Kabale und Hiebe

TRIER. Das Ende der Ära Lukas-Kindermann am Trierer Theater wird von wachsenden Konflikten überschattet. Zwischen Intendanz, Verwaltungsdirektor und Kulturdezernent herrscht Eiszeit - zum Schaden des Hauses.

Das Angebot kam unverhofft: Siegfried Matthus, einer der angesehensten unter den lebenden Komponisten, signalisierte Bereitschaft, zu einer Aufführung seiner funkelnagelneuen Michael-Ende-Oper "Die unendliche Geschichte" nach Trier zu kommen. Mehr noch: Der Berliner Tonsetzer bot an, seinen 70. Geburtstag am 13. April termingerecht im Trierer Theater zu feiern, drei Tage nach der parallelen Welt-Aufführung in Trier und Weimar. Flugs wollte Intendant Lukas-Kindermann eine Aufführung ansetzen, aber er hatte die Rechnung ohne seinen Verwaltungsdirektor Werner Reichert gemacht. Der äußerte massive Zweifel, "dass die Anwesenheit des Komponisten eine so wesentliche Attraktivitätssteigerung bedeutet" und empfahl angesichts der Osterferienzeit, "auch mit Rücksicht auf die Nachfrage" lieber eine Zusatzvorstellung von "Jesus Christ Superstar" anzubieten. Entsprechende Kostenrechnungsbeispiele fügte er gleich hinzu. Das skurrile Exempel zeigt, auf welcher Ebene zurzeit im Trierer Theater agiert wird. Bis hin zur Entscheidung, wer etwa in der Oper "Tosca" welche Hauptrolle übernimmt, wird fast jede Frage zum Streitpunkt. Zum Ende der Ära Kindermann tobt im Theater ein Grabenkrieg, der den künstlerischen Erfolg der laufenden Saison mehr und mehr in den Hintergrund rücken lässt. Der scheidende Intendant ist dabei keineswegs ein Kind von Traurigkeit. Heinz Lukas-Kindermann, tief gekränkt über den Umstand, dass man bei der Stadt an seiner Meinung zur Zukunft "seiner" Antikenfestspiele nicht interessiert war, ist für Friedensangebote derzeit nicht zu haben. Eine Einladung des Oberbürgermeisters zum trauten Kaffetrinken half da so wenig wie eine höchst vertraulich geführte Gesprächsrunde mit seinem Nachfolger, dem Kulturdezernenten und handverlesenen Kulturpolitikern der Ratsfraktionen, die stellenweise einen recht stürmischen Verlauf nahm. Neuestes Beispiel: Zurzeit inszeniert der Wiener Verdis Oper "Nabucco" am angesehenen Dortmunder Opernhaus - trotz heftigen Vetos seitens des Rathauses. Mit Gastspielen in Prag und Kaiserslautern hatte Kindermann sein vertraglich limitiertes Kontingent an aushäusigen Arbeiten für diese Saison bereits ausgeschöpft und hätte eigentlich am Augustinerhof bleiben müssen - was ihn angesichts der ohnehin verkorksten Lage nicht weiter kümmerte. Angesichts solcher Obstruktion hat man im Rathaus offenbar resigniert - "Augen zu und durch" scheint die Parole im Dezernat Holkenbrink für die verbleibenden Monate zu sein. Eine aus Ratskreisen angeregte Abschiedsveranstaltung für den scheidenden Theaterchef steht auf der Kippe. Unterdessen verlautet aus der Umgebung von Gerhard Weber, der Neue werde Mitte März mehr über seine künftigen Pläne verraten. Weber hat sich öffentlich bislang stark zurückgehalten, so wie es bei Intendantenwechseln dem Komment zwischen Amtsinhaber und Nachfolger entspricht. Intern machte er bei der vertraulichen Holkenbrink-Runde allerdings keinen Hehl daraus, wie sehr ihn Kindermanns öffentliche Attacken befremden. Im illustren Kreis nahm er seinem Vorgänger und Kritiker allerdings auch den Wind aus den Segeln: Trotz aller Innovation solle bei den Antikenfestspielen die Oper auch künftig eine gewichtige Rolle spielen.