Kabale und Hiebe

Die Auseinandersetzung über die Zukunft des Trierer Theaters spitzt sich zu. Das Haus hat eine Internetpetition gestartet, die kräftig Kritik an der Stadt übt (der TV berichtete). Kulturdezernent Thomas Egger wiederum wirft Intendant Gerhard Weber vor, es dabei mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen.

Trier. Wer im Internet die Seite www.theater-trier.de aufruft und dann auf den Button "Pro Ensemble-Theater Trier" klickt, dem bietet sich ein ungewöhnliches Bild. Oben rechts steht "Stadtamt 46" - eine Art offizielle Adresse des Theaters, bei dem es sich juristisch um eine Abteilung der Stadtverwaltung handelt. Dann folgen 13 Punkte, die eine Generalabrechnung mit der Kulturpolitik der Stadt Trier darstellen.

Von einem "beispiellosen kulturellen Kahlschlag in der Weltkulturerbe-Stadt Trier" ist da die Rede, vom "Ausbluten der Trierer Kulturlandschaft", die "zur Provinz im schlechtesten Sinne des Wortes herabgewürdigt werde", falls Dezernent Egger die "schlimmsten Szenarien" eines von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachtens umsetze.

Kernforderung: Der Stadtrat soll das Geld, das für eine uneingeschränkte Fortführung des Theaters in der bisherigen Form nötig ist, zur Verfügung stellen und auf eine Strukturdiskussion verzichten. Schlusspunkt der Petition, die binnen weniger Tage über 5000 Unterstützer fand (davon allerdings die Mehrzahl aus der bundesweiten Theaterszene): Der markige Aufruf, für den Erhalt des Dreispartentheaters zu kämpfen, wenn der Stadtrat in seiner Sitzung am 3. Juli "über die Zukunft des Theaters Trier" entscheide.

Eine solche Entscheidung sei vor der Sommerpause im Stadtrat überhaupt nicht geplant, lässt ein sichtlich irritierter Kulturdezernent nun aus seinem Urlaub vermelden. Er habe das dem Intendanten auch vor Veröffentlichung der Petition ausdrücklich persönlich mitgeteilt. Gerhard Weber bleibt die Antwort nicht schuldig: Egger habe bei einer Mitarbeiterversammlung im Theater schon vor Wochen bekundet, er wolle eine Entscheidung vor der Sommerpause. "Wenn er sich das jetzt anders überlegt hat, habe ich aus Sicht des Theaters nichts dagegen." Eine Korrektur des Textes ist aber offenbar nicht geplant.

Das Tischtuch zwischen dem Theaterleiter, dessen Amtszeit 2015 endet, und dem obersten Kulturchef der Stadt scheint zerschnitten. Weber macht keinen Hehl daraus, wie sauer er ist, dass ihn Egger bei der Erarbeitung der kulturpolitischen Leitlinien für die Stadt außen vorgelassen hat.
Aber auch bei der Erstellung des Gutachtens für die Zukunft des Theaters fühlen sich die Hauptbetroffenen nicht ausreichend eingebunden. Eigene Vorschläge des Hauses seien nach der Devise "nett, aber nutzlos" abgebügelt worden, heißt es. Dass man in Trier an der Notwendigkeit fester Strukturen zweifle, sei ein "geistiges Armutszeugnis", sagt Weber-Stellvertreter Peter Oppermann.

Aber bei allen bedrohlichen Tönen der Petition versucht Weber, eine Tür für mögliche Kompromisse offenzuhalten: Das Theater werde sich einem offenen Dialog über seine Zukunft stellen - "wenn es Optionen gibt, die für beide Seiten diskutierbar sind".
An welche Optionen der Kulturdezernent und sein Gutachter Dieter Haselbach denken, soll im Kulturausschuss am 13. Juni auf den Tisch kommen. Dann dürfte auch langsam klar werden, welche Zukunftsszenarien die Kommunalpolitik in nähere Erwägung zieht. Ob und wann endgültige Entscheidungen fallen, steht aber derzeit noch in den Sternen.Extra

Das Theater Trier (über 200 Mitarbeiter) braucht ein Jahresbudget von etwa 15 Millionen Euro, von dem aber nur gut ein Zehntel über Zuschauereinnahmen refinanziert wird. Die übrigen Kosten teilen sich Land und Stadt - wobei Mainz seinen Anteil bei 5,6 Mio. eingefroren hat, die Stadt also alle Mehrkosten aufbringen muss. 2012 sollte das Theater eine Million Euro einsparen und schaffte "nur" die Hälfte - immer noch viel angesichts des für ein Dreispartenhaus kleinen Budgets. Ein Gutachten ergab: Billiger geht\\'s nicht - die Stadt muss mehr zahlen oder Einschnitte bei der Struktur vornehmen. DiL