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Kaltes Eis zum Aufheizen

Kaltes Eis zum Aufheizen

Dass ihre Welthits wie "Cold as Ice" oder "Urgent" immer noch zünden, bewiesen "Foreigner" bei einem von mehr als tausend Zuschauern bejubelten Konzert im "den Atelier" in Luxemburg. Die 1976 gegründete, inzwischen aber bis auf Gitarrist Mick Jones neu besetzte Band heizte mit geradlinigem melodiösen und kraftvollen Rock so ein, dass die Halle einem brodelnden Hexenkessel glich.

Luxemburg. Saunaluft macht Atmen und Bewegung im Den Atelier in Luxemburg schwer. Das aber hält 1100 Fans nicht ab, ganz dicht aufzuschließen und dem Auftritt von Foreigner mit Pfiffen und Geklatsche entgegenzufiebern. Die Band erhört sie, fackelt nicht lange und steigt genauso schnörkellos wie das kurze bunte Licht-Intro in ein Hitfeuerwerk ein, das die Frage aufwirft: Hat diese Band überhaupt Songs gemacht, die keine Hits waren? Wohl kaum: Tausend Kehlen singen absolut textfest "That was yesterday" oder "I want to know what love is" mit, natürlich auch "Cold as Ice", das wohl lindernde Kühle bringen soll, aber wie alles, was noch folgt, genau das Gegenteil bewirkt.

Bis zur völligen Verausgabung ihrer selbst und des Publikums lassen die Musiker zwei Stunden nonstop einen energiegeladenen Mix aus satten Gitarrenriffs, deftigen Schlagzeug-Rhythmen, atmosphärischen Keyboard-Klängen, schmelzenden Saxofon-Soli und Ohrwurmmelodien von der Bühne prasseln. In bester Rockermanier wirft sich dabei Sänger Kelly Hansen in Pose. Er versprüht gleichermaßen Stimmgewalt wie Schweißtropfen aus den langen Haaren und erntet dafür die in Gesang von "I've been waiting for a girl like you" gegossene Hingabe der Damen im Publikum. Die Herren halten es eher mit dem Lead-Gitarristen, kreativem Kopf und einzig verbliebenem Gründungsmitglied von Foreigner, Mick Jones, der seine mitreißenden Gitarren-Solo-Künste gerne im sich gegenseitig aufputschenden Stelldichein mit dem begnadeten Jeff Pilson am Bass und Tom Gimbel beweist.

Saxofonist läuft bei "Urgent" zu Hochform auf



Letzterer spielt die zweite Gitarre, läuft aber als Saxofonist, beispielsweise in der berühmten Solopartie von "Urgent", zu Hochform auf. Am Schlagzeug lässt es Jason Bonham knallen. Er ist der Sohn des Led Zeppelin-Musikers John Bonham, was augenzwinkernd mit einem Zitat aus "Whole lotta love" unterstrichen wird. Das ist neben einer schönen akustischen Unplugged-Version von "Say you will" und einer durch experimentellere Keyboard-Einführung (Michael Blue stein) und furioses Schlagzeug-Solo eingeleiteten fetzigen Version von "Jukebox-Hero" eine der Abwechslungen zwischen sonst nach recht ähnlichem Strickmuster konzipierten Hardrock- bis Schnulzennummern, die in jedem Fall eines sind: so eingängig, dass sie damit das Zeug zum Klassiker haben. Und so bleibt am Ende das Gefühl, ein Stück Musikgeschichte erlebt zu haben.