Juli in Luxemburg: Elektrisches Gefühl trifft perfekte Welle

Juli in Luxemburg: Elektrisches Gefühl trifft perfekte Welle

Breite Gitarrensounds, elektronische Klänge und deutsche Texte: Die fünf Musiker aus Gießen namens Juli haben im Atelier in Luxemburg bewiesen, dass sie auch zehn Jahre nach der "Perfekten Welle" ihr kreatives Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft haben.

Luxemburg. Normalerweise sind Wasser und Elektrizität eine tödliche Kombination. Nicht so bei Juli, der Band rund um Sängerin Eva Briegel. Mit Songs wie "Die perfekte Welle" oder "Regen und Meer" gelang ihnen im Jahr 2004 der Durchbruch.
Viele Wassermetaphern, große Texte rund um die Liebe prägten dieses erste Album. Vergleichsweise rockig kam es daher. Ihr drittes Album "In Love" war von elektrischen Klängen geprägt: Schnelle und tanzbare Nummern wie "Elektrisches Gefühl" und "Süchtig" produzierten Ohrwürmer.
Die Liebe - ein Wasserfall


Die rund 500 Zuhörer im Atelier in Luxemburg erleben eine Reise durch eben diese Bandgeschichte: Das Konzert eröffnen Juli mit Songs ihres aktuellen Albums "Insel". Mit geschlossenen Augen singt Eva Briegel "Unsere Liebe ist ein Wasserfall / Ich kann nicht mehr denken / ich kann nicht mehr lenken". Auch hier wieder die Wassermetapher.
Weiter geht es ausgesprochen elektronisch mit "Maschinen": "Wir sind wie Maschinen / Wir müssen funktionieren / Müssen immer weiterlaufen / Ohne Plan und ohne Ziel." Ein kritischer und treffender Text über unsere immer mehr auf Effizienz getrimmte Zeit.
Wasser und Elektrizität passt also doch. "Ihr seid ja noch genau so schön wie vor zehn Jahren", ruft Eva Briegel nach den ersten drei Songs in die bunt gemischte Menge. Vor zehn Jahre hatte die Band zum letzten Mal im Atelier gespielt. Damit zu kokettieren ist aber absolut nicht notwendig. Der Abend mit Juli langweilt das Ohr nicht.
Immer andere Klänge und Rhythmen, mal ruhig, mal tanzbar, deutsche Texte mit Sinn und Verstand nehmen das Publikum direkt mit: Bei "Wir beide", einer Hymne auf die Freundschaft, umarmen sich beste Freundinnen. Bei "Jetzt" wiegen sich Paare verliebt in der Musik. Junge Mädels singen textsicher "Geile Zeit" mit, genauso wie ein paar Jungs in der ersten Reihe mitsingen und tanzen.
Als das Intro zur perfekten Welle als Zugabe erklingt, gibt es lautes Gekreische. Nach 90 Minuten und drei Zugaben ist das Konzert von Juli dann zu Ende. Was bleibt: das Gefühl, dass die Band, die vor zehn Jahren den ersten Liebeskummer begleitet hat, noch immer den Nerv dieser Generation trifft. Mit ihrer Musik und ihren Texten. Um es mit Juli zu sagen: "Alle, die mich brauchen, hebt eure Hände." Ja, hier! Juli wird noch gebraucht. jwa