden droht, zwei tratschende Schulhof-Tussis, einen Klischee-Rechten und viele andere Personen, die glauben, zur Liebe zwischen Aynur und Jonas ihre Meinung abgeben zu müssen.

Damit die Zuschauer beim schnellen Wechsel der Personen mitkommen, ist hohe Aufmerksamkeit gefragt. Zumindest an der Premiere ist das größtenteils junge Publikum sehr konzentriert bei der Sache, und es ist einigen anzumerken, dass die eigenen Klischees in den Köpfen hinterfragt werden. Wenn sich die Tischtennisplatte mal in eine (Status-)Wippe verwandelt oder als fliegender Teppich fungiert, ist das für die Zuschauer, die von zwei Seiten das Geschehen in der Mitte verfolgen, ein hautnahes Stück Theater mit zwei Schauspielern, die die große Bandbreite ihrer Wandlungsfähigkeit präsentieren. Langanhaltender Applaus am Ende zeigt, dass sie ihr Publikum erreicht haben.

Das Theater nennt als Zielgruppe Jugendliche ab 12 Jahren. Weitere Termine am heutigen Freitag um 10 Uhr, Sonntag, 26. Januar, und 2. Februar, jeweils um 18 Uhr, sowie jeweils um 10 Uhr am 6., 7., 10. und 11. Februar und am 2. März. Karten gibt es online auf www.theater-trier.de, unter der Mailadresse theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/ 718-1818.