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Kammermusikalische Vereinigung Trier startet in neue Saison

Kultur : Kammermusikalische Vereinigung Trier: Strammer Einstieg in die neue Saison

Energisch und stürmisch eröffnete die Kammermusikalische Vereinigung Trier ihre Reihe „Festliche Kammerkonzerte“ mit dem Nodelman-Quartett im Kurfürstlichen Palais.

Womöglich war es die überschießende Freude, wieder vor einem leibhaftigen Publikum zu spielen, die dem Nodelman -Quartett im Kurfürstlichen Palais in Trier zu einem Elan verhalf, der zwar ungeheure Energie und Dynamik freisetzte, aber nicht unbedingt den präsentierten Musikstücken gut tat.

Hauptsache stramm, alles andere wird sich finden, war der vorherrschende Eindruck, den das Spiel der Musiker hinterließ. Wie sehr Künstler nach der Pandemie um ihr Publikum werben, das sich allerorts erst wieder zögerlich einfindet (auch im Festsaal des Palais gab es noch etliche freie Plätze), machte auch die Moderation von Bratschist Andreas Kosinski deutlich, der sich zwischen den einzelnen Stücken als munterer Entertainer betätigte und umfangreich das Programm kommentierte.

Was unterhaltsam sein mag, aber nicht unbedingt Konzentration und Hingabe an die Musik beim Zuhörer fördert. Die Freude war übrigens nicht nur bei den Musikern groß. Mit dem Konzert konnte auch die Kammermusikalische Vereinigung Trier endlich wieder ihre Reihe „Festliche Kammerkonzerte“ aufnehmen, wie Thomas Kraemer eingangs betonte.

Mit Kraemer und seinem Kollegen Ulrich Krupp, die als Nachfolger von Michael Embach und Franz Josef Kleinbauer die neue Doppelspitze bilden, beginnt die traditionsreiche Trierer Vereinigung einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte.

Wegen der Erkrankung des Pianisten hatte das Programm von den geplanten Klavierquintetten auf Streichquartette umgestellt werden müssen. Was keinesfalls ein Nachteil war. Standen doch mit Fanny Hensels Streichquartett in Es-Dur und dem von Edward Grieg in g-Moll op.27 zwei äußerst reizvolle Werke auf dem Programm.

Eröffnet wurde der Abend mit dem Werk des 1949 gestorbenen, hierzulande eher selten gespielten spanischen Komponisten Joaquin Turina “La Oracion del Torero“ (Das Gebet des Toreros). Das war ein Stoßgebet zwischen Flehen und Fordern.

Bereits da zeigte sich, dass an diesem Abend Kraft vor Struktur, Zartgefühl und Klangsinn ging. Ganz deutlich wurde das in Fanny Hensels einzigem Streichquartett. Dem feinsinnigen, weit vorausweisenden Musikstück der Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy trieben die Musiker gleichsam die Seele aus.

Ebenso zeigte sich bereits da die Dominanz des ersten Geigers Misha Nodelman, der weniger auf gleichberechtigte musikalische Dialoge setzte, was Kammermusik nun mal ist, sondern immer wieder vorpreschte.

Ohnehin gestaltete sich das Zusammenspiel mit etlichen Unsicherheiten schwierig. Und auch Griegs Streichquartett verlor im brachialen Spiel seine bisweilen sinfonische Weite. Kaum noch erfahrbar war die Entwicklung der Struktur dieses interessanten kontrastreichen Werks mit seinen Verweisen angesichts des stürmischen Zugriffs der Musiker.

Transparent wurde da kaum mehr als der alte nordische Volkstanz, den Grieg zitiert. Ganz in ihrem Element und dem ihrer Musik waren die Musiker dagegen bei der Zugabe.

Dynamisch, brillant und voller Lebensfreude spielten sie einen eigens für sie geschriebenen ukrainischen Volkstanz. Das Publikum freute sich über den musikalischen „Wind of Change“ und applaudierte stürmisch.