Kabarettist Faisal Kawusi tritt vor 750 Besuchern in Trierer auf

Kabarett : Ein Afghane mit fettem, feinem Humor

Faisal Kawusi bringt die 750 Besucher in der Trierer Europahalle zum Lachen.

Das optisch Auffälligste an Faisal Kawusi ist sein Gewicht. Er ist nicht schlank. Das weiß er auch – und nutzt es. So meint er zu einer Besucherin: „Eh, pass’ auf, was du sagst, sonst mache ich Stage diving (Springen von der Bühne in eine Menschenmenge) in deine Richtung.“ Er scheut sich nicht, sein T-Shirt hochzuschieben, seine Wampe zu zeigen und zu erklären, dass sein Bauch mit der Narbe aus seiner Kindheit aussieht wie ein Canyon. Aber so harmlos bleibt es nicht.

Kawusi legt noch eine Schippe drauf, als er meint, wenn er gejagt werden wolle, ginge er nach Chemnitz, dort gebe es das beste Abnehmprogramm für fette Kanaken. Wenn man dort einen Monat bleibe, würde man jeden Tag gejagt und komme schlank wieder. Dabei hält er sich selbst für den „bestintegrierten Kanaken“ Deutschlands, schließlich leide er unter Laktose-Intoleranz, an dieser „Pussikrankheit“. Auch seine Mutter sei schon sehr deutsch geworden, bei einem Urlaub in der Türkei habe sie auf einem Basar tatsächlich den geforderten Preis des Händlers gezahlt. Sein Vater hingegen habe richtig gut gehandelt und gemeint, das habe er auf Ebay gelernt – drei, zwei, eins, meins und grinst.

Das Publikum bindet er ebenfalls ein, da gibt es Sebastian und Joelle, die von Faisal Kawusi immer wieder angesprochen werden, beispielsweise vor der Pause, als man den Eindruck hat, dem Kabarettisten selbst gehe langsam die Luft aus. In der zweiten Hälfte war er wieder mit einer Pointe nach der anderen unterwegs. Die Deutschen mit Schlager, Sprache und Mett-Igel waren die Zielscheibe seines Humors. Er meint, die Deutschen seien zu schweinefleischfixiert, und Mett-Igel seien ihm mehr als fremd, denn man schlachte ein Schwein, mache es zu Hackfleisch und forme schließlich ein anderes Tier daraus. Er wundert sich weiter: „Und das Wort Leichenschmaus. Was ist das für ein Wort? Da habe ich bis vor kurzem gedacht, dass man die Leiche isst. Ich bin von einem Kumpel nach einer Beerdigung gefragt worden, gehst du mit zum Leichenschmaus? Das war das erste Mal, dass ich zu kostenlosem Essen ,Nein’ gesagt habe.“ Mit dem deutschen Schlager, sagt er, komme er überhaupt nicht klar und würde eher zum IS als zu Michael Wendler gehen.

Seine Mimik, Gestik und verschiedenen Stimmlagen setzt Kawusi gekonnt ein, beispielsweise, wenn er inszeniert, wie sich Deutsche, Polen, Araber, Schweizer und Spanier bei einer Schlägerei verhalten würden. Die katholische Kirche bekommt eine Breitseite, als es um das Thema Kinder geht. Er sagt: „Ich liebe Kinder, aber nicht, wie ihr jetzt denkt. Ich bin Moslem, kein Katholik.“ Das saß.

Fast schon kämpferisch, zumindest sehr nachdrücklich, erklärte er den Besuchern den Titel seines Soloprogramms „Anarchie“. Den hat er gewählt, weil ihm die Doppelmoral vieler Menschen auf die Nerven geht. „Die regen sich über Witze auf, und Amerika ruiniert ein Land nach dem anderen, die regen sich über Witze auf, und Nestle beutet die halbe Welt aus, die regen sich über Witze auf, und Rentner müssen Pfandflaschen sammeln.“ Schließlich ist er sehr dankbar dafür, dass in Deutschland viele Menschen für die Freiheit gekämpft haben, er erwähnt die Geschwister Scholl, „damit so Leute wie ich hier stehen und frei reden können.“

Da traten Themen wie Körpermaße komplett in den Hintergrund, und der ein oder andere kam ins vorweihnachtliche Nachdenken.