Junger Schwede!

TRIER. (AF) Die Rückkehr des Brit-Pop: Sugarplum Fairy kommen zwar aus dem tiefsten Schweden. Bei ihrem stürmischen Auftritt im gut gefüllten Trierer Forum zeigen die fünf aber, dass ihre musikalische Heimat England heißt.

Borlänge muss wohl der natürliche Feind der schwedischen Tourismus-Branche sein. Ein dröges Industriestädtchen, irgendwann, irgendwo in die ewigen Wälder gespachtelt. Wer dort seine Jugend verbringt, hat Zeit. Hat Jahre ohne Ablenkung, um Pop zu hören. Oder Musik zu machen. Die Hölle als Paradies. Normalerweise hat man bei einem Sugarplum-Fairy-Konzert keine Zeit, sich über schwedische Landeskunde Gedanken zu machen. Dafür sind die fünf Borlänger auf der Bühne zu wuselig, zu präsent, zu unterhaltsam. Gerade geht das aber: Denn die Band um die Brüder Carl und Victor Norén ist seit einer Minute in der Bewegung "eingefroren". Mitten in der Cover-Version von The Verve: kein Ton mehr, kein Zucken auf der Forum-Bühne. Die Schweden, die vor zwei Jahren mit "Stay Young" international loslegten, kämpfen gegen die Zeit an. Ein Anblick wie in Madame Tussauds Wachsfiguren-Kabinett. Jugend hält nicht ewig, nicht mal im Kopf. Wochen rinnen wie flüssiges Wachs. Auch wenn sich Carl, der in Trier seinen Geburtstag feiert, tapfer Mut zuspricht: "Ich werde 23. Ich bin noch jung." Er ist älter als viele Fans, die den blonden Sänger in den ersten Reihen anschmachten. Aber er ist auch jünger als viele Lieder, die er liebt. Sugarplum Fairy werden wohl nie in Wachs gegossen. Etwa im Gegensatz zu ihren Vorbildern den Beatles. Dafür sind sie nicht eigenständig genug, die zeitlosen Über-Melodien kommen nicht so locker über die Lippen, den "Klingt-wie-xy"-Sticker kratzt man oft nur mühsam von den Liedern. Borlänge ist nicht Liverpool. Das stört aber auch nicht. Denn Sugarplum Fairy machen keinen Hehl aus ihren Vorlieben, aus ihrer Verbeugung vor Oasis, den Beatles oder The Verve. Sie verwalten das schwere Erbe des verblichenen 90er-Jahre-Brit-Pop erstaunlich gut. Victor, gerade mal 20, gibt auf der Bühne den lässig Arroganten. Er ist dem jungen Mick Jagger so ähnlich, dass er ihn in einem Kinofilm über das frühere Ober-Groupie Uschi Obermaier spielen darf. Er weiß, dass er gut ist. Narzisstisch und sexy. Dass er in den vorderen Reihen die Auswahl hätte. Nur Uschis Altersgenossinnen kämen nicht mehr infrage. Die Zeit behandelt Menschen und Lieder eben nicht gleich.

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